Was ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eigentlich los?
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten konnte ein Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten könnte ein ehemaliger Präsident, inzwischen als verurteilter Verbrecher und Lügner entlarvt, sogar wieder zum Präsidenten aufsteigen. Er muss nur noch die Wahl im November gewinnen. Das ist wirklich möglich. Im Falle einer Niederlage wird er das Ergebnis wieder nicht anerkennen. Er ist ein Feind der Demokratie. Warum bekommt er dann soviel Zustimmung und Millionen Wahlkampfspenden? Weil er auf ganz schwierige Fragen, ganz einfache Antworten hat. Weil er Versprechungen in die Welt setzt, die er nicht einhalten wird. Weil er den Reichen verspricht, reich zu bleiben. Dass er damit sich in erster Linie selbst meint, gehört zum Allgemeinwissen eines kritischen USA-Beobachters dazu. „So einer wird doch wohl keine Wahl gewinnen? Wahl heißt doch Auswahl. Ein guter Konkurrent müsste es doch ganz einfach haben, so einen Aufschneider und Egomanen in freier Wahl zu besiegen“, so unsere Einschätzung, gebildet aus Nachrichten, die uns seit Jahren über den großen Teich erreichen. Wenn aber der Konkurrent unübersehbare Schwächen zeigt, und seine Partei keine personelle Alternative anbietet, dann wird es wohl so kommen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist sogar das scheinbar Unmögliche möglich.
Ein Wochenendkommentar aus Rhade
Veröffentlicht am 29.06.2024
Dorfentwicklungsplanung: Nur wer selbst begeistert ist, kann auch andere begeistern
Seit vielen Jahren, alte Hasen sprechen sogar von Jahrzehnten, wird in Rhade über einen attraktiveren Dorfmittelpunkt gerungen. Ein Blick nach Heiden oder Velen zeigt, was möglich wäre. Kommunalpolitiker beauftragten die Verwaltung, Bürger wurden ins Boot geholt, externer Sachverstand eingekauft. Herausgekommen sind mehrere Pläne, die sich irgendwie ähnlich sehen. Ein leeres Stadtsäckel verhinderte aber immer die Umsetzung. Nun ein neuer Anlauf, der planungsmäßig als abgeschlossen gilt. Grund für die ehrenamtlichen Akteure des Bürgerforums, das Ergebnis den anwesenden Bürgern vorzustellen. Der Eindruck, dass das diesmal mit deutlich weniger eigener Begeisterung als früher geschah, hielt sich hartnäckig. So zumindest das Fazit eines Besuchers. Lag es daran, dass zwar kritische Reaktionen der Rhader protokolliert wurden, aber keine, die mit Euphorie pro Dorfkernsanierung auffielen? Lag es daran, dass die von der Verwaltung aufgezeigte Zeitschiene zur Umsetzung für Ernüchterung sorgte? Lag es daran, dass auch der „Planungsamtschef vom Dienst“ eher pflichtschuldig als mitreißend wirkte? Rhade hat es nach 50 Jahren Zugehörigkeit zu Dorsten verdient, endlich einen Dorfmittelpunkt zu erhalten, der als dauerhafter Begegnungsort das Zusammengehörigkeitsgefühl des 3 Kilometer langen Straßendorfes stärkt. Dazu ist es aber notwendig, mit mehr Euphorie als bisher zu werben.
Eine kommunalpolitische Beobachtung in Rhade
Veröffentlicht am 28.06.2024
Ein Schriftsteller bringt es auf den Punkt und kennt die Lösung
Er ist Juraprofessor und hoch geehrter Schriftsteller. Sein Buch „Der Vorleser“ wurde millionenfach verkauft und gelesen. Die Rede ist von Bernhard Schlink, heute 79 Jahre alt. In einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT bewertet er den politischen Aktivismus der Straße sehr kritisch. Namentlich nennt er u. a. Fridays for Future. Sein hartes Urteil, das bringt nichts, irritiert im ersten Moment, darf aber als Aufforderung verstanden werden, die wichtigen Anliegen in die Institutionen zu tragen. Konkret sagt er: „Wer etwas verändern will, muss in die Institutionen, die Parteien, die Gewerkschaften, die Verbände, die Kirchen. Mich freut das Engagement der Jungen, aber ich hoffe, es findet seinen Weg in die Institutionen. In ihnen werden die Jungen mit Widerständen konfrontiert, müssen sie bewältigen und wachsen daran, in der Bewegung bleiben sie bei sich, fühlen sich gut, moralisch und historisch im Recht. Darin zu verharren ist eine Versuchung, die ich von meiner Generation kenne.“ Eine interessante Parallele zur 1968er Generation, die zum „Marsch durch die Institutionen“ aufrief, um unsere Demokratie zu stärken. Wer also will, dass unsere Freiheit stabilisiert wird, kommt ohne die Mitgliedschaft in einer der von Bernhard Schlink genannten Institutionen nicht aus. Die SPD ist dazu auch ein Angebot.
Rhader Appell auf Grundlage des ZEIT-Interviews „Beeindruckt Sie Aktivismus, Bernhard Schlink?“ vom 20 Juni 2024
Veröffentlicht am 27.06.2024
Das Engagement der Kindergarten- und Grundschuleltern im Ort verdient höchste Anerkennung. Immer wieder überraschen sie mit guten Ideen, um die Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. So auch am letzten Samstag, als sich der Rhader Sportplatz in einen Spiel-, Begegnungs- und Kommunikationstreffpunkt verwandelte. Auf einem Flohmarkt für Spielzeug, Bücher und Textilien, konnte der Besucher Schnäppchen aller Art erwerben. Er konnte sich erfrischen, sich stärken, mit den Kindern spielen und sich über „dit un dat“ austauschen. Der Beobachter stellte fest, dass das über mehrere Stunden bestens funktionierte. Dass das Wetter, nach tagelangem Regen, sich von der besten Seite zeigte, war ein weiterer Garant für das Gelingen des Kinderfestes.
Beobachtungen eines Festbesuchers
Veröffentlicht am 26.06.2024
Schaltet sich die Ampel selbsttätig aus? - Die SPD zeigt eine Sollbruchstelle auf!
Der Zeitrahmen, um den Bundeshaushalt für 2025 aufzustellen, ist eng gesetzt und läuft im Juli ab. Noch ist eine Einigung untereinander nicht in Sicht. Noch wird gepokert. Noch gibt sich der Finanzminister unnachgiebig, für viele eher uneinsichtig. In der SPD rumort es gewaltig. Ständig neue Provokationen des eigentlichen Regierungspartners FDP sorgen für die sogenannte geballte Faust in der Tasche. Wieder einmal soll, so die Freidemokraten, ganz unten der Rotstift angesetzt werden, um ganz oben Freiraum für Steuersenkungen zu erzielen. „Nicht mit uns“, so Teile der SPD, die den Sozialstaat in Gefahr sehen und über ein Mitgliedervotum laut nachdenken. Inhalt stark verkürzt: Sollte sich die SPD in den Haushaltsberatungen nicht durchsetzen, um die soziale Gerechtigkeit im Land zu stabilisieren, darf auch über ein Ende der Ampelregierung nachgedacht werden. Olaf Scholz, sozialdemokratischer Bundeskanzler, hat in mehreren Interviews am Wochenende unmissverständlich erklärt, dass es keinen Sozialabbau geben werde. Ist damit die Kuh vom Eis? Wer dem Finanzminister Lindner ins Gesicht blickt, sieht ein professionelles Pokerface. Nun müssen aber alle Karten aufgedeckt werden. Erst dann wissen wir, ob aus dem scheinbaren Spiel, bitterer Ernst wird, bei dem alle verlieren.
Rhader Nachdenkzeilen
Veröffentlicht am 25.06.2024