25. Todestag von Herbert Wehner - Der Onkel

Bundespolitik

Urgestein, Kärrner, Zuchtmeister, Stratege, vulkanischer Vollblut-Politiker – so wurde Herbert Wehner genannt. Eine herausragende politische Persönlichkeit der deutschen Nachkriegsgeschichte. Viele Jahre war er SPD-Fraktionschef. Heute vor 25 Jahren starb „Onkel Herbert“.

Wehner wurde 1906 in Dresden geboren. Sein Leben war geprägt von der Geschichte und von vielen Brüchen. Das brutale Vorgehen der Reichswehr 1923 gegen sächsische Arbeiter führte zum ersten Einschnitt in seinem Leben: Der in einer sozialdemokratischen Jugendgruppe organisierte Wehner wurde zum Anarchisten. Unter anderem las er die Schriften des russischen Anarchisten Bakunin und war Mitherausgeber der Zeitschrift „Revolutionäre Tat“. Im April 1927 trat Wehner in die KPD ein. Fast ein halbes Jahrhundert später, 1976, bezeichnete er diesen Schritt als „den ersten von zwei Fehlern in meinem Leben“.

Anarchist, Kommunist, Sozialdemokrat: 

Entscheidend für den jungen Mann war der Gang nach Berlin, wo er im Herbst 1926 Privatsekretär des Publizisten Erich Mühsam wurde. Zwar überwarf er sich rasch mit dem eigenwilligen Mühsam, doch lernte er die aufregende politische und künstlerische Szene der Hauptstadt kennen. Die Gesellschaft von Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Erwin Piscator, Otto Dix oder John Heartfield war ein Gewinn für den „jungen Dachs“, wie sich Wehner selbst nannte.

Nach der Machtergreifung der Nazis ging der Kommunist Wehner 1933 in die Illegalität. Ein Jahr darauf emigrierte er nach Paris, später nach Moskau. Als der Terror Stalins gegen die eigenen Genossen auch ihn bedrohte, konnte er in den Verhören nur mit Mühe und Not seine Haut retten. 1941 ging Wehner im Auftrag der Kommunistischen Internationalen nach Schweden. Dort wurde er 1942 verhaftet und „wegen Spionage für eine fremde Macht“ zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Seine Gegner im KPD-Politbüro, allen voran der spätere SED-Chef Walter Ulbricht, schlossen ihn als „Verräter“ aus der Partei aus.

Wehner prägte Nachkriegsgeschichte Deutschlands


In Schweden setzte sich Wehner intensiv mit dem eigenem politischen Irrweg auseinander und brach mit dem Kommunismus. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück. Unmittelbar darauf trat er in Hamburg der SPD bei. Von 1949 bis 1983 war er ununterbrochen Bundestagsabgeordneter. In der ersten großen Koalition von 1966 bis 1969 war er Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und von 1969 bis1983 Fraktionsvorsitzender der SPD im Deutschen Bundestag, von 1958 bis 1973 außerdem stellvertretender Parteivorsitzender. Wie kaum ein anderer Politiker prägte Wehner die Nachkriegsgeschichte. Nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 setzte Wehner durch, diesen Tag zum nationalen Feiertag für die deutsche Einheit zu machen.

Harte Schale, weicher Kern

„Herbert Wehner war einer der spannendsten und prägenden Sozialdemokraten in der Geschichte unserer Partei und der deutschen Nachkriegszeit“, sagte Sigmar Gabriel am Montag. Seine wechselvolle politische Biografie sei bis heute beeindruckend. „Die gesamte deutsche Sozialdemokratie, aber auch die Bundesrepublik Deutschland haben Herbert Wehner viel zu verdanken“, so der SPD-Vorsitzende.

„Das Amt des Vorsitzenden der SPD-Fraktion war Herbert Wehners Paraderolle“, erinnert sein späterer Nachfolger im Amt, Thomas Oppermann. „Unerbittlich ging er mit dem politischen Gegner ins Gericht – seine Auftritte im Bonner Wasserwerk sind inzwischen legendär.“ Aber: „Hinter der harten Schale versteckte sich wie allzu oft ein weicher Kern.“ In der Fraktion sei er für seine fürsorgliche Art geschätzt worden – „so sehr, dass sich der Spitzname „Onke Herbert“ etablierte“.

Wehners Biographie stehe „für die Kontinuität und für die Brüche dieser Zeit, in ihr spiegelt sich die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert“, sagte der SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich am Montag am Grab Wehners in Bonn.

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