Eine Totaloperation ist aber nicht erforderlich, wenn ...
Deutschland ist im Gegensatz zu fast allen anderen vergleichbaren Staaten im Bereich Gesundheit sehr gut aufgestellt. Das schließt nicht aus, über Verbesserungen kontinuierlich nachzudenken. Insbesondere, um die anfallenden Kosten nicht aus den Augen zu verlieren. Das Nachdenken fand zwar immer statt, die erkannten Schlussfolgerungen wurden gerne, weil sie schmerzhaft sind, „auf später“ verschoben. Wer die Gesamtsumme des Gesundheitssektors von rund 500 Milliarden Euro (Statistisches Bundesamt) pro Jahr kennt, kann sich vorstellen, dass kein beteiligter Akteur seinen Anteil am „Kuchen“ freiwillig anknabbern lassen will. Ohne Eingriff von oben, sprich, ohne gesetzliche Vorgaben, wird sich nichts ändern. Nun zwingt ein gewaltiges Defizit zum Eingreifen. Die auf den Tisch gelegten Einsparungsvorschläge einer Beratungskommission verdienen alle unvoreingenommen geprüft zu werden. Es gibt aber ein Kriterium, das bei jeder Maßnahme verbindlich angelegt werden muss: Soziale Ausgewogenheit. Und genau an dieser Stelle ist Reparaturbedarf, oder wie es die Ärzte nennen würden, eine Behandlung zur Gesundung zu verordnen. Die gesamte Gesellschaft ist aufgerufen, sich an der jetzt beginnenden Diskussion zu beteiligen. Und der SPD kommt die Aufgabe zu, auch denen eine gleichberechtigte Stimme zu geben, die ansonsten von der Lobby der gut vernetzten Gesundheitsindustrie zu sprachlosen Statisten degradiert würden. Aus ärztlicher Sicht wäre zwar eine Behandlung des Gesundheitssystems zwingend, eine Totaloperation aber überflüssig.
Rhader Nachdenkzeilen