Ratlosigkeit der Politiker überträgt sich auf Bürger
Die aktuelle politische Lage ist brandgefährlich. Nicht nur weil die globale Kriegsgefahr steigt, sondern weil das Vertrauen in demokratisch geprägte Politik rapide sinkt. Obwohl es unterschriebene Verträge gibt, die das friedliche Miteinander aller Staaten, unabhängig von der Größe und der wirtschaftlichen Stärke regeln, zwingen „eine Handvoll“ Autokraten und Diktatoren dem Rest der Welt ihre Sichtweise auf. Die Diplomatie, einst Grundlage des friedlichen Miteinanders, wird durch Kriegsgeschrei an den Rand gedrängt. Unserer Sprachlosigkeit folgt die Ratlosigkeit. Die Bundesregierung ist weiter gut beraten, sich nicht in die Gewaltspirale mit hinabziehen zu lassen. Dazu ist eine klare Sprache und Positionierung entscheidend. Das gilt weiter gegenüber Putins Krieg gegen die Ukraine und zunehmend auch für den ebenso völkerrechtswidrigen Waffengang der USA gegenüber dem Iran. Auch Israels alles vernichtender Militäreinsatz in Gaza und jetzt im Libanon, sprengt den Begriff der Verhältnismäßigkeit im wahrsten Sinne des Wortes. UNO, NATO und EU sind für unser Land überlebenswichtige Institutionen. Alle drei leiden zeitgleich an der gleichen Schwäche. Sie werden durch vertragsbrüchige Mitglieder von innen ausgehöhlt. Die genannten Bündnisse werden nur überleben, wenn die Abweichler den Weg zur Umkehr finden. Wenn nicht, werden UNO, NATO und EU neu erfunden werden müssen.
Rhader Nachdenkzeilen
Veröffentlicht am 08.04.2026
Wer will etwas dagegen haben, wenn sich die krankenhausärztliche Versorgung allgemein verbessert? Wenn nur noch da fachärztlich behandelt wird, wo Erfahrung und Kompetenz gebündelt werden? Das sind absolute Pro-Argumente der Einwohner, der Klinik, des Personals und der Kommunalpolitik, die vorgebracht wurden, um für den kompletten Bestand des St. Elisabeth-Krankenhauses in unserer Stadt zu werben. Die vielfältigen, unterstützenden Demonstrationen der Stadtgesellschaft hätten aber mit der Einreichung eines gerichtlichen Widerspruchs abgesichert werden müssen. Genau das ist aber nicht erfolgt. Die Klinikleitung hat den Zeitpunkt verpasst, sich so nachdrücklich gegen Kürzungspläne besonderer Fachabteilungen, z. B. der Kardiologie, zu wehren. Die Hoffnung, dass unsere Rathausspitze mit bestem Zugang in die NRW-Regierungszentrale Düsseldorf den Rotstift verhindern kann, hat sich als Wunschdenken erwiesen. Nun sind wir in der Wirklichkeit angekommen. Während die Dorstener Zeitung am 2. April auf der ersten Seite im Titel von „längeren Wegen und mehr Qualität“ berichtet, ergänzt sie den Text mit dem Hinweis, dass „die Reform mit durchaus schmerzhaften Einschnitten für einzelne Krankenhäuser verbunden sei“. Dorsten lässt grüßen. Denn fast parallel zu dieser Meldung zitieren wir aus einer Beilage „Gesund im Vest“ der genannten Zeitung. Dort wird unter der Überschrift „Präzision fürs Herz“ eine neue Behandlungstechnologie am Elisabeth Krankenhaus in Recklinghausen vorgestellt. Das Besondere dieser Meldung ist, dass der dort behandelnde Facharzt in Dorsten, wahrscheinlich wegen fehlender Perspektiven und angekündigten Kürzungsplänen, seinen Arbeitsplatz von Dorsten nach Recklinghausen verlegt hat. Ein schmerzhafter Verlust. Nun wird immer klarer, warum Dorsten eine Chance verpasst hat, diese fortschrittlichste Behandlungsform des Herzens vor Ort zu erhalten und weiter zu entwickeln.
Nachdenkzeilen aus Rhade
Veröffentlicht am 07.04.2026
Veröffentlicht am 06.04.2026
In einem Interview mit der ZEIT (26.3.2026) gibt Samuel Koch tiefe Einblicke in sein heutiges Leben. Samuel Koch ist seit dem schrecklichen Unfall vor 15 Jahren bei „Wetten, dass …“ vom Hals ab querschnittsgelähmt. Er hat inzwischen sein Schauspielstudium abgeschlossen, spielt derzeit den Wallenstein bei den Münchener Kammerspielen, ist verheiratet und gerade Vater geworden. Das Besondere aber ist, dass wir etwas von ihm lernen können. Im Gespräch mit der genannten Wochenzeitung vermittelt er den Lesern das Gefühl, sich zwar mit seiner Behinderung arrangiert zu haben, aber nicht gewillt ist, sie so einfach hinzunehmen. Samuel Koch hat ein Netzwerk aus Familie, Freunden und kreativen Handwerkern geknüpft, um maximal am Leben teilzuhaben. So kann er z. B. selbständig seinen Rollstuhl umrüsten, um darauf die Babyschale zu platzieren. Aber auch viele Querschnittsgelähmte, die er in seiner einjährigen Reha kennengelernt hat, profitieren von diesem Netzwerk und seinem positiven Denken und Handeln. Vorbilder sind für ihn in erster Linie seine Eltern, die mit 4 eigenen Kindern und zusätzlichen Pflegekindern eine funktionierende Großfamilie gegründet und alle beim Erwachsenwerden mit Humor, Hingabe und Liebe begleitet haben. Mit seiner Aussage, dass es eine tiefe Art von Zufriedenheit auch jenseits körperlicher Gesundheit gibt, macht uns Samuel Koch Mut, das Zitat in der Überschrift künftig vorurteilsfreier als bisher zu leben.
Persönliche Nachdenkzeilen zu Ostern - Dirk Hartwich
Veröffentlicht am 05.04.2026
Gastbeitrag von Friedhelm Fragemann*
Es hätte nicht der dramatisch schlechten SPD-Wahlergebnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bedurft um zu erkennen, in welchem Zustand sich die Sozialdemokratie in Deutschland befindet – nämlich kurz vor der Intensivstation. Die jeweiligen landesspezifischen Sonderfaktoren sind bei der Betrachtung der Lage der deutschen Sozialdemokratie nur von untergeordneter Bedeutung. Das Hauptproblem auf allen Ebenen der Partei ist der fehlende Mut zur notwendigen ernsthaften Auseinandersetzung mit zentralen Fragen – und die mangelnde konsequente Umsetzung notwendiger Schritte bzw. beschlossener Maßnahmen. Zwingende Voraussetzung für jegliche Problemlösung ist die von Ferdinand Lassalle schon1862 formulierte Erkenntnis: „Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen dessen, was ist und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist.“ Oder kürzer mit den Worten Max Webers: Zwingend erforderlich ist die „geschulte Rücksichtslosigkeit des Blickes in die Realitäten des Lebens.“ Stattdessen treten aber bei allen auflaufenden Problemen umgehend ganze Beschwichtigungsgeschwader bei der SPD in Aktion. Immer vorneweg ist dabei der linke Parteiflügel, das Sammelbecken der Appeasement-Apologeten, was sich u. a. in der sträflichen Vernachlässigung der inneren und äußeren Sicherheit gezeigt hat, aber auch in der mangelhaften bzw. unzureichenden Integration in Deutschland. Jetzt rächen sich diese jahrzehntelangen Versäumnisse und das halbherzige Agieren der SPD, verstärkt durch Merkels AfD-Aufbauprogramm 2015, das ohne tatkräftige Unterstützung von SPD und Grünen - zumindest in dieser Größenordnung - vermeidbar gewesen wäre.
*Friedhelm Fragemann fungierte viele Jahre als Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat der Stadt Dorsten. 2024 erhielt er für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz. Sein Beitrag, mehrere Teile umfassend, ist von der Sorge über den momentanen Zustand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands geprägt und als persönliche Meinung zu werten. Sie, in Teilen mit provokantem Unterton, soll motivieren, einen offenen, nicht verletzenden Meinungsaustausch auf dieser Internetseite zu beginnen. Weitere Gastbeiträge, die diesen Aspekt berücksichtigen, sind über die E-Mail-Adresse dirk.hartwich@t-online.de einzureichen.
Veröffentlicht am 04.04.2026