Eine Sensation als die DDR kollabierte. Die Menschen in beiden Teilen Deutschlands waren wieder ein Volk. Jubel, Tränen der Freude und Willy Brandts unvergessenes Wort: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“ Endlich frei, endlich reisen, ohne an Stacheldraht-Grenzen aufgehalten zu werden, so der Tenor fast aller Umfragen „am Tag danach“. Heute vor 37 Jahren. Inzwischen ist aus der grenzenlosen Euphorie Ernüchterung gewachsen. Langsam, schleichend, aber stetig. Der Glaube, dass die Portokasse reicht (Helmut Kohl), um das Wohlstandsgefälle zwischen West und Ost auszugleichen, war ein Irrglaube. Die zu wenig ausgeprägte Wertschätzung der Lebensleistung ehemaliger DDR-Bürger, der Begriff Besser-Wessi steht dafür, setzte sich in vielen Köpfen fest und entwickelte eine fatale Eigendynamik. Plötzlich wurde der Unrechtsstaat DDR weichgespült und die auch vorhandenen Fehlentwicklungen in der BRD überbewertet. Parallel wuchs die Sehnsucht nach scheinbar besseren Zeiten hinter dem Eisernen Vorhang. Rechte Parteien griffen den Faden auf und verstärken bis heute den unhaltbaren Mythos von demokratischer Gerechtigkeit im östlichen Teil Deutschlands. Warum, so fragen sich inzwischen Demokraten in ganz Deutschland, wollen so viele Wählerinnen und Wähler in Kürze den „Rattenfängern“ von rechtsaußen folgen? Die Suche nach einer einleuchtenden Antwort befindet sich in einer Endlosschleife.
Rhader Gedanken zu den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6.9.2026), Mecklenburg-Vorpommern (20.9.2026) und Berlin (20.9.2026)