Für Sie gelesen: „Das Versagen“ - von Katja Gloger und Georg Mascolo
Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Putin nur durch Kränkung des Westens zum Außenseiter der Weltpolitik und zum Kriegstreiber mutierte. Eine gravierende Fehleinschätzung. Auf 500 Seiten, davon 100 mit faktenbasierten Anmerkungen, rechnet das vielfach ausgezeichnete o. g. Autorenehepaar gnadenlos mit allen sogenannten Russland- und Putin-Verstehern ab. Akribisch zeichnet es die fatale Persönlichkeitsentwicklung des Wladimir Putins vom unscheinbaren russischen Geheimdienstoffizier in Dresden bis zum heute mörderisch agierenden Diktator im Kreml auf. Nachdem Präsident Boris Jelzin ihn 1999 völlig überraschend zu seinem Nachfolger ernannt hat, baute der allseits unterschätzte Putin systematisch ein tragfähiges Netzwerk aus loyalen Unterstützern auf, das bis heute trägt. Seine unberechenbare Radikalisierung geschah während der Corona-Isolation, so hat es Angela Merkel empfunden. Über Monate entzog sich Putin allen direkten Gesprächsangeboten. Parallel bastelte er an seiner eigenen Erzählung und Geschichtsschreibung. Danach hat sein Vorvorgänger Gorbatschow das sowjetische Reich verraten und er sei quasi dazu auserwählt, es in alter Größe und Stärke wiederherzustellen. Anfangs benötigte er den Westen, und hier besonders Deutschland, um u. a. mit lukrativen Energiegeschäften Russland wirtschaftlich aufzubauen und militärisch aufzurüsten. Voraussetzungen, um in der Folge die Ukraine völkerrechtswidrig anzugreifen und alle Widersacher zu eliminieren. Die Autoren, mit direktem Zugang zu vielen Spitzenpolitikern und Diplomaten, sowie zu noch unter Verschluss stehendem Archivmaterial, beweisen eindeutig, dass die vielen Fehleinschätzungen des Westens mitverantwortlich sind, Wladimir Putins mörderischen Aufstieg ermöglicht zu haben. Das wichtige (Geschichts)Buch ist im Ullstein-Verlag erschienen.
Für Sie gelesen: Dirk Hartwich