„Dulce et decorum est pro patria mori.“ (Horaz) -
(Süß und ehrenvoll ist's, für's Vaterland zu sterben)
Vor einem Jahr, als in dem Land
auch manches nicht zum besten stand,
hätte niemand wohl gedacht,
dass wir's so herrlich weit gebracht,
dass atomarer Weltkrieg drei
ist nicht Verschwörungsspinnerei,
nein, seit dem Monat Februar
ist vielen in Europa klar:
Die Zeit des Friedens ist vorbei;
doch Putin ist dies einerlei.
Um mit dem Lied der Knef zu singen,
kann dessen Credo so erklingen:
„Für euch soll's Atomares regnen,
Euch sollen Tausende Strahlen begegnen,
durch mich bleibt gar nichts mehr beim Alten,
ich brauche das Leben nicht zu behalten...“
Verzweifelt fragt der Pazifist,
ob Frieden noch das Höchste ist
oder ob, wer passiv bleibt,
nicht alle zu der Schlachtbank treibt.
Doch blickt im Laufe dieses Jahres
der Deutsche lieber stur auf Bares,
wenn ob der hohen Erdgaspreise
wird's nichts mit der Mallorca-Reise.
Vorbei die Solidarität
wenn's an den eignen Beutel geht,
denn so kann's ja nicht weiter gehn
und Putin kann man auch verstehn:
„Zerbröckelt arg ein Riesenreich,
wird immer jeder Herrscher weich
und startet 'nen Erobrungskrieg
bis hin zu dem 'finalen' Sieg.“
Und seit perdu ist Nordstream zwei,
sind unsre Rechten gern dabei:
Der „Weidel-Putin-Pakt“ muss her!
Nichts schadet Demokraten mehr
und freut die vielen Populisten!
Die Budapester Halbfaschisten,
Melonis Mussolini-Fans,
die Rechten auch Marie le Pens
paktieren gern mit jedem Schwein,
nur Antidemokrat muss sein,
wer Mitglied sein will in dem Pakt!
Vorgegeben ist der Takt:
„Rechts, zwo, drei, rechts, zwo, drei,
wir sind beim Weltkrieg mit dabei.“
Weltkrieg drei ist zwar final,
doch das ist Nazis ja egal!
Ich hör', wie Lukatschenko spricht:
„Warum gedenkt man meiner nicht?“
Auch Kim Jong-un und Xi Jinping
finden es ein dreistes Ding,
dass dieser reimende Verfasser
schreibt über Demokratenhasser,
ohne sie herauszustellen!
Ach, ihr Bösen, meine Quellen
nennen leider noch so viele,
und wenn auf alle ich heut' schiele,
wird mein Gereimtes viel zu lang
und das ist Scheiße, sagt B. Hanck.
Veröffentlicht am 31.12.2022
Alle genannten Dorstener Aktivitäten hatten nur das eine Ziel, nach den Erfahrungen des 2. Weltkriegs, Politiker aller Parteien vor Ort, im Land und in aller Welt davon zu überzeugen, dass Krieg keine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln mehr sein darf. Der Diplomatie, der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit sollte absoluter Vorrang im globalen politischen Handeln eingeräumt werden. Also Frieden
schaffen und erhalten – ohne Waffen! So wie es im UN-Völkerrecht verbrieft ist.
Aus der Vielzahl der Aktionen und Aktivitäten der Dorstener Friedensgruppen wird beispielhaft eine für diesen Aufsatz herausgegriffen, um die Dynamik und Kreativität des Engagements ins Gedächtnis zurückzurufen.
Gedenkveranstaltung zum 8. Mai 1945
Deutschland wurde an diesem Tag durch die Alliierten aus den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion vom mörderischen Nationalsozialismus befreit.
Im Nachkriegsdeutschland dauerte es aber noch 40 Jahre, bis unsere Erinnerungskultur eine neue, entscheidende Wende nahm.
Es war der christdemokratische Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der am 8. Mai 1985 eindrucksvoll in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag der deutschen Bevölkerung den Spiegel vorhielt. Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands darf nicht länger nur als Niederlage, Stunde Null oder Zusammenbruch gewertet werden, sondern als „Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.
Die Dorstener Friedensbewegung beschloss nach dieser historischen Rede, jeweils am 8. Mai, eine Gedenkveranstaltung in diesem Sinne in Dorsten zu organisieren.
Es war ein Sonntag, als am 8. Mai 1987 immer mehr Menschen auf den Dorstener Marktplatz strömten, um zu sehen und zu hören, warum künftig der 8. Mai nationaler Feiertag in Deutschland sein sollte. Die Lokalpresse schrieb später, dass mehrere hundert interessierte Besucher den zentralen Dorstener Platz füllten.
Ein riesiges Transparent mit dem Schwur „Nie wieder Krieg“ (Käthe Kollwitz), diente als Bühnenbild vor dem Alten Rathaus. Antonio Fillipin, Holz-Skulpturenkünster und Eisdielenbetreiber, überraschte mit einer beeindruckenden Ausstellung, die sich über den gesamten Markplatz erstreckte. Das Besondere war, dass alle Kunstwerke den Bezug zum Frieden herstellten und mit einer schweren Eisenkette untrennbar verbunden waren. Ein außergewöhnliches Friedenssymbol. Auf der Bühne wechselten sich Musikgruppen und Redner ab. Informationsstände waren dicht umlagert. Die Lokalpresse berichtete in großer Aufmachung:
- Friedensfahnen wehen auf dem Marktplatz (WAZ Dorsten)
- Lieder und Literatur am Marktplatz (WAZ Dorsten)
- Premiere war erfolgreich (Stadtspiegel Dorsten)
- Der 8. Mai - Ein Dorstener Gedenktag? (Dorstener Zeitung)
- Kriegsverbrechen nicht vergessen - Für weltweiten Frieden arbeiten (WAZ Dorsten)
- 8. Mai - Eine Mahnung für die Zukunft (WAZ Dorsten)
- Der 8. Mai soll als Gedenktag Bewußtsein aller Bürger ändern (Dorstener Zeitung)
- Gedenkfeier mit Musik und Literaturlesung (WAZ-Dorsten)
- Friedensgruppen mahnten am 8. Mai (Dorstener Zeitung)
Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wird hier in mehreren Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich (Fortsetzung und Schluss am 2.1.2023)
Veröffentlicht am 30.12.2022
Dorstener Friedensbewegung setzte in den 80er Jahren viel beachtete Akzente - Eine Erinnerung
Um bewerten zu können, über was und wen in Dorsten im Jahrzehnt 1980-1990, durch die Friedensbewegung initiiert, vehement öffentlich diskutiert wurde, soll die folgende unvollständige Aufzählung Zeugnis ablegen:
- Gedenkveranstaltungen auf dem Marktplatz zum 8. Mai (Ende des zweiten Weltkriegs) mit mehreren hundert Teilnehmern.
- Ausverkaufte Theateraufführungen in der St.-Ursula-Aula mit dem Ensemble Berliner Compagnie.
- Beteiligung an der Forschungsgruppe „Dorsten unterm Hakenkreuz“, die erstmals über die NS-Verbrechen an den Dorstener jüdischen Bürgern die fassungslose Öffentlichkeit informierten. Band 1 einer Reihe von Publikationen zu diesem Thema wurde 1983 im Alten Rathaus präsentiert.
- Mehrere Groß-Konzerte mit der lateinamerikanischen Musikformation Grupo Sal, kombiniert mit Lesungen des früheren nicaraguanischen Kulturministers und Priesters Ernesto Cardinal.
- Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Rupert Neudeck und Cap Anamur sowie Schwester Paula, die als prominente Unterstützerin der ehrenamtlichen Seenotretter im Impressum der Organisation genannt wurde.
- Beteiligung an Großdemonstrationen mit mehreren hunderttausend Teilnehmern in Bonn. Dazu wurden u. a. 7 Reisebusse für die Dorstener Teilnehmer gechartert.
- Gedenkveranstaltungen zur Bombardierung Dorstens am 22. März 1945 auf dem Markplatz unter Beteiligung mehrerer Chöre und dem Posaunenchor der evangelischen Kirche.
- Veranstaltungen zum Anti-Kriegstag jeweils am 1. September. Dazu wird u. a. der damalige Bezirkssekretär der KAB Lambert Lütkenhorst am 26.8.1989 in der WAZ-Dorsten so zitiert: „…, dass alle Glocken der katholischen Gemeinden läuten werden, zur Erinnerung daran, dass es nie wieder Krieg geben darf“.
- Beteiligung an kommunalen Friedenswochen in der VHS, vielen Kirchengemeinden und Schulen.
- Beteiligung an den städtischen Volkstrauertags-Gedenkveranstaltungen.
- Beteiligung und Mitgestaltung des 9. Novembers, als NS-Reichspogromnacht in die Geschichtsbücher eingegangen.
- Beteiligung an Ostermärschen.
- Bildung einer Menschenkette vor der Muna, um auf dort vermutete Atomsprengköpfe der US-Armee aufmerksam zu machen.
- Erinnerungsaktionen am 6. August, dem Tag des ersten Atombombenabwurfs 1945 auf die Zivilbevölkerung in Hiroshima/Japan.
- Ausstellungen über die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki
- Regelmäßige Infostände in der Altstadt.
- Aufrufe und regelmäßige Teilnahme an Aktionen „Schweigen und Beten für den Frieden“.
- Bürgeranträge zur kommunalen Friedenspolitik.
- 9 Ausgaben einer eigenen Zeitung mit dem Titel FRIEDEN für Dorsten.
Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wird hier in mehreren Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich
Veröffentlicht am 29.12.2022
Dorstener Friedensbewegung setzte in den 80er Jahren viel beachtete Akzente - Eine Erinnerung
Um heute zu verstehen, warum in den achtziger Jahren so viele Menschen in Dorsten, in Deutschland und weltweit für den Frieden und die Abrüstung auf die Straße gegangen sind, kann eingangs an der gesamtpolitischen Großwetterlage nach 1945 nicht vorbeigegangen werden. Unversöhnlich standen sich die Blöcke NATO und Warschauer Pakt gegenüber. So atomar hochgerüstet, dass die Waffenarsenale ausreichten, um die gesamte Menschheit mehrfach auszulöschen. Als, hier wie da, nochmals weitere Nachrüstungen beschlossen wurden, begann eine Bewegung von unten - Friedensbewegung genannt.
Die Dorstener Gruppe entwickelte sich aus völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Lagern. Nicht nur waren alle Altersklassen vertreten, besonders auffällig war, dass
überwiegend Frauen an der Spitze der Dorstener Bürgerbewegung agierten.
Ein Prinzip der Gruppe war, keinen auszugrenzen, der sich für Frieden und Abrüstung sowie für den Abbau von Feindbildern jeder Art einsetzte.
Auf über 200 DIN-A4-Seiten wurde unter der Überschrift FRIEDENSJAHRE IN DORSTEN dokumentiert, was sich in der Lippestadt zwischen 1985 und 1989 tat, um dem Titel dieses Aufsatzes, OHNE FRIEDEN IST ALLES NICHTS, gerecht zu werden. Die Dokumentation wurde, neben vielen weiteren Schriften, im städtischen Archiv entdeckt. Uli Hengemühle, früher Lehrer an der Gesamtschule Wulfen, hat sie Anfang 1990 aus den vielen Dokumenten und Dorstener Zeitungsartikeln (über 200 in 5 Jahren!) zusammengestellt.
Er selbst zeigte sich von der Vielzahl der kommunalen Aktivitäten und der gedruckten „Begleitpapiere“ völlig überrascht. In seinem Vorwort spricht er davon, 1990 „ein starkes Stück Dorsten“ zusammengestellt zu haben, das gegen das schnelle Vergessen helfen soll. Sein Fazit, … und es hat sich doch was getan …, kann dem heutigen Leser des Heimatkalenders Mut und Hoffnung machen, sich zu jeder Zeit für Frieden, Abrüstung und den Abbau von Feindbildern einzusetzen.
Nun soll der Blick in die Dokumentation wandern und uns an diejenigen erinnern, die sich hinter dem Begriff Dorstener Friedensbewegung verbargen.
Im Koordinierungskreis haben neben Pax Christi (Kath. Kirche), die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Abrüstung des Paul-Gerhardt-Hauses (Ev. Kirche), die Gruppe Frauen für den Frieden, Vertreter der politischen Parteien und Gewerkschaften, der Freundeskreis Nicaragua, Amnesty International, Greenpeace, Friedenskomitee Dorsten, 3. Welt-AG Gesamtschule Wulfen, 3. Welt-AG Paul Gerhardt-Haus, Dekanatsjugend Kath. Kirche, Arbeitsloseninitiative Wulfen, sowie viele Einzelpersonen mitgewirkt.
Sie haben durch gut vorbereitete Aktionen die Dorstener Öffentlichkeit über das notwendige Engagement für Frieden und Abrüstung nicht nur informiert, sondern es auch verstanden, viele hundert Bürgerinnen und Bürger „mitzunehmen“.
Parallel wurden Stadtrat und Verwaltung einbezogen, um sich auch zu positionieren. Eine Vielzahl von Leserbriefen zum benannten Thema, nicht selten äußerst kontrovers, füllten die Seiten der Dorstener Zeitung und der WAZ-Dorsten.
Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wird hier in mehreren Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich
Veröffentlicht am 28.12.2022
Dorstener Friedensbewegung setzte in den 80er Jahren viel beachtete Akzente - Eine Erinnerung
Heute, an einem Tag im Juni 2022, an die vielen Aktivitäten der Dorstener Friedensbewegung vor fast 40 Jahren zu erinnern, kann ohne den aktuellen Blick auf den schrecklichen, verbrecherischen Angriffskrieg Russlands gegenüber der Ukraine, nicht gewagt werden.
Die Hoffnung aller Menschen nach dem zweiten Weltkrieg, dass dieser mörderische, ebenfalls verbrecherische Krieg Deutschlands gegenüber der ganzen Welt, einen nachhaltigen, dauerhaften Völker verbindenden und friedlichen Lerneffekt auslösen würde, muss nur 80 Jahre später als Trugschluss und Irrglaube bewertet werden.
Diese Zeilen sind mit der Hoffnung verbunden, dass beim Erscheinen des Heimatkalenders im Dezember 2022 das Wort FRIEDEN in der Ukraine, in Europa und darüber hinaus wieder groß geschrieben werden kann.
Die Erinnerung an die Dorstener Friedensbewegung ist aber auch mit der heutigen Erkenntnis des Unterzeichners verbunden, dass der damalige Slogan, „Frieden schaffen ohne Waffen“, neu interpretiert werden muss. Der Blick auf die deprimierende aktuelle Realität zeigt, dass er zwar als gesamtpolitische Zielformulierung, vergleiche die UN-Charta, weiter Bestand hat, aber nur mit Zwischenschritten, samt militärischer Absicherung, erreichbar sein wird. Keiner der Friedensakteure und kein Politiker mit Regierungsverantwortung konnte sich nach 1945 vorstellen, dass eine Atommacht das unterschriebene und somit anerkannte UN-Völkerrecht mit Füßen treten und einem
einzigen autoritären Führer wieder blind in die Katastrophe folgen würde. Mitten in Europa.
Unter der am 24. Oktober 1945 in Kraft getretenen Charta der Vereinten Nationen, finden sich die Unterschriften von 193 Mitgliedsstaaten. Auch die der Sowjetunion, also dem heutigen Russland. Im Artikel 1, Absatz 1 heißt es:
„Die Vereinten Nationen beschließen, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen, Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen.“
Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wird hier in mehreren Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich
Veröffentlicht am 27.12.2022