ARD: "Eine stabile Mehrheit für SPD und Grüne steht"
22. September 2013 – Bundestagswahl. Bei ruhigem Herbstwetter nehmen viele Bundesbürger ihr Wahlrecht ernst. Viel mehr als erwartet und vorausgesagt.
Bereits gegen Mittag melden die Meinungsforschungsinstitute (Schönenborn, Schausten und Co.) den Parteispitzen, natürlich vertraulich, dass sich eine Überraschung, nein Sensation anbahnt.
Sie haben es anfangs selbst nicht geglaubt und einen Rechenfehler vermutet.
Nun sind sie sicher (und konsterniert).
Die FDP erhält viele Leihstimmen der Union, wird aber mit 4,9 Prozent knapp an der 5%-Hürde scheitern. Die CDU/CSU, mit 40 Prozent vorgewettet, verliert dadurch ca. 3 Prozent. Hinzu kommen noch um 2 Prozent Verlust durch einen überzeugenden fulminanten SPD-Endspurt. Noch nicht einmal berücksichtigt sind die 2,5 Prozentpunkte der AFD, die voll zu Lasten der Union gehen.
Prognose: Knapp unter 35 Prozent aller abgegebenen und gültigen Stimmen, wahrscheinlich sogar noch weniger.
Die LINKE kommt zwar in den Bundestag, verliert aber nach dem peinlichen Auftritt Sahra Wagenknechts vor einer Woche bei Jauch 2 Prozent und rettet sich mit 5,5 Prozent geradeso in den Reichstag. Die Hasstiraden gegen die SPD, ihren Hauptgegner, haben viele Wähler nachdenklich gemacht und abgeschreckt. Die Grünen, die sich über Monate so sicher gefühlt haben, manchmal glaubten sie, bereits vor der SPD ins Ziel zu kommen (Trittin Kanzler?), haben sich in der letzten Woche zwar erholt, bleiben aber mit 12 Prozent deutlich unter ihren Erwartungen und selbst gesetzten Zielen. Als einziger Wahlsieger gilt die SPD.
Peer Steinbrück hat es tatsächlich geschafft, nicht nur die 23 Prozent des Jahres 2009 vergessen zu machen, nein er erzielt mit einer im letzten Moment selbstbewusst gewordenen SPD das für unmöglich gehaltene Ergebnis von 33 Prozent. Eine Sensation und der Machtwechsel.
Die CDU/CSU wird zwar stärkste Partei, hat aber keinen Koalitionspartner. Außer die LINKE wäre plötzlich für die Konservativen hoffähig. Aber selbst das würde nicht reichen.
Die ARD fast zusammen:
„Union - 34,8 Prozent, SPD - 32,9 Prozent, Grüne – 12,4 Prozent,
Linke – 5,3 Prozent. Eine stabile Mehrheit für SPD und Grüne steht. Der Politikwechsel nach links zu mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft, hat auf der Zielgeraden funktioniert“
Und weiter – Originalzitat (!):
„Peer Steinbrück hat es mit seiner geradlinigen und grundehrlichen Art geschafft, eine Mehrheit jenseits der Union aufzubauen und von den Wählern bestätigen zu lassen. Wir gratulieren Peer Steinbrück und der SPD und freuen uns auf eine unvoreingenommene Zusammenarbeit in den kommenden Jahren“.
Nur ein Traum? Manchmal werden die sogar wahr.
Dirk Hartwich