Eine kritische Würdigung
Das örtliche Bürgerforum ist ein Mehrwert für Rhade und Dorsten. Zum 10-jährigen Jubiläum auch eine Gelegenheit, an den schwierigen Weg dorthin zu erinnern. Durch die kommunale Neuordnung 1975 verliert das seit 1489 bestehende Dorf seine Selbständigkeit, seinen Bürgermeister, seinen Gemeinderat. Lembeck ergeht es nicht anders. Um den Verlust zu verschmerzen, wird ein Unterausschuss des neuen Stadtrates, Bezirksausschuss genannt, für Rhade und Lembeck, vertraglich unbefristet zugesichert, gebildet. Er war für alle neuen kommunalen Themenfelder zuständig. Neben Orts- und Fachkenntnis war so auch Bürgernähe gewährleistet. Womit Rat und Verwaltung aber nicht gerechnet haben, war das Selbstbewusstsein, das die 15 Bürgervertreter auszeichnete. Sie waren konstruktive, aber auch unbequeme Zuarbeiter. So verwundert es nicht, dass die ständig klamme Haushaltslage Dorstens 1998 als Begründung herhalten musste, um vertragswidrig den Bezirksausschuss ersatzlos aufzulösen. Alle Versuche, dann fehlende Bürgernähe mit unterschiedlichsten Informationsformaten der Verwaltung zu kompensieren, waren unbefriedigend. Parallel wuchs das Bedürfnis der Bevölkerung, nicht mehr nur informiert zu werden, sondern an Problemlösungen frühzeitig mitwirken zu wollen. Die Rhader SPD darf für sich in Anspruch nehmen, seit 1998 Motor einer Entwicklung gewesen zu sein, die die heutigen Bürgerforen in allen 11 Stadtteilen erst möglich gemacht haben. Das dort geleistete Engagement verdient uneingeschränkte Anerkennung. Die Akteure müssen aber erkennen, nicht der verlängerte Arm der Verwaltung zu sein. Ihre Aufgabe ist, den gewählten Ratsmitgliedern zuzuarbeiten. Sie sind „nur“ Ideengeber und auf fachliche Begleitung der Verwaltungsexperten angewiesen. Das zu vermitteln ist ständige Aufgabe der Verwaltung. Leider ist immer wieder mal erkennbar, dass Forumsmitglieder sich für die besseren Ratsmitglieder und Rathausmitarbeiter halten. Werden sie dann in ihrem Elan gebremst, übernimmt Frust und Enttäuschung das Zepter. Das zu erkennen hilft, die begonnenen ehrenamtliche Mitwirkung fortzuführen. Sie ist alternativlos wichtig.
Dirk Hartwich
Veröffentlicht am 07.02.2026
Die örtliche Zeitungslandschaft leidet unter fehlender Vielfalt. Eine unabhängige Tageszeitung, ein Werbe-Wochen-Blatt und monatlich zwei Publikationen, die ausschließlich vom Anzeigenverkauf leben, sind für eine Stadt mit 75.000 Einwohnern zu wenig, um sich tiefergehend zu informieren. Gut ist, dass es daneben eine Veröffentlichung gibt, die nicht für Discounter, Autohäuser, Baumärkte und Co. wirbt, sondern sich inhaltlich mit dem Zustand unserer Demokratie beschäftigt. Sie erscheint zwar nur zweimal jährlich, ist aber unverzichtbar, um gesellschaftspolitische Zusammenhänge zu verstehen. Der Titel ist Programm: Schalom. Herausgegeben vom Verein für jüdische Geschichte und Religion e. V., Dorsten. „Was machen wir hier eigentlich?“, lautet die Überschrift beim ersten Umblättern. Die Antwort, von Dr. Kathrin Pieren, Leiterin des jüdischen Museums in unserer Stadt gegeben, analysiert in Kurzform den Zustand unserer Gesellschaft, um dann aber ein Angebot zu machen. Um dem galoppierenden Antisemitismus Einhalt zu gebieten, sind alle aufgerufen, Weiterbildung als freiwilliges, persönliches „Pflichtfach“ zu belegen. Das Dorstener Museum bietet dazu Workshops, u. a. für alle Berufsgruppen sowie Lernveranstaltungen für Kitas und Schulen an. Im Museum motivieren darüberhinaus mehrere Mitmachstationen, gesellschaftliche Werte wie Vielfalt, Toleranz und Respekt zu erkennen und zu verinnerlichen. Ein absoluter Mehrwert für unsere Stadt.
Rhader Werbung für eine Dorstener Zeitschrift
Veröffentlicht am 06.02.2026
Da haben sich nach einer verkorksten Bundestagswahl CDU/SPD/CSU zusammengerauft, um Deutschland gemeinsam aus der andauernden wirtschaftlichen Krise herauszuholen. Ein Koalitionsvertrag versprach Aufbruchstimmung. Nun, nachdem ein Jahr um ist, darf hinterfragt werden, ob Anspruch und Wirklichkeit sich in Übereinstimmung befinden. Ein Blick auf die aktuellen Umfrageergebnisse lassen Zweifel aufkommen. Besonders innenpolitisch scheint die Koalition nicht Fuß zu fassen. Die Union kommt von ihrem Irrglauben einfach nicht herunter, dass nur dann alles besser wird, wenn „da unten“ gespart wird. Kaum hat die SPD ein Thema argumentativ abgeräumt, muss sie sich mit neuen unsozialen Ideen der Union auseinandersetzen. Gestern waren es der Krankenstand und die Teilzeit, die den Kanzler in Rage gebracht haben, heute soll (wieder mal) die Zahnbehandlung aus der Krankenversicherung verschwinden. Merken „die da oben“ eigentlich nicht, dass so die unübersehbare Gerechtigkeitslücke, die unsere Gesellschaft spaltet, immer größer wird? Die außenpolitischen Turbulenzen müssten eigentlich dazu führen, dass die demokratischen Parteien alles daran setzen, um mit starker Innenpolitik dagegen zu halten. Dazu müssen Absprachen eingehalten werden und Provokationen gegenüber dem unteren Drittel der Gesellschaft unterbleiben. Ein Appell, den die Union nicht mehr überhören sollte.
Rhader Nachdenkzeilen
Veröffentlicht am 05.02.2026
Die erste Einladung im Wortlaut:
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 20. August 2015 trafen sich im CMH Rhade mehr als 70 Rhader Bürgerinnen und Bürger auf Initiative unseres Bürgermeisters Tobias Stockhoff, um über die Einführung einer sogenannten Rhade-Konferenz zu beraten. Diese Konferenz könnte als „Stimme der Bürgerschaft“ Gruppenmeinungen zu öffentlichen, politischen oder auch anderen Themen von öffentlichem Interesse und des unmittelbaren Lebensumfeldes erfassen und ggfs. in Partnerschaft mit der Stadtverwaltung Lösungen zu offenen Fragen erarbeiten. Das sich in der Auftaktveranstaltung gebildete Organisationsteam hat in intensiven Gesprächen die möglichen Inhalte und Vorschläge zu konkreten Zielsetzungen dieser Konferenz erarbeitet. Wir laden Sie herzlich ein, an der 1. Rhader Konferenz am 15. Februar 2016 um 19:30 Uhr im CMH Rhade teilzunehmen. Wesentliche Themen werden natürlich Diskussionen und Abstimmungen über das Selbstverständnis und die zukünftigen Ziele der Konferenz und deren Teilnehmer sowie erste Auseinandersetzungen mit Projektideen sein. Auch aufgrund der aktuellen anspruchsvollen Situation rund um die Flüchtlinge in Dorsten wurde Bürgermeister Tobias Stockhoff als Gast geladen. Er wird zu seinen Erkenntnissen und Erwartungen bezüglich der Flüchtlingssituation in Dorsten für heute und morgen referieren.
Mit freundlichen Grüßen Im Namen und Auftrag des Organisationsteams Bürgerforum Rhade
Britta Faust
Dieser Text wurde mit dem Foto am 7.2.2016 auf www.spd-rhade.de veröffentlicht. Ein persönlicher Kommentar über die neue Form der Bürgerbeteiligung folgt in den nächsten Tagen.
Veröffentlicht am 04.02.2026
Offizielle Rathaus-Stellungnahme an Dorstener Zeitung und www.spd-rhade.de
„Die Beobachtung von Dirk Hartwich ist zutreffend. In nicht wenigen Fällen wird im Rahmen solcher Arbeiten festgestellt, dass einige Bäume schwerwiegende Schäden aufwiesen. Daraufhin wurde eine Kontrolle sämtlicher Bäume im Randbereich beauftragt. Bei dieser Kontrolle wurden neun Bäume identifiziert, die nicht mehr standsicher waren, deshalb gefällt werden mussten. Im Wäldchen selbst wurden keine Bäume gefällt.
Der mutmaßliche Hintergrund: Die Fläche wurde früher beweidet, die Bäume standen am Rand der Weidefläche und die Rinden wurden einseitig von den Weidetieren angebissen, so dass ein nachhaltiger Schaden (z. B. Eindringen von Feuchtigkeit, Pilzbildung usw.) entstand. Die Notwendigkeit, hier Bäume fällen zu müssen, ist auch für uns bedauerlich, da die Stadt immer versucht, innerstädtische Baumbestände bestmöglich zu schützen und zu erhalten. Wenn die Stand- und Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist, stößt dieses Leitziel einer ökologischen Stadtentwicklung aber an Grenzen, wenn wirksame Maßnahmen zur Förderung der Standsicherheit nicht mehr möglich sind.
Die Grundzüge der Planung für das Parkgelände selbst wird davon nicht berührt. Die Rodung ist insofern eine Momentaufnahme, die in der ohnehin kahlen Winterzeit natürlich besonders augenfällig ist. Innerhalb der Umsetzung der Maßnahme werden aber selbstverständlich entsprechende Neupflanzungen von Bäumen an geeigneten Standorten berücksichtigt.“
Ludger Böhne, Pressesprecher der Stadt Dorsten am 29.01.2026
Veröffentlicht am 03.02.2026