Gesellschaft Nicht das Erinnern, das Vergessen ist die Gefahr

Das Jüdische Museum in Dorsten ist 30

Richard von Weizsäcker, früherer Bundespräsident, hat mit seinem Zitat in der Titelzeile, ein wichtiges Vermächtnis hinterlassen. Ein Vermächtnis, die Nazi-Verbrechen der Vergangenheit nie zu vergessen und gesellschaftspolitisch alles zu tun, um eine Wiederholung unmöglich werden zu lassen. In Dorsten ist es der Geschichtsgruppe von unten, „Dorsten unterm Hakenkreuz“, zu verdanken, dass das lange (Ver)Schweigen in der Lippestadt, Mitte der 80er Jahre ein Ende nahm. Der Grundstein wider das Vergessen war gelegt. Mehrere Bücher erinnern daran, dass es eine Jüdische Gemeinde Dorsten gab und wie sie durch Demütigung, Verfolgung, Vertreibung und Ermordung, eliminiert wurde. Die Gedenktafel in der Wiesenstraße, von Schwester Paula gestaltet, legt davon Zeugnis ab. Und vor 30 Jahren wurde durch Johannes Rau, dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten, das Jüdische Museum Westfalen in der Lippestadt eröffnet. Daran erinnert ein spannendes kleines Buch, das, passend zum Jubiläum, 30 Exponate  des Museums vorstellt. Auf den ersten Blick unscheinbar, aber durch die exzellenten Begleittexte eine erhellende Hintergrundreise durch das jüdische Leben (und Sterben) in Deutschland und unserer Stadt. Die beeindruckende Broschüre ist im Jüdischen Museum Westfalen für nur 5 Euro zu erwerben. Ein wichtiger Baustein, sich zu erinnern und nie zu vergessen.

Dirk Hartwich   

Veröffentlicht am 21.09.2022

 

Bundespolitik Entlastungspakete sind keine Geschenke oder Almosen

SPD sorgt für Klarstellung

Um in Notlagen nicht ins Bodenlose abzustürzen, wurde in unserem Land ein soziales Sicherheitsnetz geknüpft. Die Sozialdemokratie trägt den Titel, Architekt und Baumeister gleichzeitig zu sein, mit berechtigtem Stolz. Andere Parteien werten diese Errungenschaft nicht selten mit dem Begriff „Soziale Hängematte“ ab, als ob sie zum Ausruhen aufgespannt wurde. Ein begrifflicher Missbrauch! Da das Wohnen mit dem Heizen für viele Menschen so gut wie unbezahlbar wird, haben ab Januar 2023 zwei Millionen Haushalte ANSPRUCH auf Wohngeld.  Bisher waren es 620.000. Olaf Scholz, sozialdemokratischer Bundeskanzler nennt das die größte Wohngeldreform in der deutschen Geschichte. Und Saskia Esken, Vorsitzende der SPD stellt auf der gemeinsamen Pressekonferenz der Ampelregierung deutlich heraus, dass diese Entlastung kein Geschenk sei, sondern nötige Hilfe zum Lebensunterhalt. Sie forderte alle anspruchsberechtigten Haushalte unbedingt auf, das solidarische Hilfsangebot anzunehmen und zu beantragen. Scham oder vornehme Zurückhaltung sind fehl am Platz, so die Meinung der Rhader Sozialdemokraten.

Eine Kommentierung aus Rhade  

Veröffentlicht am 20.09.2022

 

Kommunalpolitik Forks Busch - ab in die Warteschleife

Verwaltung sorgt für Ernüchterung in Rhade

Mit großem Elan haben viele Rhader Bürger kreative Ideen entwickelt, um das eigene Lebensumfeld zu verbessern und zukunftsfähig zu gestalten. Ein Arbeitskreis DORFENTEWICKLUNG wurde gegründet und zeichnet sich durch unermüdliches Engagement, die Planung auch umzusetzen, aus. Ein Projekt, das bereits klare Konturen erkennen lässt, ist der Forks Busch. Eine interessante, baumbestandene grüne Oase mitten in unserem Dorf. Experten wurden von der Stadtverwaltung beauftragt, die Fläche zu untersuchen. Herausgekommen sind zwar unterschiedliche Meinungen über die Funktion einer neuen Nutzung, dass aber etwas getan werden soll, ist unstrittig. Nun überrascht die Verwaltung mit einer Pressemitteilung, dass der Zeitplan umgeworfen werden muss. Grund: Die Landesregierung ist dabei, die Förderrichtlinien neu zu ordnen. Vor dem Frühjahr 2023 kann somit kein Antrag auf finanzielle Unterstützung gestellt werden. Das heißt, dass die Planung Forks Busch in die Warteschleife mit unsicherem Ausgang geschickt wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch andere Rhader Projekte zeitlich nach hinten verschoben werden (müssen), hier kommt die allgemeine Finanzsituation zwischen dem Bund, dem Land und der Kommune ins Spiel, ist größer geworden. „Gut Ding will Weile haben“, so der Volksmund. Rhade kann davon sogar ein Lied mit vielen Strophen singen.

Ein kritischer Zwischenruf aus Rhade

Veröffentlicht am 19.09.2022

 

Gesellschaft Ein nüchterner Blick in eine graue Zukunft - Gesund altern?

Wunsch und Wirklichkeit - Wochendgedanken aus Rhade

Ist das Glas noch halbvoll, oder schon halbleer? Eine beliebte Wortspielerei, um die Begriffe Optimismus und Pessimismus zu erklären. Die ältere bundesdeutsche Bevölkerung, und das ist die Mehrheit, kommt um eine vorbereitende Lebensplanung des letzten Drittels nicht herum. Trotz aller Vorsorge, trotz der vielen Versuche, gesünder zu leben, tickt die Lebenszeituhr unerbittlich weiter. Parallel nehmen die Wehwehchen und die Arztbesuche zu. Der Zeitpunkt, auf Unterstützung angewiesen zu sein, ist klar erkennbar. Und um die Frage, was dann?, kommen wir nicht herum. An dieser Stelle unterbrechen wir die ernüchternde Einführung, und lassen nur die Statistik sprechen:

  • Vier von fünf Frauen, drei von vier Männern, werden im Alter pflegebedürftig
  • Der Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz beträgt monatlich durchschnittlich 2300 Euro
  • Die mittlere Monatsrente beträgt ca. 1200 Euro
  • 31% aller Pflegeheimbewohner sind auf Sozialhilfe angewiesen
  • Unsere Pflegeheime sind überfüllt, das Personal zu knapp und überarbeitet
  • 50% der Pflegeheimbewohner sterben im ersten Jahr nach dem Einzug
  • 42% der Männer sogar in den ersten drei Monaten
  • „Lieber tot als im Pflegeheim“, denkt ein Drittel lt. einer Umfrage

Die Politiker sind alarmiert und arbeiten an der Neugestaltung der Pflegeversicherung. Wir selbst sind gut beraten, jetzt mitzudenken, wie und wo wir weiter leben wollen. Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenhäuser, Familienzusammenschluss, Nachbarschaftshilfen - es gibt Alternativen, die zu „Glas ist noch halbvoll“ tendieren.

Eigener Beitrag auf Grundlage der Presseberichte „Sonntags leider ungewaschen“, ZEIT 01.09. und „Angst vor dem Lebensabend“, Dorstener Zeitung 16.09.2022

Veröffentlicht am 17.09.2022

 

Presse Ein Blick in die Tageszeitung

Wie über das neue Bürgergeld berichtet und kommentiert wird

Die Seite 2 einer Tageszeitung kann als der politischste Teil bezeichnet werden. So auch bei den Ruhr-Nachrichten, die wir heute aufblättern. „Meinung und Analyse“ heißt es in der Kopfzeile selbsterklärend. Fast ganzseitig wird über die „größte Sozialreform seit Jahren“ informiert. Im Mittelpunkt steht ein Minister, der mit dem neuen Bürgergeld Hartz 4 abgelöst hat. Hubertus Heil (SPD), seines Zeichens Bundesarbeits- und Sozialminister, hat mit großer Energie und Überzeugungskraft jahrelang dafür geworben und letztendlich die Ampelkoalition überzeugt. Das Ergebnis wird umfangreich und verständlich in dem RN-Artikel (Analyse) vorgestellt. Neben den erwarteten Vorteilen für 5 Millionen Betroffene, werden kritische Stellungnahmen ebenfalls eingeblendet. Tobias Peter, der seinen Kommentar (Meinung) mit „Brücke in den Arbeitsmarkt“ überschreibt, sieht deutliche Vorteile für die Betroffenen, aber auch für unsere gesamte Gesellschaft. Mit zielgenaueren Fördermaßnahmen soll der Umstieg aus der Arbeitslosigkeit in ein festes Beschäftigungsverhältnis erleichtert werden. Und dass diese Bürgergeldreform Anreize setze, sich in die soziale Hängematte zu legen, bezeichnet der Kommentator als „eine bemerkenswerte Unkenntnis der Lebenssituation von armen Menschen in Deutschland“. Der Tageszeitung (RN) ist mit der inhaltlichen Gestaltung der wichtigen Seite 2 ein großer Wurf gelungen, so die Bewertung eines kritischen Lesers aus Dorsten-Rhade.

Eine Rhader Werbung für die Printmedien

Veröffentlicht am 16.09.2022

 

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