Nachrichten zum Thema Gesellschaft

Gesellschaft Bezahlbare Studentenwohnungen? Ein Positivbeispiel aus Paris (2)

Im Süden von Paris, in einer Parkanlage, verteilen sich mehrere Häuser in unterschiedlichster Bauweise. Die Postanschrift lautet: Cite International Universitaire de Paris. Eine kleine Stadt, ausschließlich für 7000 Studenten aus 150 Nationen, die hier nicht nur bezahlbaren Wohnraum vorfinden, sondern Teil eines beeindruckenden internationalen Projekts sind. Vor 100 Jahren, nach dem ersten Weltkrieg, wurde aus der Idee, junge Studierende zusammen lernen, wohnen, diskutieren, kochen und feiern zu lassen, Realität. Daran beteiligen sich bis heute viele Staaten, indem sie ein „eigenes“ Haus dort errichten. Zuvor müssen sie sich verpflichten, die Regeln der Cite zu akzeptieren: Toleranz, Respekt, Gleichheit, die Absage an jede Form der Diskriminierung, Freiheit des Geschlechts. Hier Studierende haben ein langes Bewerbungsverfahren durchlaufen. Sie profitieren von exzellenten Universitäten und bezahlbarem Wohnraum. Die einzelnen Länder geben ihren Häusern eigene Namen. Deutschland ist mit dem Maison-Heinrich-Heine vertreten. Russland und andere osteuropäische Länder sind (noch) nicht vertreten. China bietet zwar 300 Plätze, hat aber die Charta der Cite-Werte bisher nicht unterschrieben. Eine Voraussetzung lautet, dass mindestens 30% aller Plätze an Studierende aus anderen Ländern vergeben werden müssen. Die Folge: Das Chinesische Haus steht seit 2024 leer auf dem Gelände. Das Beispiel Paris kann sicherlich nicht 1:1 hier und da kopiert werden, zeigt aber, dass mit Kreativität und gutem Willen Berge versetzt werden können oder bezahlbarer Wohnraum errichtet werden kann. Nicht nur für Studierende. Übrigens haben seit der Eröffnung der Cite im Jahr 1925 über 450.000 junge Menschen aus aller Welt dort friedlich zusammen gewohnt.

Eigener Bericht auf Grundlage des ZEIT-Artikels "Wir sind friedlich, was seid ihr?" Vom 30.12.2025

Veröffentlicht am 21.02.2026

 

Gesellschaft Ein Gastbeitrag von Bertold Hanck zur aktuellen Programmdiskussion der SPD

Sag' mir, mein Freund ... (marokkanisch: guli, guli, a rafiq)

Aramsamsam, aramsamsam,
bald gibt's ein SPD-Programm,
guli, guli, a rafiq:
"Führt das zum nächsten Sozi-Sieg?"

Ziemlich bald nach Godesberg
Entspannung war das Sozi-Werk.
Auf Frieden wollte man jetzt zählen,
drum wollten alle Willy wählen.

Aramsamsam, aramsamsam,
perfekt passt das Politprogramm.
Guli, guli, a rafiq:
Das war kein Propagandatrick!

Solch fortschrittlicher Gestaltungsmut
tat ehdem den Genossen gut.
Doch blickt nach vorne, nicht zurück
in altes Vollversorgungsglück.

Aramsamsam, aramsamsam,
gemeinsam packen alle an.
Guli, guli, a rafiq:
Gegen den Ukraine-Krieg.

Seid mutig, nehmt die Menschen mit,
auch wenn sie aus der Mitte sind.
Die SPD war dann stets klasse,
wenn sie das Ohr hat' an der Masse.

Aramsamsam, aramsamsam,
Teilhabe aller ins Programm!
Guli, guli, a rafiq:
Vielleicht ist das der Weg zum Sieg?

Bertold Hanck (Rhade)

Veröffentlicht am 16.02.2026

 

Gesellschaft Sport und Politik - Sind Gemeinsamkeiten erkennbar?

Winterolympiade. Mehrere tausend Sportler treten gegeneinander an, um sich zu messen. Wer ist schneller, akrobatischer, springt weiter, schießt mehr Tore, trifft mehr Scheiben, bringt mehr Steine in den Zielkreis, … Alle haben eine lange Vorbereitungszeit hinter sich, um am Wettkampftag die beste Leistung abrufen zu können. Parallel wurden sie dazu von einem Trainerteam unterstützt. Sie erhalten Aufmerksamkeit und Beifall, nicht nur wenn sie auf dem Treppchen stehen.
Parteipolitik. Mehrere tausend Politiker, die meisten ehrenamtlich aktiv, stellen sich alle 4 bis 5 Jahre zur Wahl. Sie wollen beweisen, warum sie besser sind als die Konkurrenz. Wer ist glaubwürdiger, seriöser, sympathischer, überzeugender? Fast alle haben sich auf diesen Moment vorbereitet. Sie haben zugehört, Fragen gestellt, mit diskutiert. Ein professionelles Trainerteam gibt es erst in der Liga der Berufspolitiker. Alle die sich ehrenamtlich einbringen, sind häufig auf sich allein gestellt. Natürlich bieten die Parteien auch Unterstützungsseminare an. Die Wirklichkeit, bleiben wir mal bei Kommunalpolitikern, sieht i. d. R. aber so aus: Er oder sie sind noch in der Ausbildung oder bereits berufstätig, haben Familie und Kinder. Sie „müssen“ Parteitermine wahrnehmen, bei örtlichen Vereinen mitwirken sowie möglichst Kirchen- und Gewerkschaftsmitglied sein. Sie sind in kommunalen Fachausschüssen und dem Stadtrat aktiv. Sie sind zeitlich komplett ausgebucht und müssen sich auch noch für die Politik im Land und Bund rechtfertigen. Und das schaffen sie, ohne ein professionelles Trainerteam. Sie haben auch mehr Aufmerksamkeit und Respekt verdient!

Sonntagsgedanken aus Rhade

Veröffentlicht am 15.02.2026

 

Jochen Vogel. Ein Vorbild über alle demokratischen Parteigrenzen hinweg. Foto: SPD-Bundestagsfraktion Gesellschaft Zur Erinnerung - Jochen Vogel zum 100. Geburtstag

Sein Pflichtgefühl war grenzenlos

"Das Bild, das von Hans-Jochen Vogel haften geblieben ist, wirkt seltsam zeitlos. Schwere Brille, Lockentolle, energisch, Tatendrang ausstrahlend. So haben ihn Generationen in der Bonner Republik erlebt: Als Oberbürgermeister von München (1960 bis 1972), als Bauminister im Kabinett Willy Brandts (1972 bis 1974), als Justizminister unter Kanzler Helmut Schmidt (1974 bis 1982), als kurzzeitiger Regierender Bürgermeister Berlins (1982), als SPD-Kanzlerkandidat (1983), als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion (1983 bis 1991) und als SPD-Vorsitzender (1987 bis 1991).
Eine stolze Galerie politischer Verantwortung. Aber fast noch wichtiger: Der Respekt vor ihm wuchs stetig und galt lebenslang. Eine Instanz, ein immer wieder gesuchter Ratgeber für seine Partei, ein steter Mahner für Demokratie, einer, der im Olymp der großen bundesdeutschen Sozialdemokraten neben Willy BrandtHelmut Schmidt und Herbert Wehner seinen Platz hatte."

Jochen Vogel starb 2020 im Alter von 94 Jahren.

Übernommen von www.vorwaerts.de

Veröffentlicht am 14.02.2026

 

Gesellschaft Eine Todesanzeige zwingt zum Nachdenken

Todesanzeigen in Zeitungen werden immer gelesen. Wer ist gestorben? Kannte ich ihn oder sie? In welchem Alter? Gibt es einen Hinweis woran? Erweise ich dem oder der Verstorbenen die letzte Ehre durch die Teilnahme an der Bestattung? Oder reicht meine Anteilnahme, indem ich eine vorgedruckte Karte versende? Das Nachdenken setzt ein, als ich lese, dass ein mir wenig bekannter Mann aus Wulfen mit 83 Jahren gestorben ist. Der Satz in der Anzeige, „Isolation und Ausschluss haben ihm das Leben oft schwer gemacht“, zwingt mich doch, mich an ihn zu erinnern. Ein hagerer Mann, zweifacher Vater, Jahrzehnte allein lebend. Sein Auftreten war auffällig, aber nicht bedrohlich. Dann, wenn seine Not nicht mehr auszuhalten war, besuchte er seinen Nachbarn, der ihm als Seelsorger immer seine Hand reichte. Älter geworden schaffte es der nun Verstorbene nicht mehr, die wichtigen lebenserhaltenden Kontakte zu seiner Nachbarschaft, zu seiner Familie und ganz wenigen Freunden aufrechtzuerhalten. Krank und isoliert wurde sein Leben schleichend zum Dahinvegetieren. Die Vorstufe zum vorzeitigen Ableben. Ein Einzelfall? Sicher nicht. Alt werden ist sehr häufig mit Alleinsein und Vergessen verbunden. Dürfen wir (Gesellschaft) mit diesem Wissen achselzuckend zur Tagesordnung übergehen? Oder müssen wir uns unserer sozialen Verantwortung gegenüber allen Schwächeren endlich stellen?

Rhader Gedanken über den Zustand unserer immer älter werdenden Gesellschaft

Veröffentlicht am 11.02.2026

 

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