Allgemein Mein Name ist Ausländer - Gedicht gegen ein Verbrechen

Ein politisches Gedicht rüttelte auf - mit dramatischen Folgen

Mein Name ist Ausländer.

Ich arbeite hier

Ich weiß, wie ich arbeite,

Ob die Deutschen es auch wissen?

Meine Arbeit ist schwer

Meine Arbeit ist schmutzig.

Das gefällt mir nicht, sage ich.

„Wenn dir die Arbeit nicht gefällt,

geh in deine Heimat“, sagen sie.

Meine Arbeit ist schwer,

Meine Arbeit ist schmutzig,

Mein Lohn ist niedrig.

Auch ich zahle Steuern, sage ich.

Ich werde es immer wieder sagen,

Wenn ich immer hören muss:

„Suche dir eine andere Arbeit.“

Aber die Schuld liegt nicht bei den Deutschen,

Liegt nicht bei den Türken.

Die Türkei braucht Devisen,

Deutschland Arbeitskräfte.

Mein Land hat uns nach Deutschland verkauft,

Wie Stiefkinder,

Wie unbrauchbare Menschen

Aber dennoch braucht sie Devisen,

Braucht sie Ruhe.

Mein Land hat mich nach Deutschland verkauft

Mein Name ist AUSLÄNDER

Semra Ertan*)

 

*) Die Dichterin verbrannte sich 1982 in Hamburg aus Protest gegen Rassismus und nachdem sie das Gedicht im NDR-Hörfunk vorgetragen hat.

Die Genehmigung zur Veröffentlichung aus "Semra Ertan - Mein Name ist Ausländer - Gedichte" auf unserer Internetseite liegt von der Edition Assemblage, Münster vor. Wir bedanken uns herzlich.

Veröffentlicht am 31.01.2021

 

Landespolitik „Johannes Rau - ein deutscher Patriot ohne Attitüden“

Vor 15 Jahren starb Johannes Rau. Michael Hübner (MdL) über den großen deutschen Sozialdemokraten 

„Am 23. Mai 1999 wurde Johannes Rau zum Bundespräsidenten gewählt. Damit hatte sich sein großer Wunsch erfüllt, seinem größten politischen Vorbild, Gustav Heinemann, in dieses Amt nachzufolgen.Die Warmherzigkeit, die unkomplizierte Art und die klaren politischen Positionen die er an den Tag legte, verschafften Rau viel Achtung und Zuneigung. Dabei war er keineswegs ein Utopist oder Träumer. Rau war ein Profi im Politikgeschäft. So hat er 1985 in Nordrhein-Westfalen für die SPD mit 52,1 Prozent ein nie wieder erreichtes Ergebnis eingefahren. Als Bundespräsident hat Rau in seinen „Berliner Reden“ aktuelle politische Themen behandelt und mit klaren Worten nicht gegeizt. Er kritisierte immer wieder, dass es in der politischen Debatte nur noch um den Wirtschaftsstandort Deutschland ginge und die Menschen nur noch nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bewertet würden – und er kritisierte ganz offen auch die ökonomischen und politischen Eliten des Landes oder diejenigen, die sich dafür hielten (Zitat): „Wir müssen erleben, dass einige, die in wirtschaftlicher oder öffentlicher Verantwortung stehen, ungeniert in die eigene Tasche wirtschaften. Das Gefühl für das, was richtig und angemessen ist, scheint verloren gegangen zu sein.“ Rau war als Bundespräsident bekannt dafür, dass er jeden Brief las, der an ihn persönlich adressiert war – und dann griff er zum Telefonhörer und rief den Absender persönlich an. „Mir hilft das, nicht abzuheben,“ sagte er. Er wusste, das was in der Presse veröffentlicht wird, ist oftmals nicht die Wirklichkeit.“ Über sich sagte er: „Ich bin Patriot, ohne Nationalist zu sein.“ Seine Amtszeit als Staatsoberhaupt endete im Sommer 2004. Von schwerer Krankheit und vielen Operationen gezeichnet, starb Johannes Rau am 27.Januar 2006 in Berlin. Die Menschen trauerten um ihren “Bruder Johannes“. 

Nachsatz der Rhader Sozialdemokraten: Die SPD beantragte vor Jahren im Stadtrat, eine Straße in der Lippestadt nach Johannes Rau zu benennen. Noch sucht man sie in Dorsten vergeblich!

 

Veröffentlicht am 30.01.2021

 

Foto: Internetseite NRW-SPD - Pressefoto Landespolitik Stühlerücken bei der NRW-SPD - Opposition ist Mist

Thomas Kutschaty wird Vorsitzender und Spitzenkandidat für das Ministerpräsidentenamt

Opposition ist Mist. Franz Müntefering war es, der der SPD diese politische Weisheit ins Stammbuch geschrieben hat. Die (einst) stolze NRW-SPD, u. a. mit Heinz Kühn, Johannes Rau und zuletzt Hannelore Kraft Ministerpräsidenten haben unser Land glänzend repräsentiert und regiert. Seit der letzten Landtagswahl hat schwarz-gelb das Sagen. Die SPD sitzt auf den harten Oppositionsbänken. Plötzlich ist die öffentliche Aufmerksamkeit so gut wie weg und in der Folge die breite Unterstützung der Basis. Opposition ist Mist! Nun will Thomas Kutschaty, rühriger SPD-Fraktionschef, raus aus dem Dilemma. Er wird nun auch die Partei führen und als Spitzenkandidat alles daran setzen, nach der nächsten Wahl wieder eine SPD-geführte Regierung zu bilden. „Das ist doch mal eine positive Ansage“, so ein Kommentar der Basis. Und dass Armin Laschet mit der FDP im Schlepptau unser Land schlechter als seine Vorgängerin Hannelore Kraft regiert, gehört inzwischen zur allgemeinen Erkenntnis. Thomas Kutschaty und die SPD könnten die Wende schaffen.

Eine Rhader Anmerkung zur NRW-Landespolitik   

Veröffentlicht am 29.01.2021

 

Gesellschaft Holocaust-Gedenktag - und was Dorsten damit zu tun hat

Eine Bürgerinitiative stellte Fragen und dokumentierte die Antworten

Als um 1980 im Dorstener Kulturausschuss kritische Fragen zur Nazizeit und dem Verbleib der jüdischen Gemeinde gestellt wurden, war große Ratlosigkeit auf der Verwaltungsbank erkennbar. Ein Journalist der Ruhr Nachrichten, der als interessierter Zuhörer dabei war, motivierte den Fragesteller aus der SPD-Fraktion, gemeinsam nachzuforschen. Das war der Startschuss für den überparteilichen Arbeitskreis „Dorsten unterm Hakenkreuz“, der in den Folgejahren Erstaunliches über die Nazizeit und die systematische Vertreibung der bis dahin hoch geachteten jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus der Lippestadt erforschte. 1983 wurde das gesammelte Wissen in einem ersten Buch mit dem Titel „Die jüdische Gemeinde“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Interesse war so groß, dass die Auflage schnell vergriffen war. Weitere Bücher „Dorsten unterm Hakenkreuz" folgten. Dass später sogar das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten gebaut wurde, war in den Anfangsjahren der Forschungsarbeit von unten weder erkennbar noch für möglich gehalten. Im Band 1 werden auf der letzten Umschlagseite diejenigen genannt, die den Arbeitskreis Dorsten unterm Hakenkreuz bildeten. U. a. Schwester Johanna Eichmann, Hans Drewes, Christiane Koch, Willi Risthaus, Angela Schneider, Elisabeth Schulte-Huxel, Brigitte Hartwich, Brigitte Stegemann-Czurda, Stefan Tunn, Schwester Paula. Der eingangs erwähnte Journalist war Wolf Stegemann und der Fragesteller im Ausschuss - Dirk Hartwich.

Eigener Beitrag. Auf der Internetseite www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de können die Dokumentationen der gleichnamigen Forschungsgruppe nachgelesen werden. Die meisten Bücher sind inzwischen vergriffen.

Veröffentlicht am 28.01.2021

 

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