
Alle genannten Dorstener Aktivitäten hatten nur das eine Ziel, nach den Erfahrungen des 2. Weltkriegs, Politiker aller Parteien vor Ort, im Land und in aller Welt davon zu überzeugen, dass Krieg keine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln mehr sein darf. Der Diplomatie, der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit sollte absoluter Vorrang im globalen politischen Handeln eingeräumt werden. Also Frieden
schaffen und erhalten – ohne Waffen! So wie es im UN-Völkerrecht verbrieft ist.
Aus der Vielzahl der Aktionen und Aktivitäten der Dorstener Friedensgruppen wird beispielhaft eine für diesen Aufsatz herausgegriffen, um die Dynamik und Kreativität des Engagements ins Gedächtnis zurückzurufen.
Gedenkveranstaltung zum 8. Mai 1945
Deutschland wurde an diesem Tag durch die Alliierten aus den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion vom mörderischen Nationalsozialismus befreit.
Im Nachkriegsdeutschland dauerte es aber noch 40 Jahre, bis unsere Erinnerungskultur eine neue, entscheidende Wende nahm.
Es war der christdemokratische Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der am 8. Mai 1985 eindrucksvoll in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag der deutschen Bevölkerung den Spiegel vorhielt. Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands darf nicht länger nur als Niederlage, Stunde Null oder Zusammenbruch gewertet werden, sondern als „Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.
Die Dorstener Friedensbewegung beschloss nach dieser historischen Rede, jeweils am 8. Mai, eine Gedenkveranstaltung in diesem Sinne in Dorsten zu organisieren.
Es war ein Sonntag, als am 8. Mai 1987 immer mehr Menschen auf den Dorstener Marktplatz strömten, um zu sehen und zu hören, warum künftig der 8. Mai nationaler Feiertag in Deutschland sein sollte. Die Lokalpresse schrieb später, dass mehrere hundert interessierte Besucher den zentralen Dorstener Platz füllten.
Ein riesiges Transparent mit dem Schwur „Nie wieder Krieg“ (Käthe Kollwitz), diente als Bühnenbild vor dem Alten Rathaus. Antonio Fillipin, Holz-Skulpturenkünster und Eisdielenbetreiber, überraschte mit einer beeindruckenden Ausstellung, die sich über den gesamten Markplatz erstreckte. Das Besondere war, dass alle Kunstwerke den Bezug zum Frieden herstellten und mit einer schweren Eisenkette untrennbar verbunden waren. Ein außergewöhnliches Friedenssymbol. Auf der Bühne wechselten sich Musikgruppen und Redner ab. Informationsstände waren dicht umlagert. Die Lokalpresse berichtete in großer Aufmachung:
- Friedensfahnen wehen auf dem Marktplatz (WAZ Dorsten)
- Lieder und Literatur am Marktplatz (WAZ Dorsten)
- Premiere war erfolgreich (Stadtspiegel Dorsten)
- Der 8. Mai - Ein Dorstener Gedenktag? (Dorstener Zeitung)
- Kriegsverbrechen nicht vergessen - Für weltweiten Frieden arbeiten (WAZ Dorsten)
- 8. Mai - Eine Mahnung für die Zukunft (WAZ Dorsten)
- Der 8. Mai soll als Gedenktag Bewußtsein aller Bürger ändern (Dorstener Zeitung)
- Gedenkfeier mit Musik und Literaturlesung (WAZ-Dorsten)
- Friedensgruppen mahnten am 8. Mai (Dorstener Zeitung)
Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wird hier in mehreren Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich (Fortsetzung und Schluss am 2.1.2023)