„Gefährlich still ruht der See“
Sie finden nicht (mehr) statt - die demokratischen Parteien unserer Stadt. Zumindest ist die öffentliche Wahrnehmung so. Die Corona-Pandemie wäre eine Erklärung. Aber auch eine ausreichende und nachvollziehbare? Der Versuch, die eigenen Mitglieder digital zu informieren und sie so bei „der Stange zu halten“, stößt nach Monaten an seine natürlichen Grenzen. Die Gefahr, dass diese erzwungene Pause eine riesige Lücke in den Aktivenbestand aller Parteien reißen wird, kann bereits jetzt prognostiziert werden. Ein Blick auf die Internetseiten der Dorstener Parteien zeigt überdeutlich, dass „da nichts läuft“. Eine Ausnahme bildet zwar die Rhader SPD-Internetseite, die seit Jahren täglich aktualisiert wird, aber der dahinterstehende Ortsverein befindet sich auch seit Monaten in der Corona-Quarantäne. Wenn am Tag X die Normalität in unserem Land und unserer Stadt wieder eintritt, wird es keinen Schalter geben, den die Parteien umlegen können - und alles ist wieder gut. Die erste Hoffnung ist, diese Phase des kommunalpolitischen Stillstands gesund zu „überleben“. Die zweite, dass bereits jetzt Pläne geschmiedet werden, um unsere demokratischen Strukturen durch Mitwirkung und Mitbestimmung zu stärken. „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit“, heißt es im Grundgesetz Artikel 21 dazu unmissverständlich.
Ein besorgter Blick und Zwischenruf aus Rhade
Veröffentlicht am 02.02.2021
Rhader Thesenpapier im Rathaus angekommen - Dezentralisierung kein Fremdwort mehr
Seit Jahren spielt sich die städtische Kultur- und Weiterbildung fast ausschließlich im Zentrum der Stadt ab. Seit Jahren wird vor Ort über diese Entwicklung geklagt. Nun hat ein Diskussions- und Thesenpapier deutlich Wirkung gezeigt. Intensive, auch kontroverse Gespräche mit der Verwaltung, direkt und per E-Mail, haben zu einem ersten positiven Ergebnis für Rhade, und in der Folge sicherlich für alle Dorstener Stadtteile im Außenbereich geführt. Der Begriff der Dezentralisierung wird künftig einen hohen Stellenwert erhalten. Das Kulturamt beabsichtigt jetzt auch direkt vor Ort für die Teilnahme an Kinder- und Jugendkulturprojekten zu werben. Angekündigt wird, dass es in der kommenden Spielzeit wieder Puppentheater in Rhade geben soll. VHS-Kurse, viele Jahre hier Fehlanzeige, werden unter dem Begriff VHS IM QUARTIER dann in Rhade angeboten, so die Antwort der Verwaltung vom 26. Januar 2021. Die Absichtserklärung der Verwaltung liegt inzwischen auch dem Rhader Bürgerforum und dem Stadtrat vor. Nun wird es darauf ankommen, dass „das Eisen geschmiedet wird, solange es warm ist“, kommentiert Dirk Hartwich, der das Kultur-Thesenpapier auf den Weg gebracht und mit Hans-Peter Steffens vom Bürgerforum die Gespräche mit der Verwaltung geführt hat. „Wichtig ist mir“, so Hartwich abschließend, „dass die begonnene Diskussion überparteilich angelegt ist und entsprechend weiter geführt werden muss“. Dass es auch noch Kritikpunkte an der Verwaltungsposition gibt, wird in Kürze gesondert aufgegriffen.
Das Rhader Thesenpapier und die Verwaltungsantwort können unter dirk.hartwich@t-online.de angefordert werden.
Eigener Beitrag
Veröffentlicht am 01.02.2021
Ein politisches Gedicht rüttelte auf - mit dramatischen Folgen
Mein Name ist Ausländer.
Ich arbeite hier
Ich weiß, wie ich arbeite,
Ob die Deutschen es auch wissen?
Meine Arbeit ist schwer
Meine Arbeit ist schmutzig.
Das gefällt mir nicht, sage ich.
„Wenn dir die Arbeit nicht gefällt,
geh in deine Heimat“, sagen sie.
Meine Arbeit ist schwer,
Meine Arbeit ist schmutzig,
Mein Lohn ist niedrig.
Auch ich zahle Steuern, sage ich.
Ich werde es immer wieder sagen,
Wenn ich immer hören muss:
„Suche dir eine andere Arbeit.“
Aber die Schuld liegt nicht bei den Deutschen,
Liegt nicht bei den Türken.
Die Türkei braucht Devisen,
Deutschland Arbeitskräfte.
Mein Land hat uns nach Deutschland verkauft,
Wie Stiefkinder,
Wie unbrauchbare Menschen
Aber dennoch braucht sie Devisen,
Braucht sie Ruhe.
Mein Land hat mich nach Deutschland verkauft
Mein Name ist AUSLÄNDER
Semra Ertan*)
*) Die Dichterin verbrannte sich 1982 in Hamburg aus Protest gegen Rassismus und nachdem sie das Gedicht im NDR-Hörfunk vorgetragen hat.
Die Genehmigung zur Veröffentlichung aus "Semra Ertan - Mein Name ist Ausländer - Gedichte" auf unserer Internetseite liegt von der Edition Assemblage, Münster vor. Wir bedanken uns herzlich.
Veröffentlicht am 31.01.2021
Vor 15 Jahren starb Johannes Rau. Michael Hübner (MdL) über den großen deutschen Sozialdemokraten
„Am 23. Mai 1999 wurde Johannes Rau zum Bundespräsidenten gewählt. Damit hatte sich sein großer Wunsch erfüllt, seinem größten politischen Vorbild, Gustav Heinemann, in dieses Amt nachzufolgen.Die Warmherzigkeit, die unkomplizierte Art und die klaren politischen Positionen die er an den Tag legte, verschafften Rau viel Achtung und Zuneigung. Dabei war er keineswegs ein Utopist oder Träumer. Rau war ein Profi im Politikgeschäft. So hat er 1985 in Nordrhein-Westfalen für die SPD mit 52,1 Prozent ein nie wieder erreichtes Ergebnis eingefahren. Als Bundespräsident hat Rau in seinen „Berliner Reden“ aktuelle politische Themen behandelt und mit klaren Worten nicht gegeizt. Er kritisierte immer wieder, dass es in der politischen Debatte nur noch um den Wirtschaftsstandort Deutschland ginge und die Menschen nur noch nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bewertet würden – und er kritisierte ganz offen auch die ökonomischen und politischen Eliten des Landes oder diejenigen, die sich dafür hielten (Zitat): „Wir müssen erleben, dass einige, die in wirtschaftlicher oder öffentlicher Verantwortung stehen, ungeniert in die eigene Tasche wirtschaften. Das Gefühl für das, was richtig und angemessen ist, scheint verloren gegangen zu sein.“ Rau war als Bundespräsident bekannt dafür, dass er jeden Brief las, der an ihn persönlich adressiert war – und dann griff er zum Telefonhörer und rief den Absender persönlich an. „Mir hilft das, nicht abzuheben,“ sagte er. Er wusste, das was in der Presse veröffentlicht wird, ist oftmals nicht die Wirklichkeit.“ Über sich sagte er: „Ich bin Patriot, ohne Nationalist zu sein.“ Seine Amtszeit als Staatsoberhaupt endete im Sommer 2004. Von schwerer Krankheit und vielen Operationen gezeichnet, starb Johannes Rau am 27.Januar 2006 in Berlin. Die Menschen trauerten um ihren “Bruder Johannes“.
Nachsatz der Rhader Sozialdemokraten: Die SPD beantragte vor Jahren im Stadtrat, eine Straße in der Lippestadt nach Johannes Rau zu benennen. Noch sucht man sie in Dorsten vergeblich!
Veröffentlicht am 30.01.2021
Thomas Kutschaty wird Vorsitzender und Spitzenkandidat für das Ministerpräsidentenamt
Opposition ist Mist. Franz Müntefering war es, der der SPD diese politische Weisheit ins Stammbuch geschrieben hat. Die (einst) stolze NRW-SPD, u. a. mit Heinz Kühn, Johannes Rau und zuletzt Hannelore Kraft Ministerpräsidenten haben unser Land glänzend repräsentiert und regiert. Seit der letzten Landtagswahl hat schwarz-gelb das Sagen. Die SPD sitzt auf den harten Oppositionsbänken. Plötzlich ist die öffentliche Aufmerksamkeit so gut wie weg und in der Folge die breite Unterstützung der Basis. Opposition ist Mist! Nun will Thomas Kutschaty, rühriger SPD-Fraktionschef, raus aus dem Dilemma. Er wird nun auch die Partei führen und als Spitzenkandidat alles daran setzen, nach der nächsten Wahl wieder eine SPD-geführte Regierung zu bilden. „Das ist doch mal eine positive Ansage“, so ein Kommentar der Basis. Und dass Armin Laschet mit der FDP im Schlepptau unser Land schlechter als seine Vorgängerin Hannelore Kraft regiert, gehört inzwischen zur allgemeinen Erkenntnis. Thomas Kutschaty und die SPD könnten die Wende schaffen.
Eine Rhader Anmerkung zur NRW-Landespolitik
Veröffentlicht am 29.01.2021