Rhade, das Gasthaus und Bernhard Pierick gehörten zusammen. Nun ist Bernhard gestorben. Die Lücke die er hinterlässt ist gewaltig. Die Rhader SPD tagte seit 1972 mindestens einmal im Monat in seiner Gaststätte. Er war es, der uns nicht nur als Gastgeber diente, sondern ein Partner für unsere vielfältigen Aktivitäten wurde. Wir haben in seiner Gaststube getagt und gefeiert. Wir haben Bürgerversammlungen und sozialdemokratische Parteitage im großen Saal durchgeführt. Immer stand er uns mit organisatorischem Rat und zupackender Tat zur Seite. Dankbar blicken wir auf diese Partner- und Freundschaft zurück. Wir werden Bernhard Pierick nicht vergessen. Wir von der Rhader SPD.
Veröffentlicht am 30.05.2023
Darf er das?
Ja, er darf auch mal so deutlich reden, wenn er von Schülern nach seiner Meinung zu den Klebeaktionen der Umweltaktivisten gefragt wird. Übrigens sind 3/4 aller deutschen Bürger dieser Meinung. Olaf Scholz, dem man bei Interviews zusehen kann wie er in der Regel um die richtigen Worte ringt um nicht anzuecken, hat Klartext geredet. Er hat den Begriff „bekloppt“ sicherlich nicht zufällig gewählt, um von seinen jungen Zuhörern verstanden zu werden. Ein Jargon, der sicherlich von ihm nicht vor Wirtschaftsbossen oder auf Kirchentagen benutzt würde. Dort würde er vielleicht sagen, dass er überhaupt kein Verständnis für die Aktionen hat, weil sie weder dem Klima nützen, noch von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert werden. Auch das ist zu verstehen. Dennoch tut es richtig gut, wenn mal ein Politiker da ganz oben so spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und der letzten Generation ist dringend zu raten, bei ihren Aktionen abzurüsten. Ihre Empörung darüber, dass Olaf Scholz sie, die gesetzwidrigen Aktivitäten, für bekloppt hält, wirken seltsam künstlich und kleinkariert. Wer austeilt, muss verbalen Gegenwind im Rahmen der demokratischen Spielregeln auch aushalten.
Ein Rhader Pfingstkommentar, der hoffentlich kleben bleibt
Veröffentlicht am 28.05.2023
Veröffentlicht am 27.05.2023
Gestern vor 40 Jahren wurde der Grauschleier der Stadtgeschichte beiseite geschoben (Fortsetzung des gestrigen Berichts)
Die Dokumentation
Zurück zur Präsentation des Dokumentierten. Jetzt wurde den Besuchern klar, dass die Forschungsgruppe nicht anklagen, sondern aufklären wollte. Jetzt erhellten sich einige Gesichter, obwohl sie vor Scham eigentlich die Farbe hätten wechseln müssen.
Der Erfolg der Geschichtsarbeit ist auch an dem verkauften ersten Band von „Dorsten unterm Hakenkreuz“ abzulesen. Eine zweite Auflage musste gedruckt werden. Auch sie ist, wie die weiteren vier Bände, die in den Jahren 1984 bis 1987 erschienen, komplett vergriffen. Die Forschungsgruppe wuchs, das anfängliche Misstrauen gegenüber dem Redakteur Stegemann und dem Ratsvertreter Hartwich und ihrer Forschungsarbeit schwand. Dass in der Folge der Bürger-Recherchen das Jüdische Museum Westfalen in unserer Stadt durch den damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau eröffnet wurde, ahnte im Mai 1983, also heute vor 40 Jahren, keiner der Akteure der ersten Stunde. Sie betrachten mit Genugtuung und Dankbarkeit, dass der Stein, den sie 1983 ins Wasser geworfen haben, immer noch Wellen schlägt.
Die Hoffnung
„Wir hoffen, dass die Nazi-Opfer, hier und da, nie vergessen werden und wünschen, dass starke demokratische Strukturen mörderische Ideologien bereits im Anfangsstadium ins Abseits verweisen“, so abschließend Wolf Stegemann und Dirk Hartwich gegenüber der Dorstener Zeitung.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung erinnerten Wolf Stegemann und Dirk Hartwich an das dunkelste Kapitel der Dorstener Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert
Nachsatz 1: Auf der Internetseite www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de können viele Texte der vergriffenen Bände 1 bis 5 nachgelesen werden.
Nachsatz 2: Im nächsten Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten wird unter der Überschrift „Nicht das Erinnern, das Vergessen ist die Gefahr“, ein umfassender Aufsatz von Dirk Hartwich veröffentlicht.
Veröffentlicht am 27.05.2023
Heute vor 40 Jahren wurde der Grauschleier der Stadtgeschichte beiseite geschoben
Heute vor 40 Jahren, am 26. Mai 1983, folgte die Dorstener Stadtgesellschaft einer Einladung der Geschichtsgruppe von unten, die sich „Bürgerinitiative Dorsten unterm Hakenkreuz“ nannte. Die Alte Stadtwaage auf dem Marktplatz der Lippestadt platzte aus allen Nähten. Neben dem Stadtdirektor, dem Bürgermeister, Parteienvertretern und vielen interessierten Bürgern, waren besondere Ehrengäste gekommen. Unter anderem Ernst Metzger aus den USA, der die Deportation aus Dorsten und mehrere Konzentrationslager überlebte. So wie Rolf Abrahamsohn, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen, der ebenfalls den Gräueltaten der Nazis entkam. Er bestätigte den erschütternden Überlebens-Bericht Ernst Metzgers, das Herzstück der ersten Dorstener Dokumentationsbroschüre, in allen Punkten. Sie alle warteten gespannt, was die Recherche über das Schicksal der städtischen jüdischen Gemeinde ergeben hat.
Der Anfang
Dirk Hartwich, Ratsmitglied zwischen 1975 und 1984, stellte 1982 im Kulturausschuss in völliger Unkenntnis die Frage, ob es eine jüdische Gemeinde Dorsten gegeben habe. Auf dem Weg zur Sitzung hatte er in den Nachrichten von Gedenkveranstaltungen in den Nachbarstädten erfahren. „Die Antwort der Verwaltung war seltsam unbestimmt“, so sein Eindruck. Wolf Stegemann, Lokalredakteur der Ruhr Nachrichten und Berichterstatter der Zeitung, verfolgte mit großem Interesse die Sitzung. Er war es, der bereits zum genannten Thema erste Mosaiksteine zusammengetragen hatte. Sein Angebot zur Mitarbeit, an den fragenden Ratsvertreter gerichtet, darf als Geburtsstunde der Dorstener „Heimathistoriker“ auf dem Gebiet der jüngeren jüdischen Geschichte bezeichnet werden. Sie fragten bei Bürgerinnen und Bürgern, suchten in vielen Archiven, fanden engagierte Mitstreiter aus allen Gesellschaftsschichten und dokumentierten akribisch das Herausgefundene.Das so zusammengetragene Wissen versetzte alle in Erschütterung.
Seit 1945 bis 1982, also 37 Jahre lang, wurde in unserer Stadt über die Verbrechen der Nazis gegenüber den Dorstener Juden „erfolgreich“ geschwiegen. Nicht verwunderlich, dass das plötzliche lokale Geschichtsinteresse über die Zeit zwischen 1933 und 1945 nicht alle in Begeisterung versetzte. „Das Misstrauen uns und unserer ehrenamtlichen Arbeit gegenüber, war zu Beginn mit den Händen zu greifen“, so Wolf Stegemann im Rückblick.
Teil 1 einer gemeinsamen Presseerklärung von Wolf Stegemann und Dirk Hartwich. Teil 2 folgt morgen.
Veröffentlicht am 26.05.2023