Das große Interview der WAZ-Dorsten mit Michael Baune

Stadtverband

Michael Baune, neuer Stadtverbandsvorsitzender der Dorstener SPD. Foto: Andre' Elschenbroich

„Ich verbiege mich nicht“
Michael Baune bekam bei seiner Wahl zum SPD-Chef nur 70 %.

Im Interview nennt er das Ergebnis „ehrlich“. Und erläutert seine weiteren Pläne
Von Ludger Böhne, WAZ-Dorsten am 12. Juli 2012

Elf von 51 Delegierten stimmten gegen ihn, als Michael Baune in der vergangenen Woche zum neuen SPD-Chef gewählt wurde. Warum er mit dem Ergebnis trotzdem nicht unzufrieden ist und was er mit seinem neuen Amt vorhat, erklärt er im WAZ-Gespräch.

Sie waren der einzige Kandidat und bekommen elf Gegenstimmen. Hatten
da noch ein paar Leute Rechnungen mit Ihnen offen?
Michael Baune: Das kann nicht sein. Ich bin ja erst vor zwei Jahren intensiver in die Politik eingestiegen. Aber als ich meine Ideen von
moderner Parteiarbeit erläutert habe, da haben schon einige verwundert
geguckt. Jetzt haben 70 % der Delegierten gesagt, der Weg ist richtig. Das finde ich in Ordnung und das ist eine Basis, auf der wir aufbauen können. Mir ist ein ehrliches Votum lieber, als ein sozialistisches Naja-Ergebnis.
WAZ: Beobachter haben nach dem Ergebnis gedacht, hoppla, da sind die
alten SPD-Geister wieder . . .
Baune: Nein. Das ist Ausdruck eines Prozesses. Das wird uns nicht auseinander dividieren. Der Unterschied der heutigen SPD zu der vor
vier Jahren ist: Wir diskutieren das offen, ehrlich und sicher auch kontrovers. Die Basis, die mein Vorgänger Hans-Willi Niemeyer gelegt hat, ist gut.
WAZ: Die Nein-Stimmen sind also das Resultat, weil Sie der Partei etwas zumuten . . .
Baume: Nennen Sie es meinetwegen provokant Zumutungen. Für mich sind es Überzeugungen. Und ich verbiege mich auch nicht, um auf Stimmenfang zu gehen.
WAZ: Was ist für Sie diese moderne Parteiarbeit?
Baune: Alle Parteien haben das gleiche Problem: Wir können nicht aus einem unbegrenzten Reservoir von Menschen schöpfen, die sich engagieren. Die Parteien müssen auf die Leute bauen, die sich bei einem
Thema engagieren. Da ist es dann egal, aus welchem Ortsverein sie kommen oder aus welcher Gruppierung der Partei oder ob sie überhaupt Mitglied sind. Das signalisiert auch unser neuer Stadtvorstand. Darin kommen neue Leute
nach vorne. Ich freu’ mich auf die Zusammenarbeit mit denen. Und wenn ein Bürger Interesse an einem Thema hat, dann laden wir ihn ein, für ein paar Monate mitzuarbeiten. Proporzdenken und Kirchtürme haben in Parteien keine
Zukunft. Als ich vor acht Jahren nach Dorsten zog, war es Zufall, dass ich Hervest gelandet bin. In Holsterhausen wäre ich der gleiche Michael Baune.
WAZ: Das heißt, Sie wollen die Ortsvereine entmachten . . .
Baune: Nein. Die Ortsvereine haben trotzdem eine ganz wichtige Funktion. Sie müssen die Bürgernähe vor Ort herstellen. Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein Sowohl-als-auch.
WAZ: Was sind Ihre politischen Inhalte?
Baune: Das zentrale Thema in Dorsten sind die Finanzen. Da haben wir gerade unter erheblichem Zeitdruck das Sparpaket beraten und
verabschiedet. Was mir dabei gefehlt hat, ist die inhaltliche Perspektive.
Es reicht nicht zu sagen, in zehn Jahren sind wir wieder handlungsfähig.
Die Frage ist: Was fangen wir mit der Handlungsfähigkeit an? Die Antwort auf diese Frage ist auch entscheidend dafür, ob die Bürger die Zumutungen akzeptieren.
WAZ: Warum sollte ein politisch Interessierter Mensch in die Dorstener SPD eintreten?
Baune: (lacht) Weil wir die besseren Konzepte haben. Nein, ernsthaft. Soziale Teilhabe, Schule, Energiewende, Stadtentwicklung (Beispiel
„Soziale Stadt“) – bei diesen Themen haben wir die Meinungsführerschaft.
Und unser Einsatz für Bürgerbeteiligung unterscheidet uns ganz klar von anderen Parteien. Beteiligung darf kein situativ eingesetztes Instrument sein, sondern sollte durchgängiges Prinzip im Verwaltungshandeln sein. Ob man die Bürger informiert oder sie fragt – das ist ein Unterschied. Und: Die Leute müssen auch erfahren, dass sie Einfluss nehmen können.
WAZ: Was sind Ihre Ziele?
Baune: Die Bundestagswahl 2013 und die Kommunalwahl 2014: Das sind die nächsten Meilensteine. Dafür wollen wir eine schlagkräftige und erfolgsorientierte SPD in Dorsten aufstellen.
WAZ: Sie haben eine Wahl ausgelassen, 2015 die Bürgermeisterwahl. Es
heißt, sie wollen kandidieren . . .
Baune: Das hat die WAZ geschrieben. Ich bin zu dem Thema noch nie gefragt worden. Wir arbeiten Schritt für Schritt. Erst wollen wir eine schlagkräftige SPD. Dann gucken wir, was bei den Wahlen 2013 und
2014 passiert. Die Bürgermeisterwahl lasse ich da bewusst außen vor. Das sind ungelegte Eier.

Steckbrief Michael Baune
Name: Michael Baune
�� Alter: 49
�� Familie: verheiratet, zwei (erwachsene) Söhne
�� Beruf: Betriebsleiter LWL-Jugendhilfezentrum
�� Hobby: Motorrad, Reisen, Radfahren, Hund
�� Die SPD ist für mich . . . eine starke, unverzichtbare gesell. Kraft, die streitbar für soziale Gerechtigkeit eintritt. Das sehe ich so, auch wenn es mir die Partei manchmal nicht leicht gemacht hat.
�� Dorsten ist für mich . . . zur neuen Heimat geworden (nachdem ich vor acht Jahren aus Münster hierhin gezogen bin) und nach meinem Gefühl die liebenswerteste und schönste Stadt am Rande des Ruhrgebietes.

 
 

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