Bundespolitik Deutschland in der Krise

Politik irritiert, Wirtschaft lahmt, Vertrauen verspielt

Es ist kurz vor 12. Wird der Kanzler Olaf Scholz (SPD) den Befreiungsschlag wagen und Christian Lindner (FDP) aus der Regierung schmeißen? Dieser, so wird nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand in Berlin spekuliert, provoziert genau dieses Szenario, um nicht wieder als Flüchtender vor der Verantwortung dazustehen. Damit wäre die Ampel-Regierung Geschichte und die Zukunft des „europäischen Riesen“ Deutschland unkalkulierbar. Nachdem es nun mehrere konkurrierende Konzepte zur Erholung der Wirtschaft aus einer und derselben Regierung gibt, ist die Verunsicherung und Verständnislosigkeit nicht nur in den Vorstandsetagen mit den Händen zu greifen. Der grüne Wirtschaftsminister zaubert einen Vorschlag nach dem anderen aus dem Hut, der liberale Finanzminister Christian Lindner blockiert umgehend, um Habeck gegen die Wand laufen zu lassen. Und mittendrin der Kanzler, der versucht, den Laden der „ungleichen Brüder“ zusammenzuhalten. Nun scheint es, dass der Bogen von Gelb und Grün überspannt wurde. Der Eindruck, dass dem Bundeskanzler auf der Nase herumgetanzt wird, verstärkt sich in der öffentlichen Wahrnehmung zusehends. Darüber, ob er seine Richtlinienkompetenz einsetzt, um quertreibende Minister zu entlassen, wird mehr oder weniger offen, nicht mehr nur in Berlin, spekuliert. Das trübe Wetter spiegelt die Stimmung oben wie unten wider. Nicht ausgeschlossen, dass den bevorstehenden Gedenktagen im November ein weiterer mit dem Namen Ampel-Aus hinzugefügt wird.

Rhader Blick in die Glaskugel

Veröffentlicht am 30.10.2024

 

Gaby Wassong (r) und Achim Schrecklein, sowie Christoph Kopp und Dirk Hartwich vertraten die Rhader SPD. Stadtverband Dorstener SPD positioniert sich für Wahlen im kommenden Jahr

Gedenken an Reinhold Grewer

Der Tagungssaal im Begegnungszentrum „Dorstener Bahnhof“ war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Swen Coralic, Vorsitzender der Dorstener SPD, die Delegiertenversammlung der heimischen Sozialdemokraten eröffnete. Auf der Tagesordnung standen Wahlen, um für die überörtlichen Parteigremien Akteure zu benennen, die die Lippestadt entsprechend vertreten sollen. Swen Coralic wählte unter anderem den Begriff PFLICHT, der als Motor unsere Gesellschaft in Bewegung hält. Und hier spiele das Ehrenamt eine herausragende Rolle. Einer, der das vorlebte war Reinhold Grewer, der leider viel zu früh verstarb. Ihm und allen anderen verstorbenen Sozialdemokratinnen zu Ehren, erhoben sich die Teilnehmer zu einem stillen Gedenken. „Der heutige Tag ist der Startschuss für unsere Kommunalwahlkampagne im September des nächsten Jahres“, so Swen Coralic in seinem motivierenden Eingangsstatement. Über Selbstachtung Selbstbewusstsein und Gestaltungsanspruch muss unser Weg im Team erkennbar sein, so der roten Faden seiner Ansprache. Der Beifall am Ende zeigte, dass die Delegierten aus allen Dorstener SPD-Ortsvereinen verstanden haben und den vorgezeichneten Pfad mitgehen wollen. Michael Gerdes, langjähriger und immer direkt gewählter Bundestagsabgeordneter, rief unter anderm dazu auf, seinen möglichen Nachfolger, Dustin Tix, mit aller Energie zu unterstützen. Dieser bedankte sich in einem kurzen Statement für die bisherige Unterstützung und versprach, das entgegengebrachte Vertrauen zurückgeben zu wollen. Die Dorstener SPD vermittelte am Samstag den Eindruck, den ausgerufenen Neustart, erfolgreich gestalten zu können. Gut für Dorsten.

Rhader Eindrücke über den Dorstener Stadtparteitag

Veröffentlicht am 29.10.2024

 

Bundespolitik Koalition: Rausschmeißen, hinschmeißen oder weiter so?

Das Ergebnis wäre in allen Fällen gleich

Mit „Mehr Fortschritt wagen“ ist man angetreten. Mit immer mehr Mißtrauen untereinander wird die Koalition im Scherbenhaufen enden. „Die Ampel streitet wieder“, so seit Monaten die Bewertung von außen über die SPD-geführte Bundesregierung. Und sie ist korrekt. Trotz aller Bemühungen von Olaf Scholz, die zu Kontrahenten gewordenen Partner Christian Lindner (FDP) und Robert Habeck (Grüne) in sein Team einzubinden, sind erst versteckte Sticheleien an der Tagesordnung gewesen, die nun sogar zur offenen Auseinandersetzung mutieren. Das Bild, das die Koalition abgibt, ist desaströs. Sollte Olaf Scholz Christian Lindner wegen seiner ständigen Provokationen und teils unerträglichen Prinzipienreiterei feuern? Wird die FDP in Kürze von sich aus hinschmeißen und sich der CDU an den Hals werfen? In beiden Fällen hieße das, dass die Koalition vorzeitig beendet wird. Oder heißt die Devise aller, Augen zu und durch? In allen drei Szenarien werden es SPD, Grüne und FDP äußerst schwer haben, den allgemeinen  Vertrauensverlust vor der kommenden Wahl abzubauen. Wahrscheinlich ist, dass dann das Hauen und Stechen untereinander erst richtig beginnt, um den „Schwarzen Peter“ weiterzureichen. Keine guten Aussichten für unser Land.

Rhader Nachdenkzeilen zum Wochenanfang

Veröffentlicht am 28.10.2024

 

Allgemein Demokratie verteidigen

Mit Worten allein wird das nicht (mehr) funktionieren

Frieden schaffen ohne Waffen und Schwerter zu Pflugscharen! Zwei Losungen, die ganz oben auf der Agenda der deutschen Friedensbewegung in den 1970er und 1980er Jahren standen. Weltweit wiesen die Zeichen auf Verständigung und Abrüstung. Bei der Bundeswehr konnte gespart werden. Kriege in Europa waren nur noch in den Geschichtsbüchern nachzulesen. Dann der Kipppunkt. Russland scherte aus, um den Weg zu „früherem Glanz“ zu finden. Warum es der übrigen Welt nicht gelang, Putin als gleichberechtigten Partner zu gewinnen, soll hier nicht neu erörtert werden. Real ist, dass Russland aggressiver agierte und letztlich alle Verträge für Sicherheit und Zusammenarbeit kündigte. Der Überfall auf die Ukraine war der eklatanteste Bruch des Völkerrechts, den die gesamte Völkergemeinschaft nicht für möglich gehalten hat. Spätestens jetzt wurde klar, dass Diplomatie ein zahnloser Tiger ist, wenn die Bereitschaft zum Gespräch abgeblockt wird. Spätestens jetzt wurde klar, dass Putins Überfall auf die Ukraine nur der Anfang einer Gewaltspirale ist, der auch unser Land und unsere Demokratie in den Abgrund ziehen kann. Wir müssen uns verteidigen können. Wir müssen aufrüsten, um ein klares Zeichen zu setzen, nicht  auch „gefressen“ zu werden. Eine bittere Erkenntnis, die aber alternativlos ist. Die diesjährige Preisträgerin des „Friedenspreises des deutschen Buchhandels“, Anne Applebaum, hat das in ihrer Dankesrede thematisiert. Pazifismus um jeden Preis ist ein Irrweg. Wir müssen konstatieren, verstanden zu haben.

Rhader Wochenendkommentar   

Veröffentlicht am 26.10.2024

 

Stadtentwicklung Riesige Baugrube im Dorf

Neubau wird das Dorfbild verändern

Erstaunt reiben sich nicht wenige Betrachter die Augen, blicken sie in die riesige Baugrube an der Debbingstraße. Während im westlichen Teil Rhades noch historische Baustrukturen und Grundstücksanordnungen „rund um die Kirche“ erkennbar sind, ist östlich der Debbingstraße davon nichts mehr sichtbar. Dennoch passten die teils niedrigen Gebäude noch irgendwie zum Dorfbild. Nun wird aber direkt gegenüber der Kirche ein (sehr) großes Mehrfamilienhaus gebaut. Das Baurecht lässt das zu. Daran wird eine öffentlich geführte Diskussion über die Dimension des Baukörpers und die Ausnutzung des Grundstücks nichts mehr ändern. „Unser Dorf soll schöner werden“, so der frühere Wettbewerb des Landes, um den ländlichen Bereich zu stärken. Ein Preis wurde bisher nicht gewonnen. Ob sich die Ausgangslage für eine Neubewertung mit dem Neubau mitten im Dorf ändert, ist mehr als fraglich. Sicher ist, dass die parallel vorangetriebene Dorfentwicklung, gefördert mit Landesmitteln, vor der Herausforderung steht, den neuen Baukörper ins Gesamtensemble zu integrieren. Rhade hat verdient, dass das (irgendwie) gelingt.

Rhader Zwischenruf zur Dorfentwicklung

Veröffentlicht am 25.10.2024

 

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