Intensive Infoveranstaltung im Petrinum
Man hätte eine Stecknadel fallen hören, so konzentriert und gespannt folgten die Zuhörer einer Diskussionsveranstaltung am gestrigen Dienstag in der Aula des Gymnasiums Petrinum.
Gute Argumente haben die Befürworter. Das Verfahren ist rechtlich einwandfrei, der Bundestag hat mit einer Zustimmungsrate von 85 Prozent grünes Licht für das transplantieren von Organen gegeben und die begleitende Ethikkommission sieht das auch so.
Viele Schwerkranke warten auf ein Spenderherz, eine Spenderniere, eine Leber, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse. Nur so können sie überleben.
Dass der Zahl der Wartenden keine auch nur annähernd gleiche Zahl an potentiellen Spendern gegenübersteht, gehört zu den bekannten Tatsachen.
So wird intensiv um Freiwillige geworben, die mit einem Organspendeausweis definitiv ihre Bereitschaft, „im Falle eines Falles“, als Organspender identifiziert werden können.
Starke Argumente führen aber auch diejenigen ins Feld, die sich mit dem Tod und der damit verbundenen Würde besonders intensiv auseinandersetzen. So ist der Tod nach ihrer Meinung nicht mit dem gemessenen Hirntod eingetreten, sondern er ist ein willkürlicher Zeitpunkt eines langen Sterbeprozesses.
Einig waren sich die Diskutanten, darunter Dr. Hans-Udo Schneider, dass nur nach einer intensiven Beratung und Information der Organspendeausweis ausgefüllt werden sollte.
Interessant und neu für viele Teilnehmer war, dass nur Personen, die auf der Intensivstation sterben, als potentielle Spender infrage kommen.
Wer entschieden hat, möglichst zu Hause, im Kreise seiner Familie zu sterben, kann allein aus „technischen Gründen“ nicht als Spender herangezogen werden.
Der jetzt aufgedeckte Missbrauch bei der „Verteilung der Spenderorgane“, wurde ebenfalls engagiert behandelt und einhellig kritisiert.
Fazit: Die intensive Beschäftigung mit dem eigenen Leben und Tod führt im ersten Moment zur Beklemmung, kann aber auch zu einem wichtigen Teil persönlicher Befreiung oder Freiheit führen.
Dirk Hartwich