„Wir haben nichts falsch gemacht“
Rote Zahlen auf dem Kontoauszug signalisieren, dass die Stunde der Wahrheit angebrochen ist. Spätestens jetzt müssen alle Ausgaben auf den Prüfstand. Das ist im Privatleben nicht anders als in einem Unternehmen oder der Stadtverwaltung Dorsten. Hier mussten sich die 44 Ratsmitglieder (mal wieder) anhören, dass in Dorsten finanziell „Land unter“ ist. Gerade schien man die letzte Krise durch Sparen überwunden zu haben, entsprechende Erfolgsmeldungen sind noch im Ohr, werden die gut 70.000 Einwohner auf die nächste kommunale Durststrecke eingeschworen. Ausgenommen davon sind die Pflichtaufgaben. An den Kragen wird es wieder dort gehen, wo Bürger sich ehrenamtlich einbringen, um mit besonderer Kreativität das eigene Quartier liebens- und lebenswerter zu gestalten. Der Satz des Kämmerers, nichts falsch gemacht zu haben, drückt bestens die eigene Ohnmacht aus. Jeder Husten im Land und Bund löst innerhalb kürzester Zeit in der Lippestadt eine schwere Erkältung aus. Ein Indiz dafür, dass auch nach Jahrzehnten der Diskussion über eine gerechte Finanzausstattung strukturschwacher Kommunen, keine nachhaltige Wende erreicht wurde. Ernüchterung nicht nur im Stadtrat, sondern auch im Bereich Bürgermitwirkung. Die funktioniert dauerhaft nur dann, wenn Versprechungen des Rathauses auch eingehalten werden. Rhade kann ein Lied davon singen, wie Projekte in der Warteschleife erst verhungern, dann vergessen werden.
Erste Rhader Gedanken zur Haushaltseinbringung der Stadt Dorsten. Wird fortgesetzt.
Veröffentlicht am 31.10.2022
Vorwort in neuer fiftyfifty-Straßenzeitung zwingt zum Nachdenken
Liebe Leserinnen und Leser,
neulich besuchte ich wieder eine weiterführende Schule, um Schüler*innen im Bereich Gestaltung und Design dazu zu motivieren, Werbe-Postkarten und neuerdings Social Media Posts für fiftyfifty zu kreieren. Die zum Teil großartigen Ergebnisse der letzten Jahrgänge haben wir stets in dieser Zeitung und auf Facebook veröffentlicht. In diesem Jahr allerdings musste ich eine bittere Erfahrung machen. Die jungen Leute, eigentlich hoch motiviert, baten um ein anderes Thema. Sie könnten mit dem Medium Zeitung nichts anfangen. Ich wollte es genauer wissen und fragte, wer denn überhaupt unsere Straßenzeitung ab und zu lesen würde. Das Ergebnis war ernüchternd, geradezu niederschmetternd. Niemand. Junge Leute lesen keine Medien mehr auf Papier und für digitale Inhalte sind sie nur selten bereit, Geld zu bezahlen. Was bedeutet das für die Zukunft von fiftyfifty, für die Zukunft von Straßenzeitungen? Ich befürchte, wir kommen wohl nicht umhin, festzustellen, dass wir den Anschluss an die junge Generation verloren haben. Dabei ist die Bereitschaft, Obdachlosen auf der Straße zu helfen, groß. Im letzten Monat haben wir zusätzlich zum Magazin 10.000 Aufkleber der Toten Hosen angeboten. Sie waren nach nur einer Woche vergriffen. Auch unser Straßenhunde-Kalender läuft gut, da das Medium Kalender eben prinzipiell noch funktioniert. So lange wir keine Alternative haben, womit Obdachlose auf der Straße Geld verdienen können, ist es wichtig, für den Erhalt von fiftyfifty und Straßenzeitungen zu kämpfen. Jeden Monat werden durch den Verkauf dieser Zeitung völlig unbürokratisch über 100.000 Euro umverteilt – zwischen Menschen, die etwas haben, und sei es nur wenig, und Menschen, die nichts haben. Das müssen wir erhalten. Zudem ist es wichtig, dass Begegnungen stattfinden. Dabei ist Hilfe durchaus keine Einbahnstraße. Die obdachlosen Verkäufer*innen leisten einen wichtigen Beitrag als Straßenseelsorge*innen, Kummerkästen und Expert*innen in Sachen Einsamkeit und Not. Danke, dass Sie fiftyfifty gekauft haben. Danke, dass Sie sich für unsere wichtigen, guten und kritischen journalistischen Inhalte interessieren. Bitte empfehlen Sie uns weiter. Bitte kaufen Sie, wenn möglich, zwei Zeitungen pro Monat und verschenken Sie eine. Damit unser Projekt fiftyfifty nicht untergeht.
Herzliche Grüße, Ihr
Hubert Ostendorf, Geschäftsführer von fiftyfifty
Nachsatz: Wir unterstützen solidarisch die wichtige Arbeit von fiftyfifty und allen Wohnungslosen-Initiativen und bitten unsere Leser, die Straßenzeitung immer zu kaufen und/oder das beeindruckend günstige Jahresabo der fiftyfifty-Digitalausgabe zu buchen. Eine Zeitung, die monatlich erscheint, hervorragend gemacht ist und den wichtigen Blick über den Tellerrand unserer Gesellschaft schweifen lässt.
https://www.fiftyfifty-galerie.de/
Veröffentlicht am 29.10.2022
„Unsere Demokratie gehört zur kritischen Infrastruktur. Sie schützen können wir nur selbst.“
Veröffentlicht am 28.10.2022
Unübersehbar kündigt das Plakat am Bauzaun des Gewerbegebietes Endelner Feld an, dass bereits im Dezember 2022 eine E-Tankstelle mit 8 Ladeplätzen den Betrieb aufnehmen wird.
Veröffentlicht am 28.10.2022
Mit großem Interesse habe ich Ihren heutigen (26.10.) Bericht über „Kultur-Litfaßsäulen …“ gelesen. Ein Vorschlag, den ich voll und ganz unterstütze. In diesem Zusammenhang merke ich an, dass die Idee gar nicht neu ist. Seit Jahren lege ich den Dorstener Parteien, dem Kulturausschuss, der Verwaltung, der Presse, …, zuletzt im Oktober 2020, Anregungen unter dem Titel „Kultur für alle“ vor, um die städtische Kultur besonders für diejenigen zu öffnen, die (bisher) nicht erreicht werden. Und genau in diesem Thesenpapier ist bereits dieser Vorschlag, der jetzt von Frank Hesse im Rahmen der Stadtteilkonferenz „Wir machen Altstadt“, vorgestellt wurde, enthalten. Ich sende Ihnen den entsprechenden Textauszug aus meinem Diskussionspapier zur Information zu.
Hürden überwinden und Begeisterung für Kultur wecken
Marion Taube war es, die Dorsten und seiner Bevölkerung gezeigt hat was möglich ist, wenn der Begriff KULTUR FÜR ALLE zum Leben erweckt wird. Ihre Projekte Polder-Park und Stadtkrone sind Kulturleuchttürme gewesen. Im Mittelpunkt stand nicht das Konsumieren, sondern das Mitmachen. Nie wäre es einfacher gewesen, z. B. mit einem städtischen mobilen Pavillon vor Ort für das städtische Kultur- und Weiterbildungsprogramm zu werben. Mehrfach ist vorgeschlagen worden, z. B. eine sogenannte Kultur-Litfaßsäule auf einem Anhänger zu installieren und damit überall in der Stadt zu werben. Bei Veranstaltungen aller Art, auf Marktplätzen, vor Schulen, kurz – mobil und aktuell auf das aufmerksam machen, was sich in unserer Stadt und den Stadtteilen tut.
Gerne sende ich Ihnen und allen Interessenten das komplette Thesenpapier zur Information zu.
Mit freundlichen Grüßen
Dirk Hartwich, Rhade
dirk.hartwich@t-online.de
Veröffentlicht am 27.10.2022