Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion beeindruckt durch Unaufgeregtheit, Nachdenklichkeit und Ruhe
Er führt die größte, aus 206 Frauen und Männern beststehende Fraktion im Bundestag. Und Rolf Mützenich organisiert deren beeindruckende, kollegiale Zusammenarbeit. In einem Interview mit „Fi4“ plädiert er nachdrücklich dafür, den Begriff DIPLOMATIE nicht aus den Augen zu verlieren. Er bedeutet „mehr als Verhandlungen“, so seine Positionierung. Dass Mützenich dafür von einigen parteipolitischen Konkurrenten absichtlich missverstanden und attackiert wird, bringt den 63jährigen Kölner nicht aus der Ruhe. Sein abschließendes Statement in dem genannten Interview übernehmen wir 1:1:
„Ich sehe heute nicht, dass der Krieg durch Sieg und Niederlage auf dem Schlachtfeld entschieden wird. Kriege fressen sich in der Regel fest, ohne dass die Zahl der Opfer dadurch geringer wird. Im Gegenteil, die Zivilbevölkerung wird noch unterschiedsloser in den Konflikt mit einbezogen. Und wenn sich dieser Krieg festfrisst, braucht man andere Momente, um zumindest zu einer Situation des Nicht-Krieges zu kommen. Das heißt ja nicht Frieden. Das heißt ja auch nicht unbedingt, dass aus einer Waffenruhe ein Waffenstillstand wird. Aber ich wünsche mir schon, dass man versucht, zu verlässlichen Verabredungen zu kommen, die, und sei es nur für einen Moment, der Zivilbevölkerung die Möglichkeit geben, besser versorgt zu werden, aus den Kriegsgebieten herauszukommen - oder aus denen heraus sich vielleicht auch neue Verhandlungsmomente ergeben.“
Ein Rhader Nachdenkbeitrag zu Beginn des neuen Jahres
Veröffentlicht am 03.01.2023
Dorstener Friedensbewegung setzte in den 80er Jahren viel beachtete Akzente - Eine Erinnerung
Das Versprechen der Friedensgruppen, jährlich am 8. Mai eine Dorstener Gedenkveranstaltung zu organisieren, wurde nach 1987 in der beschriebenen Form nur noch 1988 und 1989 eingelöst.
In den Folgejahren wurden die von der Dorstener Friedensbewegung ins Leben gerufenen Veranstaltungen überwiegend von der Stadt und einzelnen Kirchengemeinden in anderer Form fortgeführt.
Die Gruppe „Frauen für den Frieden“ in Dorsten darf für sich in Anspruch nehmen, den längsten Atem einer der örtlichen Friedensgruppen zu haben. Sie setzten bis in die heutige Zeit Zeichen und hinterließen Spuren.
38 Stolpersteine, vom Künstler Gunter Demnig gestaltet und ins Dorstener Gehwegpflaster eingelassen, erinnern an die vielen jüdischen Bürger Dorstens, die von den Nazis und den Dorstener Mitläufern gedemütigt, verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Die Initiative „Frauen für den Frieden“ war Initiator und Begleiter dieser Erinnerungs- und Friedensaktion, die dauerhaft und nachhaltig für Frieden und den Abbau von Feindbildern in unserer Stadt wirbt.
So wie diese Erinnerung begonnen wurde, soll sie ausklingen.
Nämlich mit der Feststellung, dass ohne Frieden alles nichts ist und mit einem dazu passenden Liedtext (Auszug) von Udo Lindenberg, der mit dem 10 jährigen Pascal Kravetz im Jahr 1981 sang:
Keiner will sterben
Das ist doch klar
Wozu sind denn dann Kriege da?
Herr Präsident
Du bist doch einer von diesen Herren
Du mußt das doch wissen
Kannst du mir das 'mal erklären?
Keine Mutter will ihre Kinder verlieren
Und keine Frau ihren Mann
Also
Warum müssen Soldaten losmarschieren?
Um Menschen zu ermorden mach mir das mal klar
Wozu sind Kriege da?
Herr Präsident
Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wurde hier in 5 Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich
Veröffentlicht am 02.01.2023
„Naiv ist es, zu glauben, dass alles schon irgendwie gut geht. Man muss Neues ausprobieren, um sich selbst treu zu bleiben. Nicht immer das zu sagen, was anderen gefällt, sondern öfter mal seine Ansicht zu flaggen und durchzuziehen.“
Udo Lindenberg, Unterstützer des UN-Hilfswerks UNICEF
Veröffentlicht am 01.01.2023
„Dulce et decorum est pro patria mori.“ (Horaz) -
(Süß und ehrenvoll ist's, für's Vaterland zu sterben)
Vor einem Jahr, als in dem Land
auch manches nicht zum besten stand,
hätte niemand wohl gedacht,
dass wir's so herrlich weit gebracht,
dass atomarer Weltkrieg drei
ist nicht Verschwörungsspinnerei,
nein, seit dem Monat Februar
ist vielen in Europa klar:
Die Zeit des Friedens ist vorbei;
doch Putin ist dies einerlei.
Um mit dem Lied der Knef zu singen,
kann dessen Credo so erklingen:
„Für euch soll's Atomares regnen,
Euch sollen Tausende Strahlen begegnen,
durch mich bleibt gar nichts mehr beim Alten,
ich brauche das Leben nicht zu behalten...“
Verzweifelt fragt der Pazifist,
ob Frieden noch das Höchste ist
oder ob, wer passiv bleibt,
nicht alle zu der Schlachtbank treibt.
Doch blickt im Laufe dieses Jahres
der Deutsche lieber stur auf Bares,
wenn ob der hohen Erdgaspreise
wird's nichts mit der Mallorca-Reise.
Vorbei die Solidarität
wenn's an den eignen Beutel geht,
denn so kann's ja nicht weiter gehn
und Putin kann man auch verstehn:
„Zerbröckelt arg ein Riesenreich,
wird immer jeder Herrscher weich
und startet 'nen Erobrungskrieg
bis hin zu dem 'finalen' Sieg.“
Und seit perdu ist Nordstream zwei,
sind unsre Rechten gern dabei:
Der „Weidel-Putin-Pakt“ muss her!
Nichts schadet Demokraten mehr
und freut die vielen Populisten!
Die Budapester Halbfaschisten,
Melonis Mussolini-Fans,
die Rechten auch Marie le Pens
paktieren gern mit jedem Schwein,
nur Antidemokrat muss sein,
wer Mitglied sein will in dem Pakt!
Vorgegeben ist der Takt:
„Rechts, zwo, drei, rechts, zwo, drei,
wir sind beim Weltkrieg mit dabei.“
Weltkrieg drei ist zwar final,
doch das ist Nazis ja egal!
Ich hör', wie Lukatschenko spricht:
„Warum gedenkt man meiner nicht?“
Auch Kim Jong-un und Xi Jinping
finden es ein dreistes Ding,
dass dieser reimende Verfasser
schreibt über Demokratenhasser,
ohne sie herauszustellen!
Ach, ihr Bösen, meine Quellen
nennen leider noch so viele,
und wenn auf alle ich heut' schiele,
wird mein Gereimtes viel zu lang
und das ist Scheiße, sagt B. Hanck.
Veröffentlicht am 31.12.2022
Alle genannten Dorstener Aktivitäten hatten nur das eine Ziel, nach den Erfahrungen des 2. Weltkriegs, Politiker aller Parteien vor Ort, im Land und in aller Welt davon zu überzeugen, dass Krieg keine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln mehr sein darf. Der Diplomatie, der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit sollte absoluter Vorrang im globalen politischen Handeln eingeräumt werden. Also Frieden
schaffen und erhalten – ohne Waffen! So wie es im UN-Völkerrecht verbrieft ist.
Aus der Vielzahl der Aktionen und Aktivitäten der Dorstener Friedensgruppen wird beispielhaft eine für diesen Aufsatz herausgegriffen, um die Dynamik und Kreativität des Engagements ins Gedächtnis zurückzurufen.
Gedenkveranstaltung zum 8. Mai 1945
Deutschland wurde an diesem Tag durch die Alliierten aus den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion vom mörderischen Nationalsozialismus befreit.
Im Nachkriegsdeutschland dauerte es aber noch 40 Jahre, bis unsere Erinnerungskultur eine neue, entscheidende Wende nahm.
Es war der christdemokratische Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der am 8. Mai 1985 eindrucksvoll in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag der deutschen Bevölkerung den Spiegel vorhielt. Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands darf nicht länger nur als Niederlage, Stunde Null oder Zusammenbruch gewertet werden, sondern als „Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.
Die Dorstener Friedensbewegung beschloss nach dieser historischen Rede, jeweils am 8. Mai, eine Gedenkveranstaltung in diesem Sinne in Dorsten zu organisieren.
Es war ein Sonntag, als am 8. Mai 1987 immer mehr Menschen auf den Dorstener Marktplatz strömten, um zu sehen und zu hören, warum künftig der 8. Mai nationaler Feiertag in Deutschland sein sollte. Die Lokalpresse schrieb später, dass mehrere hundert interessierte Besucher den zentralen Dorstener Platz füllten.
Ein riesiges Transparent mit dem Schwur „Nie wieder Krieg“ (Käthe Kollwitz), diente als Bühnenbild vor dem Alten Rathaus. Antonio Fillipin, Holz-Skulpturenkünster und Eisdielenbetreiber, überraschte mit einer beeindruckenden Ausstellung, die sich über den gesamten Markplatz erstreckte. Das Besondere war, dass alle Kunstwerke den Bezug zum Frieden herstellten und mit einer schweren Eisenkette untrennbar verbunden waren. Ein außergewöhnliches Friedenssymbol. Auf der Bühne wechselten sich Musikgruppen und Redner ab. Informationsstände waren dicht umlagert. Die Lokalpresse berichtete in großer Aufmachung:
- Friedensfahnen wehen auf dem Marktplatz (WAZ Dorsten)
- Lieder und Literatur am Marktplatz (WAZ Dorsten)
- Premiere war erfolgreich (Stadtspiegel Dorsten)
- Der 8. Mai - Ein Dorstener Gedenktag? (Dorstener Zeitung)
- Kriegsverbrechen nicht vergessen - Für weltweiten Frieden arbeiten (WAZ Dorsten)
- 8. Mai - Eine Mahnung für die Zukunft (WAZ Dorsten)
- Der 8. Mai soll als Gedenktag Bewußtsein aller Bürger ändern (Dorstener Zeitung)
- Gedenkfeier mit Musik und Literaturlesung (WAZ-Dorsten)
- Friedensgruppen mahnten am 8. Mai (Dorstener Zeitung)
Dieser Aufsatz wurde im neuen Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten veröffentlicht und wird hier in mehreren Teilen vorgestellt. Autor: Dirk Hartwich (Fortsetzung und Schluss am 2.1.2023)
Veröffentlicht am 30.12.2022