Wulfen: Ein Buch, das es nicht geben soll, macht neugierig

Gesellschaft

Marion Rible hat dem Heimatverein ein unerwünschtes Geschenk gemacht

Im nächsten Jahr feiert der Wulfener Heimatverein sein 100jähriges Jubiläum. Grund genug zurückzublicken, in den Archiven zu stöbern und eine Festschrift über die Geschichte und die damit verbundenen Geschichten seit 1922 bis heute zu verfassen. Marion Rible, ehemalige Sprecherin der Geschichtsgruppe im Heimatverein Wulfen, erklärte sich frühzeitig dazu bereit und stürzte sich ehrenamtlich in die lang andauernde Sichtung aller verfügbaren Dokumente. Herausgekommen ist ein besonderes Buch, das alles hat was eine offene und informative örtliche Geschichtsschreibung ausmacht. Nämlich, dass die Aktivitäten eines Vereins immer auch im Zusammenhang mit der jeweiligen gesellschaftspolitischen Zeit zu sehen sind. Und genau hier zeigt die Autorin, dass heute kein Raum bleiben darf, um unerfreuliche Vereinsaspekte und Brüche, die es natürlich auch im Heimatverein Wulfen der letzten 100 Jahre gab, auszuklammern. Neben beliebten und geselligen Feiern waren es nämlich auch ideologisch gefärbte Aktivitäten, mit dem der Begriff HEIMAT so interpretiert wurde, dass dadurch die Mitglieder entsprechend vereinnahmt wurden. Beispielhaft sei hier die Nazizeit erwähnt, in der besonders die Heimatvereine ins Visier genommen, sprich gleichgeschaltet wurden, um für ein rassistisches Menschenbild aggressiv zu werben. Wie wir wissen, waren sie dabei sehr erfolgreich. Sich heute ohne Wenn und Aber davon zu distanzieren, gehört zu unserem Demokratieverständnis. In der Nachkriegszeit schafften es einige sofort, sich vom aktiven Täter zum passiven Mitläufer einzustufen, oder noch klarer, sich schon immer auf Distanz zur NS-Ideologie befunden zu haben. Marion Rible hat die vielen Facetten der Wulfener Geschichte und ihrer Akteure sehr interessant und nachvollziehbar beschrieben. Akribisch ihre lückenlosen Quellenangaben. Einige im Heimatverein, besonders eine starke Frau, die Lehrerin Bernadine Hewers, ragte als Persönlichkeit heraus. Sie kann noch heute als Vorbild gelten.

Warum der Wulfener Heimatvereinsvorstand dieses Buch als 100jährige Festschrift ablehnte, bleibt (s)ein Geheimnis. 50 Exemplare hat die Autorin auf eigene Rechnung drucken lassen. Ein wichtiges Geschichtsdokument für Wulfen, Dorsten und darüberhinaus. Inzwischen haben die örtliche Bücherei „Bibi am See“ und das Stadtarchiv das Buch in ihrem Bestand aufgenommen. So können sich jetzt neugierig gewordene Interessenten ein eigenes Bild über die 100jährige Geschichte des Heimatvereins Wulfen und über eine unverständliche Vorstandsentscheidung machen.

„Des Kaisers neue Kleider - Heimatverein Wulfen“, 184 Seiten von Marion Rible.

Für Sie gelesen und kommentiert von Dirk Hartwich, Rhade

 
 

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