Wahlaussage contra Koalitionsvertrag – Modell auch für Dorsten?
Angela Merkel will sie nicht, Sigmar Gabriel hält sie für unumsetzbar, die Öffentlichkeit lehnt sie, im Gegensatz zum Mindestlohn, einhellig ab. Anders Horst Seehofer. Als Wahlkampfhit wurde die Maut in Bayern erfunden, jetzt entfaltet sie eine erstaunliche Eigendynamik.
Sie heißt plötzlich Infrastrukturabgabe und soll auf allen deutschen Straßen gelten. Und dass einheimische Autofahrer keine Mehrkosten zu tragen haben, glaubt kein Mensch. Wenn nämlich diese „Infrastrukturabgabe“ mit dem EU-Recht vereinbar ist, werden „morgen“ alle Nachbarländer diese auch einführen. Verständlich.
Aber was ist der Preis?
Veröffentlicht am 08.07.2014
Weniger Schüler = weniger Schulraum
Seit Jahrzehnten wird über die „richtige“ Schulpolitik, auch in Dorsten gestritten. Ideologische Grabenkämpfe vergiften immer wieder das Klima. Leidtragende sind nicht selten die Kinder, die auch schon mal als „Versuchskaninchen“ bezeichnet werden.
Obwohl „alle Welt“ unser Schulsystem, das sich mehrere Schultypen parallel leistet, als überholt bezeichnet, halten wir daran fest. Mit überholt ist in erster Linie gemeint, dass die Integration von Migrantenkindern und Schulpflichtigen aus einfachen und prekären Verhältnissen partout nicht gelingen will. Die Chancengleichheit ist nicht gewahrt. Die Statistik über höhere Schulabschlüsse weist nach wie vor einen riesigen Vorteil für Kinder aus „behütetem, gut situiertem Milieu“ aus. Leisten können wir uns das eigentlich nicht. Der Demografiewandel zwingt uns nämlich, „kein Kind zurückzulassen“, wie es Hannelore Kraft auf den Punkt gebracht hat.
Demografiewandel heißt, nicht nur älter zu werden, sondern auch dramatisch weniger. In Dorsten müssen also auch Schulen geschlossen werden.
Veröffentlicht am 07.07.2014
Nicht die Herkunft, das Talent ist entscheidend
Wir leisten uns immer noch ein Schulsystem, das aus mehreren unterschiedlichen Schultypen parallel besteht. Gymnasium, Privatschulen, Gesamtschulen, Förderschulen, Realschulen, Sekundarschulen, Hauptschulen …
Wenn in diesem System alle Schülerinnen und Schüler chancengleich behandelt, sprich unterrichtet würden, „wäre die Welt in Ordnung“. Tatsächlich haben insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund, aus armen Familien und aus prekären Verhältnissen nachweislich immer noch schlechtere, manchmal keine Schulabschlüsse.
Beim Fußball ist alles anders. Hier beobachten früh so genannte Scouts alle Talente, unabhängig von ihrer Herkunft. Das Ergebnis: Unsere Nationalmanschaft ist eine beeindruckende Weltklasse-Multi-Kulti-Truppe. Das Fördersystem des Deutschen Fußballbundes hat nämlich früh erkannt, dass die talentiertesten Kinder überall in unserem Land „aufgespürt“ und ausgebildet werden müssen. Unabhängig von ihrer Herkunft. Der Erfolg zeigt, dass da was dran ist.
Wenn das für den Fußball gilt, warum nicht auch in der Schule?
Es kann nicht sein, dass in den Fächern Mathematik, Sprachen, Naturwissenschaften und Co. überwiegend die Herkunft den weiteren Lebensweg bestimmt, im Fußball dagegen das Talent entscheidend ist. Wenn wir auch in unserem Bildungssystem Spitzenreiter sein wollen, müssen wir unsere „Taktik“ überdenken.
Eigener Bericht - Wird morgen fortgesetzt: "Dorsten - Dauerbaustelle Schule"
(Anlehnung an ZEIT-Artikel „Schlauer Fußball, dumme Schule“, Nr. 28)
Veröffentlicht am 06.07.2014
Ein Beispiel:
- 38 Stundenwoche x 8,50 = 323 Euro brutto/Woche
- Bei 4 Wochen im Monat = 1292 Euro brutto/Monat
- Single mit Steuerklasse 1 = ca. 1050 Euro netto/Monat
- Größter Ausgabenblock: Die Miete
Zum Vergleich:
- alleinstehender Hartz-IV-Empfänger = 391 Euro/Monat
- plus ca. 333 Euro Mietzuschuss = gesamt 724 Euro/Monat
Fazit: Der Mindestlohn war lange überfällig. Ein großer Erfolg der SPD. Der Mindestlohn ist aber nach wie vor ein Einkommen auf niedrigem Niveau. Er ist nicht weit von der Hartz-4-Unterstützung entfernt, deren Satz das Lebensnotwendige abbilden soll.
Eigener Bericht
Veröffentlicht am 05.07.2014
Der Bundestag hat am gestrigen Donnerstag mit breiter Mehrheit die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns beschlossen. „Wir setzen heute einen Meilenstein in der Arbeits- und Sozialpolitik“, sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Der Mindestlohn sei „von herausragender Bedeutung für Millionen von Arbeitnehmern, die endlich einen anständigen Lohn erhalten werden“.
Historische Entscheidung
„Das ist ein historischer Tag für Deutschland“, betonte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. Rückblickend werde diese Entscheidung als großer sozialer Fortschritt bewertet werden. Viel zu lange seien Tarifverträge, faire Löhne, Mitbestimmung und Gewerkschaften bekämpft worden. Gabriel weiter: „Der heutige Tag ist ein Wendepunkt in dieser Entwicklung: der Mindestlohn setzt eine Grenze nach unten und das Gesetz bewegt viele zur Rückkehr in die Sozialpartnerschaft der Tarifverträge. Unser Ziel sind bessere Tariflöhne. Dahin haben wir heute einen Riesenschritt getan.“
Größte Sozialreform der Nachkriegsgeschichte
Veröffentlicht am 04.07.2014