Stadtwerke: Da bewegt sich was ...

Kommunalpolitik

Dirk Schult, SPD-Mitglied im Stadtrat kommentiert:

Netzkauf: Eine strategisch wichtige Frage!

Am 30.11.2013 läuft der Konzessionsvertrag zwischen der Stadt Dorsten und RWE aus. Wer danach das Stromnetz auf Dorstener Boden betreiben darf, ist sowohl für die Höhe und Sicherheit der Konzessionsabgabe als auch für die Versorgungssicherheit gleichgültig. Niemand muß sich um die Stadtkasse (Einnahmen aus dem Konzessionsvertrag: 2,7 Mio. Euro pro Jahr) und den Strom in seiner Steckdose Sorgen machen.

Gleichwohl ist der Abschluß des Konzessionsvertrages eine immens wichtige Entscheidung. Wer das Stromnetz hat, der entscheidet letztlich auch darüber, wie der Strom für Dorsten in den nächsten Jahren produziert wird. Der Abschluß des neuen Konzessionsvertrages ist also eine strategische Frage. Es geht auch darum, wie viel Einfluß die Stadt Dorsten in Zukunft auf die Stromversorgung nehmen kann.
Und hier gibt es eine Reihe von Optionen. Möglichkeit 1 ist ein Konzessionsvertrag mit einem der großen, bekannten Energieversorger, z. B. den Atomkonzernen RWE oder Eon. Die Stadt kassiert 2,7 Mio. Euro pro Jahr, gibt aber gleichzeitig jeden Einfluß, jede Gestaltungsmöglichkeit auf. Beispiel Barkenberg – dieser Stadtteil heizt überwiegend mit Elektroheizungen. Neue Konzepte müssen her. RWE hat daran keinen oder nur wenig Interesse. Sollte es eine neue Idee geben, dann müsste der neue Energieversorger angesprochen werden. Der kalkuliert – und entscheidet am Ende: lohnt sich das oder lohnt sich das nicht? Wobei lohnen an einer zweistelligen Renditeerwartung gemessen wird. Die Stadt Dorsten ist im Falle von Möglichkeit 1 nur Bittsteller.
Reinzvoller ist eine andere Option: Der Konzessionsvertrag wird mit einem Stadtwerk geschlossen. Stadtwerke produzieren ihren Strom in unterschiedlichem Umfang dezentral und setzen dabei auch auf ökologische Erzeugung. Ihre Renditeerwartung ist geringer als bei RWE & Co – Stadtwerke sind leichter für neue Energiekonzepte zu gewinnen. Der Haken an dieser Lösung: Die Stadt Dorsten hat immer noch keinen gesicherten Einfluß auf die Stromerzeugung.
Die beste Option ist daher der Kauf des Stromnetzes, vorzugsweise mit einem Partner. Hier bieten sich benachbarte Stadtwerke an. Eine für beide Seiten gute Lösung – Dorsten erhält Einfluß und fehlendes know how, der Partner Teile des Dorstener Stromnetzes.
In diesem Fall stellt sich dann eine zweite Frage: Wie soll es dann weiter gehen? Da gibt es zwei Möglichkeiten: den reinen Netzbetrieb ohne eigene Stromproduktion – oder Netzbetrieb mit eigener Stromproduktion.
Theoretisch kann ein Stadtwerk, eine Kooperation, ein Netzbetreiber das Stromnetz einfach nur: betreiben. Den Strom produzieren andere, für die Durchleitung der Energie erhält der Betreiber dann eine Konzessionsabgabe. Daß sich damit Geld verdienen läßt, zeigt das Verhalten von RWE & Co, denen noch viele Stadtnetze gehören. Nicht nur der Verkauf von Strom ist lohnenswert, auch der Transport. RWE & Co klammern sich nicht ohne wirtschaftlichen Grund an ihre Netze, diese Einnahmequellen wollen sie nicht einfach aus der Hand geben. Der Netzbetrieb würde Gewinne abwerfen – aber für eine Energiewende in Dorsten wäre so noch nichts gewonnen.
Reizvoller ist die zweite Möglichkeit – Netzbetrieb UND Produktion von Strom. Wie das geht, zeigen die Stadtwerke in der Nachbarschaft. Solaranlagen, Blockheizkraftwerke decken einen Teil des städtischen Strombedarfes. So könnte auch Dorsten zusammen mit einem Partner in die Energiewende einsteigen! Gleichzeitig flössen die Gewinne in die Stadt Dorsten, hier könnten neue Arbeitsplätze entstehen.
Einfach wird es nicht. RWE & Co fordern in vergleichbaren Fällen Phantasiepreise für ihre lukrativen Netze. Eine Kaufpreiseinigung in Verhandlungen scheitert fast immer an diesen Preisvorstellungen. Das letzte Wort haben dann die Gerichte – und hier werden auf dem Klageweg faire und bezahlbare Kaufpreise erreicht.

 
 

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