Bundespolitik Revitalisierung oder Exitus?

Die Existenzkrise der SPD (Teil 5 und Schluss) - Gastbeitrag Friedhelm Fragemann

Es gab in den letzten Jahren und Jahrzehnten genug Anstöße, innerhalb und außerhalb der Sozialdemokratie, der sich zuspitzenden parteilichen und gesamtgesellschaftlichen Krisensituation zu begegnen. Entsprechende Konsequenzen wurden allerdings nicht oder nur unzureichend gezogen - entweder infolge Realitätsblindheit und bzw. oder mit dem Ziel der Beschwichtigung. Diese Kardinalprobleme der SPD kann man bestenfalls mit Nietzsche als „Feigheit des Idealisten vor der Realität“ bezeichnen. Wenn jetzt nicht endlich die ja durchaus vorhandenen Problemlösungsansätze sowie durchgreifende Reformen – gemeinsam mit den Regierungspartnern - angegangen werden, setzen wir unsere demokratische Grundordnung auf´s Spiel, wie nicht zuletzt der Aufstieg der AfD zeigt. Ohne den Mut, traditionelle Sichtweisen und eingefahrene Gleise zu verlassen und sich auf existenzielle Fragen zu konzentrieren und dabei notfalls auch weitgehende Kompromisse mit Regierungspartnern zu schließen, werden wir scheitern. Der Grundsatz „Erst das Land und dann die Partei“ muss uneingeschränkt gelten oder in den Worten Willy Brandts: „Wenn die Politik der Partei den Menschen dient, ist sie gut. Sonst kann sie mir gestohlen bleiben.“
Die „fürsorgliche“ Gängelung der Gesellschaft und der Versuch einer bloßen Fortschreibung einer traditionellen SPD-Politik sind jedenfalls eine Sackgasse. Bisher sind leider nur zarte Ansätze einer Neuausrichtung der Sozialdemokratie erkennbar. Die SPD bedarf aber einer grundlegenden auf der Realität basierenden Neuorientierung in Theorie und Praxis, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. Ohne den Mut, sich hinsichtlich der notwendigen gesamtgesellschaftlichen Reformen mit allen Lösungs- und Reformvorschlägen offen – also unvoreingenommen – auseinanderzusetzen und auf das häufig formulierte „Nicht-mit-uns-Dogma“, von dem allerdings auch die Union und insbesondere Herr Söder gerne Gebrauch machen, zu verzichten, wird „das Elend der Sozialdemokratie“ (Peer Steinbrück) nicht oder aber im Exitus enden.

 

(Wird in Kürze mit einer persönlichen Positionierung von www.spd-rhade.de vorläufig abgeschlossen. Teil 1 wurde am 4.4., Teil 2 am 18.4.2026, Teil 3 am  28.4. und Teil 4 am 13.5.2026 veröffentlicht und kann hier weiter nachgelesen werden)

*Friedhelm Fragemann fungierte viele Jahre als Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat der Stadt Dorsten. 2024 erhielt er für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz. Sein Beitrag, mehrere Teile umfassend, ist von der Sorge über den momentanen Zustand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands geprägt und als persönliche Meinung zu werten. Sie, in Teilen mit provokantem Unterton, soll motivieren, einen offenen, nicht verletzenden Meinungsaustausch auf dieser Internetseite zu beginnen. Weitere Gastbeiträge, die diesen Aspekt berücksichtigen, sind über die E-Mail-Adresse dirk.hartwich@t-online.de einzureichen.

Veröffentlicht am 02.06.2026

 

Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2007-0037 / Bauer, Georg / CC-BY-SA 3.0 Gesellschaft „Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.“

Dieses Zitat von Gustav Heinemann* betont die Notwendigkeit, Veränderungen anzustreben, um das zu bewahren, was wichtig ist. Das gilt auch aktuell für die SPD, die das Traditionelle (zu) gerne pflegt und dabei nötige Weiterentwicklungen des Erreichten zu spät einleitet. Es ist nämlich in unserer schnelllebigen Zeit unumgänglich, aktiv zu werden, um Verantwortung für den Erhalt von Werten und sozialer Sicherheit zu übernehmen, anstatt passiv darauf zu hoffen, dass alles so bleibt wie es ist. Wenn wir dazu nicht bereit sind, riskieren wir tatsächlich das zu verlieren, was wir eigentlich bewahren möchten. Gustav Heinemann hat uns in einem Satz ein sozialdemokratisches Programm für die Zukunft genannt. Das Zitat wird die Leser dieser Internetseite im Monat Juni (rechte Spalte) begleiten.

Rhader Gedanken über einen großen Sozialdemokraten, der nicht vergessen werden darf. Vergleiche hierzu den morgigen 5. Text von Friedhelm Fragemann über die existenzbedrohende Lage der SPD.

*Gustav Heinemann wurde 1899 geboren. Er starb am 7.7.1976. Zwischen 1969 und 1974 amtierte er als Bundespräsident. Gustav Heinemann war besonders bürgernah, damit anders als seine Vorgänger im Amt Theodor Heuss und Walter Lübke. Dazu ein weiteres Zitat, das in Erinnerung des Bürgerpräsidenten bleibt: "Ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau."

Veröffentlicht am 01.06.2026

 

Gesellschaft Ein offener und sehr persönlicher Brief an Vladimir Putin - Gastbeitrag aus Leer/Ostfriesland

Mit einer Anmerkung von www.spd-rhade.de am Ende des lesenswerten Textes.

An den Präsidenten der Russischen Föderation 23/16, Ulitsa Ilyinka, 103132, Moskau, Russland

Vladimir Vladimirovič,
Sie könnten mein älterer Bruder sein.
Beide wurden wir geboren nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Und noch etwas haben wir gemeinsam:
Unsere beiden Väter sind im Krieg schwer verwundet worden.
Ehrfürchtig sprecht Ihr Russen vom „Großen Vaterländischen Krieg“.
Ich höre das mit Trauer und Respekt.
Wir Deutschen können so nicht vom Zweiten Weltkrieg reden.
Denn unser Land hat diesen Krieg vom Zaun gebrochen – ohne Not.
Lange genug hat es gedauert, bis wir Deutschen das begriffen haben:
„Groß“ waren am Zweiten Weltkrieg vor allem die Verbrechen,
die unsere Soldaten an den Überfallenen verübt haben.
Unfassbar viele Menschen sind diesen Massenverbrechen zum Opfer gefallen. Die meisten Getöteten dieses Krieges aber – gemessen an der Bevölkerungszahl – beklagen die Polen, die Russen – und die Ukrainer!

Vladimir Vladimirovič,
merken Sie das denn nicht? Ihr Krieg gegen die Ukraine, Euer „Brudervolk“, dieser heutige Krieg ist ein einziger Verrat an den sieben Millionen Ukrainern, die in Hitlers Krieg das Leben lassen mussten!
Ihre Behauptung, dass es bei dem Angriff Russlands auf die Ukraine um den Kampf gegen ein faschistisches Regime ginge, ist eine dreiste Lüge.
Damit beleidigen Sie auch den sowjetischen Befreiungskampf gegen den Faschismus Hitlers.
Was würde wohl Vladimir Spiridonovič, Ihr Vater, dazu sagen,
der als Soldat nur mit knapper Not überlebte und zeitlebens von den Granatensplittern in seinem Leib gequält wurde ?!
Ohne Not werfen Sie erneut hunderttausende russische Soldaten an der Front, in den „Fleischwolf“ – nicht wahr, so nennt Ihr Russen das doch!
Ohne Not produzieren Sie in der Ukraine hunderttausende Kriegstote und hunderttausende Kriegskrüppel!
Und ohne Not machen Sie die tapferen Ukrainer erneut zu Opfern von massenhaften Kriegsverbrechen!
Sehen Sie denn nicht, Vladimir Vladimirovič, dass Sie damit niemals
ehrenhaft in die russische Geschichte eingehen werden,
sondern dass Sie zum Totengräber Ihres eigenen Landes werden?
Wie viele Hunderttausende wollen Sie denn noch sterben lassen,
bis Ihr Land endlich wieder abkehrt von einer Politik und einer Wirtschaft, 
die nichts anderem mehr dienen als diesem aussichtslosen Krieg?!
Nein, in diesen von Ihnen verschuldeten Untergang werden wir Europäer uns nicht hineinziehen lassen. Wir werden Ihnen und Ihren Angriffen, Vladimir Vladimirovič, weiterhin widerstehen. Und wir tun das auch im Namen künftiger Generationen Ihres Landes. Denn eines nicht fernen Tages wird auch eine Mehrheit der Russen begreifen müssen, auf welchen selbstmörderischen Irrweg Sie Ihr Land geführt haben.

Vladimir Vladimirovič,
Ihre Mutter, die Fabrikarbeiterin Marija Iwanowna, hat in Leningrad zweieinhalb Jahre Blockade durch die Wehrmacht überlebt, während in der Stadt eine Million Menschen verhungerten und erfroren. Ihre Mutter wurde von Bekannten als freundlich und selbstlos beschrieben, als „eine Seele von Mensch“. Alles hat sie für ihren dritten Sohn getan, für ihren „Volodya“, nachdem ihre ersten beiden Söhne bereits im Kindesalter verstorben waren. Als Sie sechs Wochen alt waren, hat Ihre Mutter Sie während eines Weihnachtsgottesdienstes heimlich taufen lassen, den Sohn eines Kommunisten; der Vater sollte davon nichts wissen.

Vladimir Vladimirovič,
was würde Ihre Mutter wohl dazu sagen, dass Sie den Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 zynisch grinsend mit der Vergewaltigung einer Frau verglichen haben?
Was würde Marija Iwanowna dazu sagen, dass Sie der 64. Brigade nach den hundertfachen Folterungen, Vergewaltigungen und Morden in Butscha und Andrijiwka demonstrativ einen Ehrentitel verliehen haben?
Und was würde Ihre Mutter dazu sagen, dass Ihre Leute tausende ukrainischer Kinder nach Russland entführt haben – genauso wie die Nazis es mit tausenden polnischen Kindern taten?

Vladimir Vladimirovič,
Ihre Mutter hat Ihnen vor vielen Jahren ein silbernes Taufkreuz in die Hand gedrückt, bevor Sie zum ersten Mal nach Israel gereist sind. Sie sollten das Kreuz in der Jerusalemer Grabeskirche segnen lassen. Sie haben dieses Kreuz inzwischen manches Mal zur Schau getragen.

Vladimir Vladimirovič,
Sie täuschen sich! Und es entschuldigt Sie nicht, dass sich schon manche Gewaltherrscher vor Ihnen getäuscht haben. Das Kreuz Jesu Christi segnet keine Untaten. Vielmehr steht dieses Kreuz für den Anbruch eines ganz anderen Reiches, das endlich Frieden und Gerechtigkeit und Wahrheit ans Tageslicht bringt. Dieses Kreuz besiegelt das Ende aller weltlichen Herrschaft und auch das Ende Ihrer mörderischen Diktatur.

Vladimir Vladimirovič,
machen Sie sich nichts vor: Eines nicht allzu fernen Tages wird unsere Generation abtreten. Dann werden auch wir beide uns nicht mehr an die trügerische Würde irgendeines Amtes klammern können. Dann werden Sie kein Präsident mehr sein, und ich kein Pastor mehr. Dann werden wir nichts weiter mehr sein als: Söhne unserer Väter und Mütter und, wenn es gut geht: Väter und Großväter unserer Kinder und Enkelkinder. Und dann werden sie alle, unsere Eltern und unsere Kinder, uns fragen, was wir getan haben in unserem Leben. Und vor allem:
Wie wir den Opfern unserer Geschichte begegnet sind. Ob wir achtlos an ihnen vorbeigegangen sind. Ob wir gar noch nachgetreten haben, als sie am Boden lagen. Oder ob wir versucht haben, den Unterlegenen beizustehen. Und dann, spätestens dann, Vladimir Vladimirovič, werden wir uns verantworten müssen.

Martin Heimbucher
martin.heimbucher@t-online.de

Anmerkung www.spd-rhade.de: Martin Heimbucher, evangelischer Pastor, war von 2013 bis 2022 Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche in Leer/Ostfriesland. Seit 4 Jahren im Ruhestand. Sein persönlicher Brief ist auf dem Weg nach Moskau. Die Internetseite www.spd-heisfelde-nuettermoor.de veröffentlichte ihn am 20. Mai 2026. Martin Heimbucher hat zugestimmt, dass auch www.spd-rhade.de den nun Offenen Brief an Vladimir Putin veröffentlichen darf. Herzlichen Dank. Wir bitten unsere Leser um Verständnis, dass erstmals ein Text in dieser Länge eingestellt wurde, sind aber überzeugt, dass eine Kürzung unangebracht wäre. Darüberhinaus bitten wir, den Offenen Brief unbedingt zu teilen.

Veröffentlicht am 30.05.2026

 

Bundespolitik Wahlumfragen machen ratlos

Was tun, wenn die Demokratie abgewählt wird?

Ok, die sogenannten etablierten Parteien haben in den letzten Jahren nicht alles richtig gemacht. Aber auch nicht alles falsch. Wir haben uns zu einem wohlhabendes Land entwickelt und sind auf vielen Ebenen Vorbild für andere Länder. Wir haben unsere Schuld, während der Nazizeit für unendliches Leid weltweit verantwortlich gewesen zu sein, anerkannt. Eine Kollektivscham über die unglaublichen Verbrechen steht auch den Generationen, die mit der Gnade der späten Geburt argumentieren, weiterhin gut zu Gesicht. Die wichtigste Lehre kann aber mit den zwei Worten NIE WIEDER bestens beschrieben werden. Dennoch ist der sogenannte Bodensatz an Ewiggestrigen immer erkennbar gewesen. Unsere demokratischen Strukturen waren aber so stabil, dass diese Antidemokraten, die von ihrem unerklärlichen Hass auf anders Aussehende, anders Denkende, anders Glaubende, anders Liebende nie lassen konnten, eine vernachlässige Größe blieben. Bis gestern. Heute signalisieren Wählerumfragen, dass wir mit allem rechnen müssen. Nämlich, dass tatsächlich eine Partei in unserer Demokratie von einer Mehrheit der Wählerinnen und Wähler Regierungsverantwortung übertragen bekommt, die von den Verfassungsorganen als in wesentlichen Teilen verfassungswidrig erkannt wird. Der Volksmund hat für solches Tun eine passende Weisheit: „Du sollst den Ast nicht absägen, auf dem du sitzt!“

Nachdenkzeilen aus Rhade

Veröffentlicht am 29.05.2026

 

Die „Schlaufüchse“ der Kita in ihrem Weltraumlabor Gesellschaft Kita Stuvenberg greift nach den Sternen

Vorbildliches Kinderprojekt beeindruckt

Wie heiß ist die Sonne? Wie entstehen Krater auf dem Mond? Und warum ist der Mars eigentlich rot? Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben sich die Vorschulkinder der städtischen Kita Am Stuvenberg in Rhade in einem zweiwöchigen Projekt rund um das Sonnensystem und die Sterne beschäftigt. Gemeinsam mit den Erzieherinnen Bettina Becker und Jessica Menne haben die „Schlaufüchse“ die Turnhalle der Kita in ein galaktisches Forschungszentrum verwandelt.
Mit großer Neugier und viel Begeisterung sind die Kinder in die faszinierende Welt des Universums eingetaucht. Dabei wurden Planetenmodelle gebastelt, Sternzeichen mit Leuchtsternen gestaltet und Größenverhältnisse im Weltall spielerisch dargestellt. Außerdem haben die Kinder experimentell die Eigenschaften der einzelnen Planeten erforscht – von Farben und Größen bis hin zu Oberflächen und Atmosphären.
Mit großem Interesse haben die kleinen Forscherinnen und Forscher unter anderem erfahren, warum der Mars als „roter Planet“ bezeichnet wird und dass Jupiter der größte Planet unseres Sonnensystems ist. „Der Jupiter ist so riesig, da passen ganz viele Erden rein!“, erklärte ein fachkundiger „Schlaufuchs“. Ein Höhepunkt des Projekts war der Ausflug zur Westfälischen Sternwarte in Recklinghausen. Dort konnten die Kinder das Weltall in der großen Kuppel hautnah erleben. Unter Anleitung eines Experten lernten sie unter anderem, wie man den Polarstern findet und welche Geschichten sich hinter verschiedenen Sternbildern verbergen.
Zum Abschluss haben die Vorschulkinder ihren Eltern stolz die gesammelten Eindrücke und selbst gestalteten Kunstwerke präsentiert. In einer kleinen „Weltraumausstellung“ haben sie die Erwachsenen durch ihre Reise ins All geführt und anschaulich erklärt, warum die Erde so besondere Lebensbedingungen bietet.

Quelle: Pressetext der Stadtverwaltung mit freigegebenem Foto für www.spd-rhade.de

Veröffentlicht am 28.05.2026

 

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SPD Sozial

„Wer nichts verändern will,
wird auch das verlieren,
was er bewahren möchte.“

Zitat Gustav Heinemann. Er wurde 1899 geboren und starb am 7.7.1976. Zwischen 1969 und 1974 amtierte er als Bundespräsident. 

 

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