Verwaltung legt schriftliche „Beweise“ vor
Am Anfang hatte es die Dorstener Verwaltung sehr eilig, Stadtrat und Öffentlichkeit weiszumachen, keine, überhaupt keine Fehler im "Fall Paul" begangen zu haben. Heute, einige Monate später, werden eigene Versäumnisse Stück für Stück eingeräumt. Kritische Bürgerkommentare, Nachfragen im Stadtrat und die von der SPD-Fraktion beantragte Akteneinsicht, haben aber Bewegung in den Dorstener Fall mit überregionaler Beachtung gebracht. Jetzt sind es, bisher ungeprüfte eidesstattliche Erklärungen, die beweisen sollen, dass der Betreuer bestens qualifiziert war und pro Monat 3000 Euro Gehalt, plus 800 Euro Aufwandsentschädigung von, bzw. über die deutsche Betreuungsfirma erhalten haben soll. 3800 Euro pro Monat? Das zu glauben, fällt nicht nur schwer, sondern ist mit den Daten des Statistischen Bundesamtes über die EU-Staaten wahrlich nicht in Übereinstimmung zu bringen. Danach ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Ungarn um 2/3 niedriger als in Deutschland, und die Arbeitskosten je Stunde werden hier mit 31,40 Euro bewertet, in Ungarn betragen sie statistisch 7,80 Euro. Das würde bedeuten, dass der ungarische Betreuer mit Paul ein Vermögen nach dortigen Verhältnissen verdient hätte. Und noch etwas. Deutsche Unternehmen verlagern Arbeitsplätze ins osteuropäische EU-Ausland, um dort von den deutlich niedrigeren Löhnen zu profitieren. Das ist im produktiven Bereich nicht anders als im sozial-pflegerischen. Nur bei Paul aus Dorsten soll ein Lohn gezahlt worden sein, der deutschen Verhältnissen entspricht? Das zu glauben, fällt aber selbst dem Gutmütigsten schwer. Warum hat die von Dorsten beauftragte Firma nicht selbst eine eidesstattliche Erklärung vorgelegt, dass tatsächlich 3800 Euro pro Monat an den Betreuer vor Ort gezahlt wurde. Das könnte durch Vorlegen von Kontoauszügen relativ einfach belegt werden. Neue Beweise? Nein, neue Ungereimtheiten.
Eigener Bericht