Wird fair und ergebnisoffen diskutiert, entsteht ein gesellschaftspolitischer Mehrwert
Es ist anstrengend, gegen den Strom zu schwimmen. In der Lippe nicht anders als in der Lippestadt. Dennoch gehört zu unserer Demokratie das Ringen um den richtigen Weg zur politischen Kultur. Und zwar alternativlos. So ist der in den letzten Tagen auf dieser Internetseite veröffentlichte Meinungsaustausch mit dem Bürgermeister zu verstehen. Dass er diesen angenommen hat, ist positiv zu werten. Dass er aber inhaltlich keinen Millimeter von seiner einmal getroffenen Position abweicht, nicht. Wenn es richtig ist, dass ein Bürgermeister der Erste unter Gleichen in der Stadt ist, dann würde ein Entgegenkommen weder als Beinbruch noch als Schwäche ausgelegt. Im Gegenteil. Die Forderung, allen Rhader Bürgern zeitgleich den ersten Entwurf des Dorfentwicklungskonzepts zum Lesen, Studieren, Korrigieren und Ergänzen vorzulegen, weiterhin kategorisch abzulehnen, spricht (leider) nicht für ein Entgegenkommen unter Gleichen. So wird der Mehrwert für Rhade und Dorsten nicht optimal "gehoben".
Ein Rhader Zwischenruf zum veröffentlichten Schriftwechsel mit dem BM
Veröffentlicht am 11.10.2021
Ein Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels zieht Bilanz
Der deutsch-iranische Schriftsteller und Publizist Navid Kermani, weltweit hoch angesehen, auch schon als Kandidat für das Bundespräsidentenamt im Gespräch gewesen, hat einen vielbeachteten Text über die 16jährige Amtszeit unserer Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel verfasst, der zeitgleich am 23. September in der ZEIT und Le Monde unter der Überschrift „Politik statt Programm“ erschien. Wir versuchen hier und heute das Wesentliche mit eigenen Worten und sehr verkürzt, zusammenzufassen:
- Beeindruckend ist ihre uneitle Art, sich nicht in den Vordergrund zu drängen und trotzdem Mittelpunkt zu sein
- Sie ist klug, pflicht- und selbstbewusst
- Auf Gipfeltreffen ist sie ist ein beruhigender Gegenpol inmitten von nicht wenigen "Männerrüpeln"
- Sie regierte pragmatisch ohne Visionen
- Mehrfach wechselte sie ihre politische Richtung, ohne Partei und Bundestag „mitzunehmen“
- Aus wirtschaftsliberal wurde über Nacht die Sozialdemokratisierung der CDU eingeleitet
- Milliarden Euro kosteten den Steuerzahler ihre Kehrtwenden in der Kernenergiefrage
- Unabgesprochen (auch in Europa) ihr Wechsel in der Flüchtlingsfrage
- In der Außenpolitik reagierte sie nur, ohne eigene Zeichen zu setzen
- Innenpolitisch arbeitete sie nur das ab, was auf ihrem Schreibtisch landete
- Ihre pragmatische Art politisch zu agieren, bzw. zu regieren, war für die Mehrzahl der Bundesbürger beruhigend und der wesentliche Grund, sie viermal wiederzuwählen.
Eigener Beitrag auf Grundlage des oben erwähnten ZEIT-Artikels
Veröffentlicht am 10.10.2021
Schlusswort von Dirk Hartwich:
Guten Tag Herr Stockhoff,
ich möchte Ihre umfangreiche Stellungnahme auf meinen Offenen Brief einleitend mit dem Richard David Precht-Zitat kurz beantworten:
„Wer etwas verändern will, sucht Ziele; wer etwas verhindern will, hat Gründe.“
- Seit fast 50 Jahren lasse ich mich vom 1. Teil des Precht-Zitats motivieren, um für Rhade und Dorsten (und darüberhinaus) das Beste zu finden, das unseren Lebensmittelpunkt reicher und zukunftsfähig macht.
- Dazu habe ich mit Gleichgesinnten häufig Ziele über die Parteigrenzen formuliert und für die Umsetzung geworben.
- Für ein wesentliches kommunalpolitisches Ziel, nämlich maximale und gleichberechtigte Bürgerbeteiligung, werbe ich seit Jahren unermüdlich.
- Gleichberechtigt heißt für mich, dass Verwaltung und Stadtrat das Ziel nie aus den Augen verlieren dürfen, alle Bürgerinnen und Bürger gleichwertig zu behandeln. Egal ob sie in Parteien, Vereinen, Initiativen, Bürgerforen oder ganz ohne organisatorische Flankenhilfe auftreten.
- Beim laufenden Rhader Dorfentwicklungsprojekt wird leider gegen das Gleichheits- und Gleichwertigkeitsziel verstoßen. Sie nennen viele Gründe warum was nicht geht und beantworten auch nicht alle gestellten Fragen.
Ich hoffe nochmals deutlich gemacht zu haben, dass meine gesellschaftspolitischen Zielformulierungen als konstruktiver Beitrag zur positiven Weiterentwicklung unserer Stadt, unseres Stadtteils, unseres Quartiers verstanden und bewertet werden sollten.
Mit freundlichen Grüßen - Dirk Hartwich
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Schlusswort von Tobias Stockhoff:
Sehr geehrter Herr Hartwich,
herzlichen Dank für Ihre Antwort, die ich in manchen Aspekten teile, aber anderen Stellen auch nicht teile. Weder das Bürgerforum noch das Dorfentwicklungskonzept verstoßen gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, da von Beginn an jede Bürgerin und jeder Bürger zur Teilnahme eingeladen ist. Der von Ihnen vorgeschlagene Weg ist nicht „maximaler“, da er z. B. bei der Finalisierung des Entwurfes die bürgerschaftliche Komponente ausschließt. Ich möchte die Komponente nicht ausschließlich oder verhindern, da sie neben der „studierten“ Fachlichkeit eine weitere Dimension einbringt. Diese kooperative Form des Zusammenwirkens von Bürgerschaft, Politik und Verwaltung bildet die Basis für jede moderne Form der Bürgerbeteiligung und wird sowohl von der Wissenschaft als auch von Praktikerinnen und Praktikern empfohlen.
Ich bedauere es sehr, dass Sie erneut nicht meine Einladung angenommen haben, um persönlich über diesen Sachverhalt zu sprechen. Ich bin mir jedoch sicher, dass Sie Ihre Ergänzungen, Aspekte und Ideen in der Sitzung des Bürgerforums Ende November wie alle Bürgerinnen und Bürger einbringen können.Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche und verbleibe
mit freundlichen Grüßen - Tobias Stockhoff, Bürgermeister
Veröffentlicht am 09.10.2021