
Der Dorstener Marktplatz wird gerne auch als gute Stube der Lippestadt bezeichnet. Könnte er aus seiner Geschichte erzählen, würden u. a. Aufmärsche, Feste, Kundgebungen, Verkaufsstände und Treffen unter Freunden dazugehören. Das Gesicht des Marktplatzes änderte sich im Laufe der Zeit nur unwesentlichen . Zwei Brunnen, jeweils an den Kopfenden, gelten einerseits als Blickfang, haben zum anderen aber viel über die 775jährige Geschichte zu berichten. Der eine Brunnen, von der Ehrenbürgerin Tisa von der Schulenburg, auch als Schwester Paula ein Begriff, entworfen und gestaltet hat eine besondere Bedeutung für Dorsten. Gespendet und der Stadt geschenkt hat ihn die Kreissparkasse Recklinghausen, heute Sparkasse Vest. Jahrzehntelang sprudelte er vor der alten Stadtwaage. An seinen Reliefs war die Geschichte der Stadt abzulesen. Dann kamen mächtige und einflussreiche Eventmanager, für die der Markplatz nie groß genug sein kann, um mit Veranstaltungen Kasse zu machen. Das ist überhaupt nicht zu kritisieren, wenn auf das „gewachsene“ Umfeld Rücksicht genommen wird. Als die Innenstadt mit Marktplatz neu gepflastert wurde, stand aber plötzlich die Forderung im Raum, den Brunnen vom Marktplatz zu verbannen. Obwohl es einen Empörungsaufschrei von Teilen geschichtsbewusster Bürgerinnen und Bürger gab, setzte sich die Gruppe durch, die heute den gesamten Marktplatz mit riesigen Zelten wochenlang zustellt. Der Brunnen wurde zwar vor der „Verschrottung“ gerettet, saniert, aber auf den Hinterhof des Marktplatzes verbannt. Dort plätschert er still und überwiegend unbeachtet vor sich hin. Und wenn der Marktplatz mit Zelten komplett zugestellt wird, mutiert Schwester Paulas Geschichtsbrunnen zur Abstellkammer für Müllbehälter. Siehe Foto vom 5. November 2025. Ihre Kunst hat mehr Respekt verdient.
Rhader Gedanken über das "Dorstener Wohnzimmer"