Ulrich Breulmann (Ruhr Nachrichten) legt den Finger in offene Wunden
Er ist bekannt für seine direkte Art, nimmt kein Blatt vor den Mund und schreibt so, wie viele von uns denken. Die Rede ist vom Ruhr-Nachrichten-Redakteur Ulrich Breulmann. Er hat das Privileg, in unregelmäßigen Abständen, seine persönliche Meinung auf der Seite zwei der genannten Tageszeitung unverblümt darzulegen. Dabei deckt er nicht für möglich gehaltene Missstände auf und setzt so eine wichtige öffentliche Diskussion in Gang. So lebendig kann eine gedruckte Zeitung sein. Aktuell nimmt er die Berliner Politiker und ihre Parteien aufs Korn. An vorderster Stelle Christian Lindner und die FDP. Unter der Überschrift „Bagatellisieren, leugnen und lügen“ rechnet er gnadenlos mit dem „erbärmlichen Schauspiel“, das Lindner und Co. seit Monaten aufführen, ab. Damit, so Breulmann, haben sie „das Urvertrauen in unsere Demokratie erschüttert“. Leider endet hier nicht der lesenswerte kritische Text, sondern wird, vermutlich wegen der inhaltlichen Ausgewogenheit, auf fast alle anderen Bundespolitiker und deren sie tragende Parteien ausgeweitet. Auch diese Zeilen sind absolut lesenswert, hätten aber einen höheren Stellenwert, würden sie losgelöst von der eingangs zitierten berechtigten Abrechnung mit der FDP-Inszenierung dargelegt. So setzt sich beim Leser fest, dass Politik und Politiker alle in einen Sack gehören, auf den man einschlagen sollte. Das Urvertrauen in Demokratie wird so aber auch nicht gestärkt.
Rhader Zeitungskritik