Zehn Jahre Bürgerforum Rhade (2016 - 2026)

Kommunalpolitik

Eine kritische Würdigung

Das örtliche Bürgerforum ist ein Mehrwert für Rhade und Dorsten. Zum 10-jährigen Jubiläum auch eine Gelegenheit, an den schwierigen Weg dorthin zu erinnern. Durch die kommunale Neuordnung 1975 verliert das seit 1489 bestehende Dorf seine Selbständigkeit, seinen Bürgermeister, seinen Gemeinderat. Lembeck ergeht es nicht anders. Um den Verlust zu verschmerzen, wird ein Unterausschuss des neuen Stadtrates, Bezirksausschuss genannt, für Rhade und Lembeck, vertraglich unbefristet zugesichert, gebildet. Er war für alle neuen kommunalen Themenfelder zuständig. Neben Orts- und Fachkenntnis war so auch Bürgernähe gewährleistet. Womit Rat und Verwaltung aber nicht gerechnet haben, war das Selbstbewusstsein, das die 15 Bürgervertreter auszeichnete. Sie waren konstruktive, aber auch unbequeme Zuarbeiter. So verwundert es nicht, dass die ständig klamme Haushaltslage Dorstens 1998 als Begründung herhalten musste, um vertragswidrig den Bezirksausschuss ersatzlos aufzulösen. Alle Versuche, dann fehlende Bürgernähe mit unterschiedlichsten Informationsformaten der Verwaltung zu kompensieren, waren unbefriedigend. Parallel wuchs das Bedürfnis der Bevölkerung, nicht mehr nur informiert zu werden, sondern an Problemlösungen frühzeitig mitwirken zu wollen. Die Rhader SPD darf für sich in Anspruch nehmen, seit 1998 Motor einer Entwicklung gewesen zu sein, die die heutigen Bürgerforen in allen 11 Stadtteilen erst möglich gemacht haben. Das dort geleistete Engagement verdient uneingeschränkte Anerkennung. Die Akteure müssen aber erkennen, nicht der verlängerte Arm der Verwaltung zu sein. Ihre Aufgabe ist, den gewählten Ratsmitgliedern zuzuarbeiten. Sie sind „nur“ Ideengeber und auf fachliche Begleitung der Verwaltungsexperten angewiesen. Das zu vermitteln ist ständige Aufgabe der Verwaltung. Leider ist immer wieder mal erkennbar, dass Forumsmitglieder sich für die besseren Ratsmitglieder und Rathausmitarbeiter halten. Werden sie dann in ihrem Elan gebremst, übernimmt Frust und Enttäuschung das Zepter. Das zu erkennen hilft, die begonnenen ehrenamtliche Mitwirkung fortzuführen. Sie ist alternativlos wichtig.

Dirk Hartwich

 
 

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