Gesellschaft Irritierendes aus Ostdeutschland

Zweifel an der Demokratie

Wenn 61% der Ostdeutschen mit unseren demokratischen Strukturen unzufrieden sind, sie sogar als falsch ablehnen, dann stimmt etwas nicht. Carsten Schneider (SPD), Ostbeauftragter der Bundesregierung, nennt es ein Alarmsignal. Die ARD hat das Thema in einer beeindruckenden Dokumention aufgegriffen und mit „Hart aber fair“ begleitet. Es fällt schwer, sachlich zu bleiben, ruft man sich mehrere Wortbeiträge in der Dokumentation und der anschließenden Diskussion in Erinnerung. 32 Jahre nach der Wiedervereinigung wird in Teilen der neuen Bundesländer ein (Feind)Bild gepflegt, das mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Es gibt nach Ansicht vieler Historiker nur eine nachvollziehbare Erklärung für diese Haltung, diesen Trend. Nämlich, dass es seit 1945 keine offene Aufarbeitung in der DDR über die eigene Rolle im totalitären Nazisystem gegeben hat. Und keine weitere, nach 1989 über das undemokratische DDR-System. Dass, was sich besonders bei vielen Älteren dadurch im Denken festgesetzt hat, kann weder mit Geld, noch mit Aufklärung verändert werden. So der Eindruck beim Zusehen und Zuhören der guten ARD-Sendung. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, der die irritierenden Umfragedaten kommentierte, wirkte auch sehr nachdenklich, vielleicht sogar etwas ratlos.

Eine Rhader Einschätzung zur ostdeutschen Befindlichkeit

Veröffentlicht am 26.10.2022

 

Bildung & Forschung Gleiche Lebensverhältnisse und gleiche Bildungschancen im Ruhrgebiet? (Teil 1)

Ein Zeitungsartikel sorgt für Fassungslosigkeit

Nur 60 Kilometer liegen zwischen der Rhader Urbanusschule und der Nordmarkt-Grundschule in Dortmund. Wer hinter die Kulissen beider Schulen blickt, traut seinen Augen nicht. Während hier die Welt im Großen und Ganzen in Ordnung ist, regiert dort die blanke Not. „Im toten Winkel“ lautet der ZEIT-Artikel, der gnadenlos aufzeigt, dass Bildungschancengleichheit in großen Teilen NRWs immer noch ein Fremdwort ist. Werfen wir doch einfach mal einen Blick in die Nordmarktschule. Von 420 Kindern haben 416 einen Migrationshintergrund. 94% der Eltern leben von Hartz4. Der Förderverein wird ausschließlich vom Lehrpersonal finanziert. Keinen altersgemäßen Sprachschatz haben 93% der Kinder, so der letzte Sachstandtest. 400 von 420 Kindern lernen in der Schule Zähne zu putzen, nachdem der Schularzt die Defizite erkannt hat. Genug. Es reicht, um aufzuwachen und gesellschaftspolitisch gegenzusteuern. Slogans, wie Kinder sind unsere Zukunft, müssen endlich den Praxistest bestehen. Wir verwalten mehr den Mangel, als das Morgen zu gestalten. Egal, wer die Landesregierung stellt. Beispiel: NRW-Ausgaben pro Grundschüler - 6100 Euro, im Bundesschnitt 7100. Und dann das: Nach der Grundschule können Eltern zwischen sechs (!) weiterführenden Schulformen wählen. Weltweit einmalig, so das Autorenduo der ZEIT. An dieser Stelle wird die Defizitbeschreibung der NRW-Bildungspolitik vorerst beendet. Nicht aber, ohne jetzt die Politik einzubinden. Dieser Text wird zusammen mit dem ZEIT-Artikel an die Verantwortlichen im Land weitergeleitet. Zum Aufrütteln!

Eigener Text (wird fortgesetzt) auf Grundlage des ZEIT-Artikels „Im toten Winkel“ von Anant Agarwala und Martin Spiewak. ZEIT-Nr. 43, 20.10.2022

Veröffentlicht am 25.10.2022

 

Veranstaltungen Theaterstück (modern): Die digitale Katastrophe der Grundsteuererfassung

Ein Drama in 7 Akten

  • Akt 1: Die bisherige Berechnung ist nicht gerecht, sagt das Gericht und fordert den Gesetzgeber zu Änderungen auf. Beifall im Publikum.
  • Akt 2: Eine Bundesregierung und 16 Bundesländer suchen jahrelang nach dem Königsweg, ohne ihn zu finden. Murren im Publikum.
  • Akt 3: In letzter Minute ein fauler Kompromiss. Das Ergebnis: Die Bundesländer marschieren bei der Umsetzung getrennt. Pfiffe im Publikum.
  • Akt 4: Zur gerechteren Neubewertung der Grundstücke sollen die betroffenen Eigentümer die Daten selbst digital, zentral und in kürzester Frist liefern, obwohl sie in unterschiedlichen staatlichen Behörden vorhanden sind. (Wie hätte sonst die bisherige Berechnung erfolgen können?) Lautes Kopfschütteln im Publikum.
  • Akt 5: Die vom Staat eingerichtete digitale Plattform ELSTER macht beim ersten Ansturm schlapp. Die gestellten Fragen irritieren die Mehrzahl der gutwilligen Bürger. Sie verlassen das Theater unter Buhrufen.
  • Akt 6: Die Regie verspricht, jetzt alles besser machen zu wollen und behält das Theaterstück trotz massiver Kritik auf dem Spielplan. Der Kartenvorverkauf der Theaterfreunde bricht massiv ein.
  • Akt 7: Die Regie lässt sich nicht beirren und spielt weiter ohne Publikum. Bevor sich der Vorhang endgültig schließt, betritt überraschend und nicht eingeplant, ein Narr die Bühne und hält den Machern der staatlichen digitalen Revolution den Spiegel des Versagens vor.

Eine Theaterkritik aus Rhade

Veröffentlicht am 24.10.2022

 

Europa Die EU und ihre unerfüllbaren Erwartungen an Deutschland

Kritik an Olaf Scholz geht in die falsche Richtung

Die EU hat in den letzten Jahrzehnten zu unserem Wohlstand entscheidend beigetragen. Gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden. Seit längerer Zeit ist sie aber an einem Punkt angekommen, der nach Neuerfindung förmlich schreit. Ein erstes Land ist ausgetreten, andere verstehen die Gemeinschaft ausschließlich als Goldesel. Die Solidarität gegenüber Flüchtlingen gehört für einige Partnerländer nicht zur Selbstverständlichkeit. Autoritäre Regierungschefs höhlen die Rechtsstaatlichkeit aus und unterlaufen gemeinsam beschlossene Sanktionen in Richtung Diktaturen. Deutschland gehört seit jeher in der EU zu den Stabilitätsankern. Egal welche Partei den Kanzler stellte. Das führt zu einer unerfüllbaren Erwartungshaltung. Besonders jetzt in der Energiekrise. Auf dem letzten EU-Gipfel hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) seinen Kolleginnen und Kollegen sachlich und ohne Überheblichkeit vor Augen geführt, was Deutschland innerhalb der Gemeinschaft leistet und weiter leisten wird. Das war lange überfällig. Das bedeutet nicht, dass die deutsche EU-Politik kritiklos hingenommen werden müsste. Es würde aber den lautesten Kritikern gut zu Gesicht stehen, im eigenen Haus mal selbstkritisch nachzusehen, was renoviert werden müsste.

Rhader Wochenendgedanken

Veröffentlicht am 22.10.2022

 

Foto privat. Findus (Marionette) und der Arme Petterson (Handpuppe) in Aktion Veranstaltungen Rhade: Hurra - das Kindertheater ist wieder da

Private Initiative sorgt mit „Armer Petterson“ für leuchtende Kinderaugen

Es ist große Schauspielkunst, wenn 2 Puppenspieler viele Kinder mit ihrer Geschichte so fesseln können, dass sie konzentriert zuhören und begeistert mitmachen. Das gelang dem Puppentheater Wodo aus Mülheim im wahrsten Sinne des Wortes, spielend. Nicole T. und Mechthild H. haben die Initiative ergriffen, um das vor Jahren in Rhade begonnene private Engagement, nämlich Kindertheater für alle, sprich kostenlos, fortzusetzen. Mit dem renommierten Wodo- Puppentheater aus Mülheim und dem Stück „Armer Petterson“, landeten sie gleich einen Volltreffer. Begeisterte Kinder füllten das Carola Martius-Haus, um der Geschichte vom Kater Findus und dem alten Petterson aufgeregt zu folgen. Zwei Figuren des schwedischen Kinderbuchators Sven Nordquist, von Dorothee und Wolfgang Wellfonder spannend in Szene gesetzt. Tieftraurig und lustlos, so präsentiert sich der Arme Petterson, um vom agilen Kater Findus mit immer neuen Ideen aufgemuntert zu werden. Faszinierend, wie die Kinder sofort die Situation richtig einschätzen und Findus helfen wollen, Petterson aus seiner schlechten Laune zu befreien. Der riesige Beifall am Ende galt den Puppen und den Schauspielern gleichermaßen. Das Fazit der beiden Rhader Organisatorinnen, unterstützt von der Volksbank Rhade, fiel entsprechend positiv aus. Im Interesse der begeisterten Rhader Kinder ist zu wünschen, dass es auch im kommenden Jahr zu einer Kindertheater-Veranstaltung dieser Art kommen wird.

Veröffentlicht am 21.10.2022

 

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