Nachrichten zum Thema Gesellschaft

Gesellschaft Sollten sich die Kirchen im Wahlkampf klar positionieren? (Teil 2)

Ein Kommentar von Dr. Hans-Udo Schneider

Gerechtigkeit und Frieden zählen zu den Kernbereichen des christlichen Glaubens. Ohne Gerechtigkeit keinen Frieden, weder im Inneren noch im Äußeren und ohne Frieden geht Gerechtigkeit verloren. Deshalb konnte der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann – ein frommer Mann – sagen: „Der Frieden ist der Ernstfall“. Kommt es zum Krieg, dann haben wir den Ernstfall nicht bestanden. Das lässt sich auch am Krieg in der Ukraine aufzeigen.

„Selig sind die Friedensstifter“- so heißt es in der Bergpredigt im Neuen Testament. Die Kirche als Institution und die vom christlichen Glauben überzeugten Menschen haben die unverzichtbare Aufgabe, die Sehnsucht nach Frieden wachzuhalten, Verhandlungen einzufordern, das Wettrüsten anzuklagen, Wege zum Frieden aufzuzeigen. Wie das geht, zeigte vor wenigen Tagen die Bischöfin der anglikanischen Kirche (Mariann Budde) im Rahmen der Amtseinführung von Trump. Mutig und mit klaren Worten stellte sie sich dessen Hetze und Diffamierung von Menschen entgegen und zeigte worauf es ankommt: Mitgefühl und Solidarität.

Dr.Hans-Udo Schneider, Pfarrer, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut kandidierte 2009 für das Bürgermeisteramt in Dorsten. Er wurde dabei von der SPD und den Grünen unterstützt.

Veröffentlicht am 30.01.2025

 

Gesellschaft Sollten sich die Kirchen im laufenden Wahlkampf klar positionieren? (Teil 1)

Ein Kommentar von Dr. Hans-Udo Schneider

Bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war es üblich, dass die kath. Kirche Wahlempfehlungen für die C- Parteien aussprach. Das ist Gott sei Dank vorbei. Die mündige Staatsbürgerin braucht keine Wahlempfehlung der Kirchen, ebenso wenig wie der mündige Staatsbürger. Im Hinblick auf das kirchliche Selbstverständnis, der Frage nach dem christlichen Menschenbild, ist dagegen Positionierung gefragt. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Der Grundgesetzartikel 1 gilt für die Kirchen uneingeschränkt. Evangelische und Katholische Kirche haben aus ihrem Versagen in der Weimarer Republik und im Faschismus gelernt. Beide sprechen sich für die Stärkung der Demokratie aus und erteilen den Feinden der Demokratie eine klare Absage. Ganz anders verhält es sich allerdings in der Frage von Armut und Reichtum. Die tief gespaltene Gesellschaft ist für die Kirchen kaum noch ein Thema. Sie haben sich eingerichtet, abgefunden und die Armutsbevölkerung aus dem Blick verloren. Das ist beschämend. Im gemeinsamen Sozialwort der Kirchen (1997) gab es noch die klare Forderung nach angemessenen Löhnen, fairen Arbeitsbedingungen und der „Vorrangigen Option für die Armen, Schwachen und Benachteiligten“. An deren Umsetzung wurde nicht weitergearbeitet. Im Gegenteil: Die Kirchen haben sich im Neoliberalismus eingerichtet, von der „Ethik der sozialen Gerechtigkeit“ ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Wird übermorgen, am 30. Januar mit Teil 2 abgeschlossen

Dr.Hans-Udo Schneider, Pfarrer, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut kandidierte 2009 für das Bürgermeisteramt in Dorsten. Er wurde dabei von der SPD und den Grünen unterstützt.

Veröffentlicht am 28.01.2025

 

Gesellschaft „Zwischenfall in Vichy“

Dorsten erinnert mit eindrucksvollem Theaterstück an Holocaust

Der Bitte des Bürgermeisters, alljährlich auch in unserer Stadt in besonderer Form an die Nazi-Gräueltaten Deutschlands und die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 80 Jahren zu gedenken, folgten viele Bürgerinnen und Bürger. Im Vorfeld des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar, wurde ein außergewöhnliches Theaterstück in der St. Ursula Aula aufgeführt, das die Besucher gefangen nahm und mit gedanklicher „Nacharbeit“ noch lange beschäftigte. Die Geschichte spielt in der 1942 von der deutschen Wehrmacht besetzten französischen Stadt Vichy, und wurde von Arthur Miller 1964 unter dem Eindruck des Auschwitz-Prozesses in Frankfurt geschrieben. Der Ort, ein bewachtes „Wartezimmer“ auf einer Polizeistation. Es sind Juden, die bei einer Razzia ohne gültige Papiere aufgegriffen wurden und nun auf ihr Verhör warten. Die Angst vor dem Bevorstehenden ist mit den Händen zu greifen, die Dialoge untereinander pendeln zwischen Hoffnung, Unverständnis und Wut. Das karge Bühnenbild unterstützt die depressive Stimmung der einbestellten jüdischen Festgenommenen. Der wachhabende uniformierte deutsche Soldat ist eine ständige Bedrohung. Das Interesse des im weißen Kittel agierenden „Wissenschaftlers“ besteht ausschließlich darin, die ideologische, aber unhaltbare Rassenlehre der Nazis durch Pseudountersuchungen zu bestätigen. Dass keiner, der hier in Vichy zum Verhör gerufenen Juden ins Leben zurückkehren wird, so wie 6 Millionen Juden, die im Namen Deutschlands zwischen zwischen 1939 und 1945 bestialisch ermordet wurden, müssen wir auch 80 Jahre danach noch als Schuld und Last (er)tragen. Dem jüdischen Museum in unserer Stadt sowie der Stadtagentur Dorsten, die diesen nachhaltigen Gedenk- und Erinnerungsabend ermöglichten, ist zu danken.

Dirk Hartwich            

Veröffentlicht am 22.01.2025

 

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