Nachrichten zum Thema Gesellschaft

Gesellschaft Der Blick in den Spiegel

Wie gierige Unternehmen und korrupte Politiker gestoppt werden können

 

Ein Experiment mit Kindern zeigt, dass die Ehrlichkeit steigt, wenn sie sich beobachtet fühlen. So nutzte an Halloween eine Gruppe der Kinder die Aufforderung, sich nur ein Bonbon aus einem Korb ohne „Aufsicht“ zu nehmen sofort aus, und machte sich die Taschen voll. Der Kontrollgruppe wurde aber ein Spiegel so hinter den Bonbonkorb gestellt, dass sich die Kinder dabei sehen konnten, etwas Unrechtes zu tun. Das verblüffende Ergebnis: Die Kinder fühlten sich von sich selbst beobachtet und gaben sich mit einem Bonbon zufrieden. Übertragen wir das Experiment in unser Wirtschaftsleben und die Politik. Wenn wir einem Teil unserer Unternehmen und einigen Parteien und Politikern keinen Spiegel vorhalten würden, dann ist die Versuchung groß, einfach in den mit unseren Steuergeldern gefüllten Korb zu greifen. Und zwar scham- und rücksichtslos. Beispiele aus jüngster Zeit gibt es genug. Lenin wird das Zitat zugeschrieben „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Und deshalb müssen Unternehmer, Manager, Banker und Börsenspekulanten lernen, dass „Staatsknete“ keine unkontrollierte Verfügungsmasse ist, die sie in Krisenzeiten einfach ohne Auflagen (an)fordern können. Der Blick in den Spiegel sollte dabei unterstützen, das zu verstehen.

 

Ein Kommentar aus Rhade zu den staatliche Rettungsbemühungen der Lufthansa, einiger Banken und weiterer deutscher Schlüsselindustrien.

 

Das Kinderexperiment wurde 1972 von Thomas Shelley Duval und Robert A. Wicklund in den Vereinigten Staaten durchgeführt.

Veröffentlicht am 26.05.2020

 

Sie trifft sich täglich zum Singen - die Nachbarschaft in Hohenkirchen - Friesland. Eigenes Foto Gesellschaft „Wir stehen zusammen“ – Ein Beispiel funktionierender Nachbarschaft

Tägliches Singen gegen die Einsamkeit und Sorge

 

11 Uhr. Täglich werden die Glocken geläutet. Ein Signal für die Nachbarschaft, auf die Straße zu treten, sich mit Abstand zu begrüßen, sich auszutauschen und gemeinsam zu singen. Und zwar nicht irgendein Lied, sondern das berühmte, von Dietrich Bonhoeffer vertonte,

„Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

So innerlich gestärkt, freuen sich tagaus, tagein die 10 bis 20 Teilnehmer auf das nächste Treffen und Singen um 11 Uhr. Gesehen und zugehört in der Gemeinde Hohenkirchen /Wangerland in Friesland. Die Idee dazu wurde in der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde geboren und begeistert angenommen. Eine Idee, die sicherlich auch in anderen Städten und Gemeinden, zum Beispiel in Dorsten, Nachahmer finden könnte.

 

Ein aufmerksamer Zuhörer 

Veröffentlicht am 20.05.2020

 

Gesellschaft Demos gegen Corona: „Ich glaube nur das, was ich will!“

Die Ohnmacht der Politik

 

Unsere Grundrechte sind nicht verhandelbar. Sie sind in unserer Demokratie „heilig“. Das Recht, seine Meinung zu sagen und dafür zu demonstrieren, zeichnet unsere Gesellschaftsform aus. Genauso zulässig ist es aber auch, diejenigen zu kritisieren, die mit Falschinformationen und Verschwörungsgedanken zur Verunsicherung der Allgemeinheit beitragen, bzw. sie als Ziel ausgerufen haben. Unsere gewählten Politiker müssen ständig erklären, warum sie was tun. Das gehört zu ihrer wichtigsten Aufgabe. Und Journalisten berichten darüber. Die Bürger werden über Printmedien, Radio, TV und Internet angesprochen. Es gibt aber Menschen, die alles das, was da berichtet wird, entweder gar nicht zur Kenntnis nehmen, oder als „Lügenpresse“ verunglimpfen. Sie bewegen sich ausschließlich in den sogenannten sozialen Netzwerken und bestätigen das, was ihnen zusagt mit „Daumen hoch“, oder verunglimpfen alles, was ihnen nicht passt, mit dem Standardkommentar „wie krank ist das denn?“. Mehr kommt da in der Regel nicht. Die aktuellen Demos gegen zeitlich festgelegte Beschränkungen, die unserer Gesundheit und unserem Leben dienen, machen Angst. Viele dieser Teilnehmer sind für gute Argumente nicht mehr erreichbar. Da können Politiker noch so oft aufgefordert werden, ihr Tun besser zu erklären. Eine ganz schwierige Situation für unsere Parteien, unsere Politiker und letztlich für unsere Demokratie. Geduldig zuhören, geduldig das Gespräch suchen, geduldig für unsere demokratischen Strukturen werben. Fällt sehr schwer, ist aber alternativlos.

 

Ein Kommentar aus Rhade

Veröffentlicht am 19.05.2020

 

Gesellschaft Corona-Pandemie - Wie sieht es eigentlich in unseren Partnerstädten aus?

Der Blick über den Lippestadt-Tellerrand ist auch ein Stück Solidarität

Dorsten ist reich. Reich an Partnerstädten. Acht* an der Zahl. Das ist gut und zeigt, dass wir internationale Kontakte pflegen. Wahre Freunde zeigen sich dann, wenn eine Notsituation eingetreten ist. So wie jetzt während der schrecklichen Virusseuche, die nicht vor Grenzen und Partnerstädten halt macht. Karl-Heinz Strötzel, langjähriger Vorsitzender des „Freundeskreises Nicaragua“ erinnert in seinem aktuellen Rundbrief daran, unsere Freunde nicht zu vergessen. Und die leiden in Crawley und Newtownabbey (GB), in Dormans und Ernee (F), Rybnik (POL), Hod HaSharon (ISR) und Waslala (NIC). Die Informationen, die Karl-Heinz Strötzel aus Nicaragua mitteilt, beunruhigen. Weder gibt es offizielle Erkrankungsszahlen, noch darf die Presse frei berichten. Ein Grund mehr, die Menschen in Mittelamerika, mit denen wir partnerschaftlich verbunden sind, nicht zu vergessen. Wahre Freunde zeigen sich dann, wenn ...

Eigener Bericht 

* Die achte Partnerstadt ist Hainichen und liegt in Sachsen (D)

Veröffentlicht am 17.05.2020

 

Gesellschaft Gastbeitrag von Hans Udo Schneider  

Was wir aus der Krise lernen können?

1. Von der Pest bis zur Corona- Pandemie

Beim Ausbruch von Seuchen lassen sich über die Jahrhunderte immer wieder dieselben Verhaltensmuster erkennen. Das galt für die Pest im Mittelalter, für die Spanische Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts und es gilt für die Corona Pandemie heute. Die erste Reaktion besteht im Leugnen oder Kleinreden. Kann das in der Bevölkerung nicht mehr glaubwürdig vertreten werden, folgt in der zweiten Phase die Erfindung und Verbreitung von Gerüchten, Falschmeldungen, von abstrusen Behauptungen. Dazu gehört die Suche nach dem Sündenbock.  Meist müssen Minderheiten dafür herhalten. Die vorherrschenden nationalen, religiösen, ethnischen Überzeugungen der Menschen beeinflussen dann ganz wesentlich die Reaktionen auf die Epidemie. Die weltweite Corona Krise steht dafür exemplarisch. Die kulturellen Unterschiede zeigen sich in verschiedenen Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen, aber auch in Aktionen der Ausgrenzung, Isolation, bis hin zur Verfolgung und Vertreibung.

2. Seuchen legen gesellschaftliche Missstände offen

Seuchen sind darüber hinaus aber immer auch ein Spiegelbild des sozialen Zusammenhalts einer Gesellschaft. Wer ist am stärksten betroffen, wer zahlt die Kosten?  In Amerika sind es überwiegend Menschen schwarzer Hautfarbe. In Südamerika, in Afrika, Asien sind es die Slumbewohner und die Wanderarbeiter.  Aber auch in Deutschland gibt es Brennpunkte (Hot- Spots). Über drei Jahrzehnte ist über die Misere im Kranken- und Pflegebereich gesprochen worden, über mafiose Strukturen in der Fleischindustrie, über die Ausbeutung von Saisonarbeitern aus Südeuropa, über die Tatsache, dass immer noch der Geldbeutel über den Bildungserfolg der Kinder entscheidet. Letztendlich haben wir und die Politik zugesehen, haben wir auf Kosten anderer Menschen und der Natur gelebt. Die Krise lässt sich deshalb auch so begreifen: sie ist die Rechnung, die uns jetzt präsentiert wird.

3. Jede Krise ist eine Chance für den Neuanfang. Was lernen wir in Dorsten? - Ein Beispiel

Bereits vor mehr als 10 Jahren habe ich darauf hingewiesen, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss in Dorsten hoch ist, jedenfalls höher als in vergleichbaren Städten NRWs. Getan hat sich nichts. Im Gegenteil, Kindertagesstätten wurden wegen zunächst zurückgehender Geburten geschlossen. Jetzt müssen mit viel Aufwand neue Einrichtungen gebaut werden. Die pädagogische Erkenntnis, dass Ungleiches auch ungleich behandelt werden muss, wurde nicht genutzt. Das heißt: kleinere Gruppen, mehr Personal vor allem dort, wo die Not am stärksten ist. Immer noch werden Kitas als Betreuungseinrichtungen, nicht aber als Einrichtungen mit eigenständigem Erziehungs- und Bildungsauftrag verstanden. Hier liegt der eigentliche Grund für die schlechte Bezahlung des Personals. Benachteiligte Familien sind in der jetzigen Krise weitgehend auf sich allein gestellt, sie leben in engen Wohnverhältnissen, häufig mit mehreren kleinen Kindern., ohne Balkon und Garten. Vielen Familien fehlt der Computer oder das Tablet, hinzu kommt die fehlende Medienkompetenz. Wie unter diesen Bedingungen Lernen stattfinden soll, bleibt ein Geheimnis. Intelligente, kreative Konzepte fehlen. Von daher ist zu befürchten, dass sich die soziale Ungleichheit massiv ausweiten wird.

Werden wir aus der Krise lernen und die notwendigen Konsequenzen ziehen? Mehr Gemeinsamkeit und mehr Solidarität bleiben unsere Hoffnung.

Dr. Hans Udo Schneider

http://www.dorsten-lexikon.de/

(Hier ist ein interessantes Porträt über Hans Udo Schneider zu lesen)

Veröffentlicht am 15.05.2020

 

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