Gesellschaft Ohne Frieden ist alles nichts (2)

Dorstener Friedensbewegung setzte in den 80er Jahren viel beachtete Akzente - Eine Erinnerung

 

Um heute zu verstehen, warum in den achtziger Jahren so viele Menschen in Dorsten, in Deutschland und weltweit für den Frieden und die Abrüstung auf die Straße gegangen sind, kann eingangs an der gesamtpolitischen Großwetterlage nach 1945 nicht vorbeigegangen werden. Unversöhnlich standen sich die Blöcke NATO und Warschauer Pakt gegenüber. So atomar hochgerüstet, dass die Waffenarsenale ausreichten, um die gesamte Menschheit mehrfach auszulöschen. Als, hier wie da, nochmals weitere Nachrüstungen beschlossen wurden, begann eine Bewegung von unten - Friedensbewegung genannt.

Die Dorstener Gruppe entwickelte sich aus völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Lagern. Nicht nur waren alle Altersklassen vertreten, besonders auffällig war, dass

überwiegend Frauen an der Spitze der Dorstener Bürgerbewegung agierten.

Ein Prinzip der Gruppe war, keinen auszugrenzen, der sich für Frieden und Abrüstung sowie für den Abbau von Feindbildern jeder Art einsetzte.

Auf über 200 DIN-A4-Seiten wurde unter der Überschrift FRIEDENSJAHRE IN DORSTEN dokumentiert, was sich in der Lippestadt zwischen 1985 und 1989 tat, um dem Titel dieses Aufsatzes, OHNE FRIEDEN IST ALLES NICHTS, gerecht zu werden. Die Dokumentation wurde, neben vielen weiteren Schriften, im städtischen Archiv entdeckt. Uli Hengemühle, früher Lehrer an der Gesamtschule Wulfen, hat sie Anfang 1990 aus den vielen Dokumenten und Dorstener Zeitungsartikeln (über 200 in 5 Jahren!)  zusammengestellt.

Er selbst zeigte sich von der Vielzahl der kommunalen Aktivitäten und der gedruckten „Begleitpapiere“ völlig überrascht. In seinem Vorwort spricht er davon, 1990 „ein starkes Stück Dorsten“ zusammengestellt zu haben, das gegen das schnelle Vergessen helfen soll. Sein Fazit, und es hat sich doch was getan, kann dem heutigen Leser des Heimatkalenders Mut und Hoffnung machen, sich zu jeder Zeit für Frieden, Abrüstung und den Abbau von Feindbildern einzusetzen.

Nun soll der Blick in die Dokumentation wandern und uns an diejenigen erinnern, die sich hinter dem Begriff Dorstener Friedensbewegung verbargen.

Im Koordinierungskreis haben neben Pax Christi (Kath. Kirche), die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Abrüstung des Paul-Gerhardt-Hauses (Ev. Kirche), die Gruppe Frauen für den Frieden, Vertreter der politischen Parteien und Gewerkschaften, der Freundeskreis Nicaragua, Amnesty International, Greenpeace, Friedenskomitee Dorsten, 3. Welt-AG Gesamtschule Wulfen, 3. Welt-AG Paul Gerhardt-Haus, Dekanatsjugend Kath. Kirche, Arbeitsloseninitiative Wulfen, sowie viele Einzelpersonen mitgewirkt.

Sie haben durch gut vorbereitete Aktionen die Dorstener Öffentlichkeit über das notwendige Engagement für Frieden und Abrüstung nicht nur informiert, sondern es auch  verstanden, viele hundert Bürgerinnen und Bürger „mitzunehmen“.

Parallel wurden Stadtrat und Verwaltung einbezogen, um sich auch zu positionieren. Eine Vielzahl von Leserbriefen zum benannten Thema, nicht selten äußerst kontrovers, füllten die Seiten der Dorstener Zeitung und der WAZ-Dorsten.

 

Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wird hier in mehreren Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich

Veröffentlicht am 28.12.2022

 

Mahnwache für den Frieden in Dorsten. Es ist hier, vor 40 Jahren, noch fünf vor zwölf. Gesellschaft Ohne Frieden ist alles nichts (1)

Dorstener Friedensbewegung setzte in den 80er Jahren viel beachtete Akzente - Eine Erinnerung

 

Heute, an einem Tag im Juni 2022, an die vielen Aktivitäten der Dorstener Friedensbewegung vor fast 40 Jahren zu erinnern, kann ohne den aktuellen Blick auf den schrecklichen, verbrecherischen Angriffskrieg Russlands gegenüber der Ukraine, nicht gewagt werden.

Die Hoffnung aller Menschen nach dem zweiten Weltkrieg, dass dieser mörderische, ebenfalls verbrecherische Krieg Deutschlands gegenüber der ganzen Welt, einen nachhaltigen, dauerhaften Völker verbindenden und friedlichen Lerneffekt auslösen würde, muss nur 80 Jahre später als Trugschluss und Irrglaube bewertet werden.

Diese Zeilen sind mit der Hoffnung verbunden, dass beim Erscheinen des Heimatkalenders im Dezember 2022 das Wort FRIEDEN in der Ukraine, in Europa und darüber hinaus wieder groß geschrieben werden kann.

Die Erinnerung an die Dorstener Friedensbewegung ist aber auch mit der heutigen Erkenntnis des Unterzeichners verbunden, dass der damalige Slogan, „Frieden schaffen ohne Waffen“, neu interpretiert werden muss. Der Blick auf die deprimierende aktuelle Realität zeigt, dass er zwar als gesamtpolitische Zielformulierung, vergleiche die UN-Charta, weiter Bestand hat, aber nur mit Zwischenschritten, samt militärischer Absicherung, erreichbar sein wird. Keiner der Friedensakteure und kein Politiker mit Regierungsverantwortung konnte sich nach 1945 vorstellen, dass eine Atommacht das unterschriebene und somit anerkannte UN-Völkerrecht mit Füßen treten und einem

einzigen autoritären Führer wieder blind in die Katastrophe folgen würde. Mitten in Europa.

Unter der am 24. Oktober 1945 in Kraft getretenen Charta der Vereinten Nationen, finden sich die Unterschriften von 193 Mitgliedsstaaten. Auch die der Sowjetunion, also dem heutigen Russland. Im  Artikel 1, Absatz 1 heißt es:

„Die  Vereinten Nationen beschließen, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen, Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen.“

 

Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wird hier in mehreren Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich

Veröffentlicht am 27.12.2022

 

Kommunalpolitik Kein Kind zurücklassen - was wir aus dem „Fall Paul“ lernen müssen

Dorstener Zeitung schreibt das letzte Kapitel einer schier unendlichen Geschichte

Auf dieser Internetseite wurde seit 2015 kontinuierlich über ein 11jähriges Kind berichtet, das durch ein familiäres Schicksal außer Tritt geraten ist. Einige Mitglieder der SPD hinterfragten die eingeleiteten (Förder)Maßnahme, des Dorstener Jugendamtes sehr kritisch, ließen nie locker und können sich heute bestätigt fühlen. Die Dorstener Zeitung berichtet jetzt ganzseitig in ihrer Weihnachtsausgabe. Wir fassen einige Passagen zusammen und beenden damit unser Engagement für Paul, der sich beeindruckend zu einem selbständigen Janic entwickelt hat.

  • Der Jugendamts-Fall „Paul/Janic“ hat für jahrelange Schlagzeilen in der Dorstener Zeitung gesorgt
  • Aus dem Jungen Paul, der als unbeschulbar galt, wurde ein junger selbstbewusster Mann, der inzwischen Abitur gemacht hat und an einer Hochschule in Mönchengladbach studiert.
  • Das Jugendamt, das als Vormund eingesetzt war, hat das 11-jährige Kind der Firma „Life-Jugendhilfe GmbH Bochum“ übergeben, um es zu erziehen.
  • Diese gewinnorientierte Firma hat einen Bauernhof in Ungarn ausgewählt und einen 70-jährigen Handwerker beauftragt, als Erzieher zu fungieren.
  • Der Öffentlichkeit gegenüber wurde er als Sozialarbeiter verkauft.
  • „Paul“ lebte 7 Monate ganz allein mit dem „Sozialarbeiter“ zwischen Müll und Pferdemist.
  • Die Rückkehr nach Deutschland war nur möglich, weil sich ein Verwandter einmischte, sich mit den Behörden anlegte, und Unterstützer bei den Medien und Dorstener Kommunalpolitikern suchte.
  • Ein jahrelanges Tauziehen, bei dem die Dorstener Verwaltung nicht den besten Eindruck hinterließ, führte schließlich zur Übertragung der Vormundschaft auf das Ehepaar Hoppe aus dem entfernten Familienkreis des Jungen.
  • Der Beginn eines Happy-Ends für Paul, der jetzt wieder Janic heißen darf, war eingeläutet.
  • Inzwischen hat er Abitur gemacht, einen Schülerpreis gewonnen, eine eigene Wohnung bezogen und ein Studium begonnen.
  • Die Stadtverwaltung (Pressesprecher) sagt gegenüber der Dorstener Zeitung, dass sie sich über die positive Entwicklung für Janic freut. Eine direkte Entschuldigung für die fatale Fehleinschätzung des Jugendamtes und einiger Gutachter, ist bisher nicht bekannt.
  • Die Aussage des Pressesprechers, dass seit dem Fall Paul in Dorsten keine therapeutischen Auslandsmaßnahmen mehr veranlasst wurden, deutet darauf hin, dass auch hier dazugelernt wurde.

Persönliche Nachbemerkungen: Wir freuen uns mit Janic und der Familie Hoppe. Wir haben gelernt, dass der Slogan, „Kein Kind zurücklassen“, für uns als Gesellschaft uneingeschränkt gelten muss. Kinder sind unsere Zukunft. Auch die Verwaltung und der Stadtrat haben dazugelernt. Das einzugestehen fällt aber (bis heute) nicht leicht, wenn man zu lange auf das falsche Pferd gesetzt hat.

Dirk Hartwich - auf Grundlage des DZ-Artikels "Jugendamts-Fall machte Schlagzueilen: Janic ("Paul") geht seinen eigenen Weg" von Stefan Diebäcker am 24.12.2022

Veröffentlicht am 25.12.2022

 

Soziales „Ich geh‘ dann mal nach Hause“

Für Menschen auf der Straße wäre das die Lösung aller Probleme

Wer sich die Lebensläufe von Obdachlosen vorurteilsfrei ansieht, erkennt ein fast immer wiederkehrendes Muster. Heute soll aber darauf nicht herumgeritten werden. Heute steht die Lösung im Mittelpunkt. Housing-First lautet das dazugehörige Passwort. Es ist der intelligente Türöffner für die Menschen, die verzweifelt auf der Straße leben und den Glauben an eine Änderung ihrer Lage verloren haben. Nun wird ihnen plötzlich zum Einstieg in ein neues Leben angeboten, eine feste Wohnung zu beziehen, um sich danach der Gesundheit zu widmen, und in der Folge, eine Arbeitsstelle zu suchen. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte ist eingeläutet. In Düsseldorf hat es die Hilfsorganisation fiftyfifty inzwischen geschafft, so 60 Wohnungslose dauerhaft von der Straße zu holen. Die gleichnamige Straßenzeitung lässt in der neuen Dezemberausgabe, drei von den 60 glücklichen Menschen zu Wort kommen. „Nie hätte ich gedacht, dass ich noch mal in meinem Leben eine Wohnung bekommen würde“, lautet die Kernaussage der jetzt Sesshaften. Ein gutes Argument, diesen Housing-First-Ansatz konsequent in unserem Land weiterzuverfolgen. Diese Meinung vertritt auch unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der genannten Zeitung. Die Rhader Sozialdemokraten schließen sich dieser Positionierung ohne Wenn und Aber an. Die absolut lesenswerte Straßenzeitung kann auch digital für unter 40 Euro pro Jahr für 12 Ausgaben gekauft werden. Unsere Empfehlung: Bitte machen und so helfen, damit weitere Obdachlose sagen können: " Ich geh' dann mal nach Hause"! Kontakt über www.fiftyfifty-galerie.de

Veröffentlicht am 24.12.2022

 

Kommunalpolitik Was sagt die SPD-Fraktion im Stadtrat zur Entwicklung Dorstens?

Ein Blick in die Haushaltsrede

Einmal im Jahr wird Bilanz gezogen. Was haben wir in der Kasse? Was wollen wir künftig wofür ausgeben? Ob in der Familie, beim Handwerker oder in der Stadtverwaltung - überall das gleiche Ritual, um für die Zukunft vorbereitet zu sein. Beim Rathauskassensturz ist wieder einmal ein riesiges Loch zu erkennen. Nachdem der Kämmerer, das ist der städtische Finanzminister, die Begründungen dafür auf den Tisch gelegt hat, konnte die SPD-Fraktion das Verwaltungshandeln in einer Grundsatzrede bewerten. Daraus einige Passagen, von Friedhelm Fragemann, dem Fraktionsvorsitzenden, vorgetragen:

  • Die Zeitenwende geht auch an der Stadt Dorsten nicht spurlos vorüber. Der verbrecherische Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Terrorkriegsführung gegen die ukrainische Bevölkerung verursacht in deutschen Städten und Gemeinden Kriegsfolgelasten.
  • Nachhaltige Hilfe von Bund und Land ist leider nicht in Sicht.
  • Entlastung der Kommunen durch vollständige Übernahme der Straßenausbaubeiträge durch das Land – Fehlanzeige!
  • In diesem Jahr wurde auch das Großprojekt „Wir machen Mitte“ nahezu abgeschlossen. Der Bau des Levis-Distributionszentrums nimmt Gestalt an.
  • Es bleiben aber große Baustellen, wobei finanziell insbesondere der Sanierungsstau ins Gewicht fällt.
  • Jährlich stehen nur ca. 3,0 Mio. € zur Verfügung. Benötigt würden aktuell 5,6 Mio. €, abgesehen von weiteren Problemen wie Personalmangel.
  • Der von den Beteiligten erzielte Kompromiss (Erhöhung der Steuern) ist sozial ausgewogen und belastungsgerecht.
  • Die Welt geht nicht unter, die Apokalypse steht nicht kurz bevor, aber wir müssen weltweit den Krieg gegen die Natur beenden, um auf Dauer ein lebenswertes Umfeld zu erhalten und Lebens- und Umweltqualität zurückzugewinnen.
  • Umwelt- und Klimaschutz werden aber zunehmend Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Das sollte zukünftig auch in den Zielvorgaben und Arbeitsprogrammen der Stadtämter zum Ausdruck kommen.
  • Mein Dank der Verwaltung, den Mitarbeitern im Amt für kommunale Finanzen, die an dem großen Zahlenwerk mitgewirkt haben, und vor allen Dingen dem Kämmerer selbst, der einen exzellenten Job gemacht hat.
  • Die SPD-Fraktion stimmt dem Stellenplan 2023 und der Haushaltssatzung 2023 mit den im gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und des FDP-Ratsvertreters vorgenommenen Änderungen zu.

Veröffentlicht am 23.12.2022

 

RSS-Nachrichtenticker

RSS-Nachrichtenticker, Adresse und Infos.

 

WebsoziCMS 3.9.9 - 008228495 -