Wunsch und Wirklichkeit - Wochendgedanken aus Rhade
Ist das Glas noch halbvoll, oder schon halbleer? Eine beliebte Wortspielerei, um die Begriffe Optimismus und Pessimismus zu erklären. Die ältere bundesdeutsche Bevölkerung, und das ist die Mehrheit, kommt um eine vorbereitende Lebensplanung des letzten Drittels nicht herum. Trotz aller Vorsorge, trotz der vielen Versuche, gesünder zu leben, tickt die Lebenszeituhr unerbittlich weiter. Parallel nehmen die Wehwehchen und die Arztbesuche zu. Der Zeitpunkt, auf Unterstützung angewiesen zu sein, ist klar erkennbar. Und um die Frage, was dann?, kommen wir nicht herum. An dieser Stelle unterbrechen wir die ernüchternde Einführung, und lassen nur die Statistik sprechen:
- Vier von fünf Frauen, drei von vier Männern, werden im Alter pflegebedürftig
- Der Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz beträgt monatlich durchschnittlich 2300 Euro
- Die mittlere Monatsrente beträgt ca. 1200 Euro
- 31% aller Pflegeheimbewohner sind auf Sozialhilfe angewiesen
- Unsere Pflegeheime sind überfüllt, das Personal zu knapp und überarbeitet
- 50% der Pflegeheimbewohner sterben im ersten Jahr nach dem Einzug
- 42% der Männer sogar in den ersten drei Monaten
- „Lieber tot als im Pflegeheim“, denkt ein Drittel lt. einer Umfrage
Die Politiker sind alarmiert und arbeiten an der Neugestaltung der Pflegeversicherung. Wir selbst sind gut beraten, jetzt mitzudenken, wie und wo wir weiter leben wollen. Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenhäuser, Familienzusammenschluss, Nachbarschaftshilfen - es gibt Alternativen, die zu „Glas ist noch halbvoll“ tendieren.
Eigener Beitrag auf Grundlage der Presseberichte „Sonntags leider ungewaschen“, ZEIT 01.09. und „Angst vor dem Lebensabend“, Dorstener Zeitung 16.09.2022
Veröffentlicht am 17.09.2022
Wie über das neue Bürgergeld berichtet und kommentiert wird
Die Seite 2 einer Tageszeitung kann als der politischste Teil bezeichnet werden. So auch bei den Ruhr-Nachrichten, die wir heute aufblättern. „Meinung und Analyse“ heißt es in der Kopfzeile selbsterklärend. Fast ganzseitig wird über die „größte Sozialreform seit Jahren“ informiert. Im Mittelpunkt steht ein Minister, der mit dem neuen Bürgergeld Hartz 4 abgelöst hat. Hubertus Heil (SPD), seines Zeichens Bundesarbeits- und Sozialminister, hat mit großer Energie und Überzeugungskraft jahrelang dafür geworben und letztendlich die Ampelkoalition überzeugt. Das Ergebnis wird umfangreich und verständlich in dem RN-Artikel (Analyse) vorgestellt. Neben den erwarteten Vorteilen für 5 Millionen Betroffene, werden kritische Stellungnahmen ebenfalls eingeblendet. Tobias Peter, der seinen Kommentar (Meinung) mit „Brücke in den Arbeitsmarkt“ überschreibt, sieht deutliche Vorteile für die Betroffenen, aber auch für unsere gesamte Gesellschaft. Mit zielgenaueren Fördermaßnahmen soll der Umstieg aus der Arbeitslosigkeit in ein festes Beschäftigungsverhältnis erleichtert werden. Und dass diese Bürgergeldreform Anreize setze, sich in die soziale Hängematte zu legen, bezeichnet der Kommentator als „eine bemerkenswerte Unkenntnis der Lebenssituation von armen Menschen in Deutschland“. Der Tageszeitung (RN) ist mit der inhaltlichen Gestaltung der wichtigen Seite 2 ein großer Wurf gelungen, so die Bewertung eines kritischen Lesers aus Dorsten-Rhade.
Eine Rhader Werbung für die Printmedien
Veröffentlicht am 16.09.2022
Fraktionsübergreifender Antrag an den Bürgermeister
Friedhelm Fragemann (SPD) hatte die Idee, ergriff die Initiative und fand fraktionsübergreifend Mitstreiter. In einem gemeinsamen Antrag fordern SPD, CDU und der FDP-Vertreter, die 8 Partnerstädte Dorstens mehr als bisher untereinander zu vernetzen. Der Antrag im Wortlaut:
Städtepartnerschaften ausbauen – Völkerverständigung verbessern
Als ersten Schritt einen Workshop zur Bestandsaufnahme und zur Fortentwicklung der Städtepartnerschaften vorzubereiten und dazu neben der Politik insbesondere Vertreterinnen und Vertreter der Partnerschaftsvereine sowie Gruppen, Institutionen (z. B. Schulen) oder Vereine einzuladen, welche sich im Bereich der Städtepartnerschaften engagieren. Dabei soll es u. a. um folgende Fragestellungen gehen:
• Neuausrichtung einer kontinuierlichen Ausgestaltung der Beziehungen zu unseren Partnerstädten
• Entwicklung einer Strategie zur Durchführung eines intensiveren bürgerschaftlichen Austausches unter besonderer Berücksichtigung der Einbindung von Jugendlichen über Schule und Vereine (z. B. Sportvereine, Jugendgruppen etc.)
• Etablierung von Möglichkeiten des verstärkten Erfahrungsaustausches zum gegenseitigen Nutzen aller Partnerstädte (z. B. Wirtschaftsförderung und Tourismus)
• Prüfung von weiteren Möglichkeiten projektorientierter Zusammenarbeit
• Akquise von Fördermitteln
2. siehe unten - bitte mehr anklicken
Veröffentlicht am 15.09.2022
Was gestern galt, muss heute hinterfragt werden, um morgen notwendige Anpassungen einzuleiten
Die Zeitenwende ist da. Vom Bundeskanzler ausgerufen, hat sie ein besonderes finanzpolitisches Zeichen der Solidarität mit der Ukraine gesetzt, die von Russland angegriffen wurde. Eine als Sondervermögen bezeichnete Haushaltsposition von 100 Milliarden Euro, soll die Bundeswehr von Grund auf reformieren und modernisieren. Das war im Juni. Inzwischen hat sich aus dem militärischen Überfall Russlands eine weltweite Wirtschaftskrise entwickelt. Lieferketten sind zerrissen, Nahrungsengpässe nicht nur in Afrika. Energie wird als Waffe eingesetzt. Dadurch explodierende Weltmarktpreise und eine Inflation, die Gespartes auffrisst und den ganz Armen die Zukunft raubt. Drei milliardenschwere Entlastungspakete wurden von der SPD-geführten Bundesregierung auf den Weg gebracht, um die dramatischen Auswirkungen zu minimieren. Zur Finanzierung werden alle möglichen Rücklagen eingesetzt und neue Kredite, aufgenommen. Neben dem Bund werden alle 16 Bundesländer die neuen Lasten mittragen (müssen). Das wird sich ganz unten, auch bei den Kommunen, auswirken. Erste haushaltspolitische Tricks der NRW Landesregierung (CDU und Grüne), lassen Schlimmes befürchten. Fördertöpfe, z. B. zur Dorfentwicklung, wurden bereits in die Warteschleife geschickt. Richtig wäre, jetzt kommunalpolitisch Farbe zu bekennen, um der Bevölkerung mitzuteilen, was alles an Projekten in unserer Stadt hinterfragt werden und neu bewertet werden muss. Die Zeitenwende hat uns da unten erreicht.
Ein Appell aus Rhade in Richtung Rathaus und Stadtrat, um den Dorstenern reinen Wein einzuschenken
Veröffentlicht am 14.09.2022
Das Wichtigste auf einen Blick - Rhade gehört nicht dazu
Die Internetseite der Dorsten hat ein neues Kleid bekommen. Gleich zu Beginn wird in einer Endlosschleife „die kleine Hansestadt an der Lippe“ von oben präsentiert. Der Rundflug beginnt am Rathaus, rückt die Innenstadt, das ehemalige Zechengelände, den Kanal und den Bürgerpark Stadtkrone in den Mittelpunkt, schwenkt dann auch zur Deutener Wassermühle und zum Schloss Lembeck. Das war’s. Und von vorne beginnt das Video, das die Unterzeile, „Das Wichtigste auf einen Blick“ trägt. Dass Rhade und andere am Rand der Stadtmitte liegende Stadtteile nicht vorkommen, könnte auch so kommentiert werden: „Sie sind nicht wichtig genug“. Noch boshafter wäre: „Sie sind unwichtig“. So unfair wollen wir aber nicht für die Internetseite unserer Stadt werben. Denn Rhade wird in wenigen Zeilen unter der Rubrik Stadtteile auch vorgestellt. Etwas Geschichte, keinerlei Aktualität. Nicht mal der Hinweis, dass Rhade erst seit 1975 Stadtteil von Dorsten ist. Ein Indiz für die Innenstadtlastigkeit unserer Verwaltung. Alle Versuche, Rhade als wichtige Landgemeinde Dorstens zu platzieren, versanden im Nirgendwo und in dunklen Verwaltungsschubladen. Kritiker nutzen inzwischen vermehrt die Beschreibung Randgemeinde. Rhade ist liebens- und lebenswert. Rhade muss daher bereits auf den ersten Blick wichtig genommen werden.
Ein Rhader Zwischenruf in Richtiung Dorstener Rathaus
Veröffentlicht am 13.09.2022