Schule und Bildung
Ein persönlicher und ein politischer Zwischenruf
Ein neues Schuljahr. Schwer bepackt, das Handy in der Hand und Stöpsel in den Ohren machen sie sich auf den Weg. Die Schülerinnen und Schüler im Jahr 2014. Die einen selbstbewusst und fröhlich, andere ängstlich und schüchtern. Die Erwartungen an alle sind hoch, manchmal zu hoch.
Wir definieren Schulerfolg in erster Linie immer noch über Noten. Abfragbares Wissen steht im Vordergrund. Da gibt es Überflieger aber auch Kinder, die sich schwer tun, die schulischen und familiären Anforderungen zu erfüllen. Sind sie deshalb weniger wert? Die Antwort ist zwar schnell dahergesagt, die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Wer in der Schule Probleme hat oder gar versagt, hat es im anschließenden Ausbildungs- und Berufsleben sehr schwer.
„Kein Kind zurücklassen“. Hannelore Kraft, unsere Ministerpräsidentin hat
in 3 Worten das Entscheidende auf den Punkt gebracht. Alle Kinder, egal ob gut in der Schule oder nicht, ob mit Handicap oder ohne, müssen uns gleich viel wert sein.
Schulpolitik gehört zur Bildungspolitik. Das ist viel mehr, als Noten auf vorbereitete Fragen zu vergeben. Gibt es eine größere Baustelle in unserer Republik als die Bildungspolitik? Nach wie vor bestimmen 16 Kultusminister, häufig völlig unterschiedlich, was „gut für unsere Kinder ist“. Es ist nicht nur das anachronistische 3-gliedrige Schulsystem, es ist auch die Unfähigkeit, sich parteiübergreifend zu einigen. Zum Wohl der Schüler und Studenten. Seit Jahren wissen zum Beispiel die Politiker auf allen Ebenen, dass die unterschriebene UN-Vereinbarung, auch gehandicapte Kinder in der Regelschule zu fördern, umzusetzen ist. Kurz: Inklusion. Die Wirklichkeit? Vielfach Konfusion und Unwissen.
Ein neues Schuljahr – ein neuer Versuch, Bildungspolitik in den Vordergrund zu rücken. Persönlich und politisch.
Dirk Hartwich
Veröffentlicht am 20.08.2014