Nachrichten zum Thema Gesellschaft

Gesellschaft Wieder PISA-Schock - Was läuft eigentlich falsch?

Seit Jahren, nein Jahrzehnten wissen wir, dass unser Schulsystem von gestern ist. Trotzdem reformieren wir es nicht konsequent, sondern reparieren mal hier, mal da. Und schließen ständig parteipolitische Kompromisse, deren Folgen auf dem Rücken der Schüler und Eltern ausgetragen werden. 16 Bundesländer, 16 verschiedene Systeme, die nicht einmal untereinander kompatibel sind. All das wissen wir - und ändern immer nur Symptome. Seit Jahrzehnten! Solange unsere Parteien nach dem Grundsatz handeln, jedem wohl und keinem wehe, werden wir weiter von außen bestätigt bekommen, schulbildungsmäßig nicht einmal Durchschnitt zu sein. Ganz wichtig: Unsere Schülerinnen und Schüler sind nicht doof. Sie verdienen Anerkennung und Unterstützung. Sie könnten mit entsprechender Förderung „ganz oben mitspielen“. Egal aus welchem Elternhaus sie kommen. Egal ob sie einen Migrationshintergrund haben. Wir brauchen alle. Kinder sind unsere Zukunft. Gibt es dazu Widerspruch? Nein? Dann sollten wir den nächsten Schritt konsequent einleiten. KEIN KIND ZURÜCKLASSEN! Jetzt sind unsere Bildungspolitiker (wieder) aufgerufen, Schlussfolgerungen aus dem bitteren PISA-Ergebnis zu ziehen. Am ehesten wird sich etwas ändern, wenn „wir da unten“ denen „da oben“ Druck machen. Morgen sollten wir damit beginnen.

Veröffentlicht am 12.12.2023

 

Gesellschaft Nahost: Hass fällt nicht vom Himmel! Woher kommt er dann?

Ein Islam-Wissenschaftler aus Freiburg findet die Antwort - und wird bedroht

Abel-Hakim Ourghi ist mit 23 Jahren aus Algerien nach Deutschland gekommen. Er bekennt, als Antisemit zu Hause und in der Schule erzogen worden zu sein. „Unsere Sozialisation in unseren Herkunftsländern lehrte uns Judenhass. Alles was mit Juden oder dem Staat Israel zu tun hatte, lehnte ich vehement ab. Ich glaubte, Juden sind immer Täter - Muslime immer Opfer“, schreibt er wörtlich in seinem unten genannten ZEIT-Beitrag. Inzwischen ist der anerkannte Islam-Wissenschaftler, er lehrt an der Freiburger Universität, 55 Jahre alt. Seine Forschungen über den Ursprung des islamischen Judenhasses werden nicht nur mit großer Aufmerksamkeit begleitet, sondern auch mit dauerhafter Bedrohung. Sein geschichtlicher Rückblick über das Verhältnis zwischen Muslimen und Juden zeigt nämlich, dass es intensive Phasen des friedlichen Zusammenlebens beider Glaubensrichtungen gab. Der heute gepflegte Hass vieler Islamisten gegenüber den Juden, besonders verstärkt auch im arabischen und türkischen Fernsehen, verdrängt, dass die Geschichte beider Glaubensrichtungen keine einseitige Schuldzuweisung zulässt. Abel-Hakim Ourghi bezeichnet seine Erinnerungsarbeit als Selbstbefreiung. „Ich habe gelernt, wie falsch und gefährlich Antisemitismus ist“, so sein Zitat im ZEIT-Artikel. Sein Ziel ist, dass Juden und Muslime sich gegenseitig respektieren, Israel achten und Frieden machen. Zu wünschen ist, dass Professor Ourghi überall gehört (und gelesen) wird.

Rhader Wochenendgedanken auf Grundlage des ZEIT-Beitrags „Woher kommt der Hass?“ von Abdel-Hakim Ourghi am 16.11.2023.    

Veröffentlicht am 02.12.2023

 

Gesellschaft Wenn die da oben so könnten wie sie wollten, blieben die da unten dauerhaft im Keller

Sozialdemokraten müssen aber Garanten der sozialen Gerechtigkeit sein

Als vor über 150 Jahren wirtschaftliche Not und gesellschaftliche Ungerechtigkeit in unserem Land unerträglich hoch waren, schlossen sich Gleichgesinnte, die etwas zum Guten ändern wollten, zu einer Partei zusammen. Die Geburtsstunde der Sozialdemokratie war gekommen. Der Weg von 1863 bis heute war dornenreich und mit vielen persönlichen Entbehrungen der Gerechtigkeitskämpfer gepflastert. Aber es wurde vieles erreicht. Davon profitieren wir aktuell, erkennen aber auch, dass das Engagement nicht eingestellt werden darf. Gerade jetzt zwingen aber die nicht vorherzusehenden Probleme wie Corona, Krieg, globale Wirtschafts- und Energiekrise, Investitionsstau und andere, zum unverstellten Blick auf das zur Verfügung stehend Geld, um gegenzusteuern. Wir erkennen, dass konservative Parteien sofort mit dem Finger auf „die da unten“ zeigen. Zu hohe Löhne, zuviel Sozialhilfe, von der Flüchtlingsunterstützung ganz zu schweigen. Wer aber fordert, dass „die da oben“ nur ein klein wenig mehr in die Steuerkasse zahlen müssten, weil breite Schultern mehr als schmale tragen können, wird mit aller Energie politisch bekämpft. Die stärkste Fraktion im Bundestag ist die SPD. Der Bundeskanzler ist ein Sozialdemokrat. Das Regieren ist aber nur in Kombination, sprich Koalition, mit zwei weiteren Parteien möglich. Und genau das ist das Problem, soziale Gerechtigkeit parteiübergreifend durchzusetzen. Ein Motiv, die Sozis auf allen Ebenen, in der Kommune, den Ländern und im Bund zu stärken.       

Ein Zwischenruf aus Rhade

Veröffentlicht am 01.12.2023

 

Gesellschaft Jahrbuch 2024 - Wenn Dorstener Bürger zur Feder greifen

Ein Lesebuch der besonderen Art

Wenn ein Jahrbuch, bisher als Heimatkalender des Heimatbundes der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten bezeichnet, alljährlich neu erscheint, könnte Wiederholungsgefahr drohen. Das Gegenteil, in Form von aktuellen Texten, begleitenden Gedichten und faszinierenden Fotos, machen das Lesen zu einem besonderen Aha-Erlebnis. Alle Jahre wieder! Das, was hier so locker als Werbung beiseite gelegt werden könnte, sollte einem Praxistest unterzogen werden. Wenn rund 50 lokale Autoren zur Feder greifen, um berührende, spannende, informative und nachdenkliche Lesebeiträge zu Papier zu bringen, ist eine riesige Themenvielfalt gewährleistet. Und genau diese macht das Jahrbuch zu etwas Besonderem. Es ist sicherlich denen gegenüber ungerecht, deren Beiträge hier beispielhaft nicht genannt werden, wenn jetzt doch der Versuch einer sehr verkürzten Themennennung, zur Motivation alles zu lesen, unternommen wird. Wenn z. B. Bernhard von Blanckenburg seine jahrelange Beziehung zur „Hexenbuche am Besenkamp“ in eindrucksvollen Worten beschreibt, fühlen die Leser intensiv mit. Die jahrzehntelange verdrängte Dorstener jüdische Geschichte wird gleich in mehreren Beiträgen lebendig. Marion Ribles „Biografie katholischer Lehrerinnen im 19. Jahrhundert“ versetzt den Leser eindrucksvoll in eine gar nicht so lange zurückliegende Zeit und das vorherrschende gesellschaftliche Denken. Den hochinteressanten Blick in die KI-Zukunft wagt Michael Langenhorst. Auf eine visionäre Klimaschutz-Zeitreise nehmen uns Klaus Jaeger und Hans Kratz mit. Dabei befinden sie sich schon im Jahr 2050 und blättern in ihren persönlichen Jahrbüchern 2023 bis 2050. Herausgekommen ist eine mögliche Handlungsanweisung, die für Politiker aller Parteien Programm sein könnte. Hochaktuell! Diese kleine Zusammenfassung soll nicht enden, ohne Bertold Hanck besonders lobend zu erwähnen. Er bereichert und ergänzt die  exzellenten Portraitfotos des Kalendariums  von Jürgen Moers, seit Jahren mit passenden Gedichten alter und junger Poeten. Neugierig auf das ganze Jahrbuch geworden? Dann bitte für nur 10 (!) Euro erwerben und selbst auf eine besondere Leseschatzsuche gehen.

Dirk Hartwich   

Veröffentlicht am 24.11.2023

 

Gesellschaft Wann und wie kommt die SPD aus der Depression und dem Umfragetief?

Wochenendgedanken aus Rhade

Politik in einer Demokratie ist immer dann erfolgreich, wenn die Gestaltungsrichtung von unten nach oben führt. Unten, das sind wir. Wir Sozialdemokraten aus Rhade, die sich vor 54 Jahren zusammengeschlossen haben, um im „schwarzen“ ländlichen Raum zu beweisen, dass sozialdemokratisches Denken und Handeln gut für die hier lebenden Menschen und die Stadt ist. Rückblickend darf festgestellt werden, dass das ganz gut gelungen ist. Zeitgleich befand sich auch Dorsten im kommunalpolitischen Umbruch. Heinz Ritter (SPD) amtierte als Bürgermeister. Und im Land NRW hinterließen mehrere SPD-Ministerpräsidenten dauerhafte Spuren. Und in Berlin regierte ein SPD-Bundeskanzler. Die Sozialdemokraten haben unten wie oben überzeugt. Dann aber senkte sich der Daumen der Wähler. Diesmal in umgekehrter Richtung. Nach Berlin musste auch NRW als parteipolitisch verloren eingeräumt werden. Dass bei der letzten Bundestagswahl mit Olaf Scholz wieder ein Sozialdemokrat im Kanzleramt regiert, könnte als Aufbruch der in großen Teilen demoralisierten SPD eingeordnet werden. Das wäre dann ein Aufbruch von oben nach unten. Also in umgekehrter Richtung als eingangs benannt. Besser wäre, wenn sich die Basis der SPD überall im Land aufrappeln würde, um wieder einen stabilen Partei-Unterbau zu schaffen. So, wie es in Dorsten auf Stadtverbandsebene gerade begonnen wurde. Swen Coralic „hat verstanden“. Wird er von den Ortsvereinen und der Stadtratsfraktion allein gelassen, verpufft der hoffnungsvolle Aufbruch und die sozialdemokratischen Depressionen würden weiter zunehmen. Von unten nach oben.

Veröffentlicht am 18.11.2023

 

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