Nachrichten zum Thema Gesellschaft

Gesellschaft Dorsten unterm Hakenkreuz - Das örtliche (Ver)Schweigen und Verdrängen dauerte 37 Jahre (Teil 2)

Gestern vor 40 Jahren wurde der Grauschleier der Stadtgeschichte beiseite geschoben (Fortsetzung des gestrigen Berichts)

Die Dokumentation

Zurück zur Präsentation des Dokumentierten. Jetzt wurde den Besuchern klar, dass die Forschungsgruppe nicht anklagen, sondern aufklären wollte. Jetzt erhellten sich einige Gesichter, obwohl sie vor Scham eigentlich die Farbe hätten wechseln müssen.

Der Erfolg der Geschichtsarbeit ist auch an dem verkauften ersten Band von „Dorsten unterm Hakenkreuz“ abzulesen. Eine zweite Auflage musste gedruckt werden. Auch sie ist, wie die weiteren vier Bände, die in den Jahren 1984 bis 1987 erschienen, komplett vergriffen. Die Forschungsgruppe wuchs, das anfängliche Misstrauen gegenüber dem Redakteur Stegemann und dem Ratsvertreter Hartwich und ihrer Forschungsarbeit schwand. Dass in der Folge der Bürger-Recherchen das Jüdische Museum Westfalen in unserer Stadt durch den damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau eröffnet wurde, ahnte im Mai 1983, also heute vor 40 Jahren, keiner der Akteure der ersten Stunde. Sie betrachten mit Genugtuung und Dankbarkeit, dass der Stein, den sie 1983 ins Wasser geworfen haben, immer noch Wellen schlägt. 

Die Hoffnung

„Wir hoffen, dass die Nazi-Opfer, hier und da, nie vergessen werden und wünschen, dass starke demokratische Strukturen mörderische Ideologien bereits im Anfangsstadium ins Abseits verweisen“, so abschließend Wolf Stegemann und Dirk Hartwich gegenüber der Dorstener Zeitung.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung erinnerten Wolf Stegemann und Dirk Hartwich an das dunkelste Kapitel der Dorstener Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert

Nachsatz 1: Auf der Internetseite www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de können viele Texte der vergriffenen Bände 1 bis 5 nachgelesen werden.

Nachsatz 2: Im nächsten Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck und der Stadt Dorsten wird unter der Überschrift „Nicht das Erinnern, das Vergessen ist die Gefahr“, ein umfassender Aufsatz von Dirk Hartwich veröffentlicht.

Veröffentlicht am 27.05.2023

 

Gesellschaft Dorsten unterm Hakenkreuz - Das örtliche (Ver)Schweigen und Verdrängen dauerte 37 Jahre ( Teil 1)

Heute vor 40 Jahren wurde der Grauschleier der Stadtgeschichte beiseite geschoben

Heute vor 40 Jahren, am 26. Mai 1983, folgte die Dorstener Stadtgesellschaft einer Einladung der Geschichtsgruppe von unten, die sich „Bürgerinitiative Dorsten unterm Hakenkreuz“ nannte. Die Alte Stadtwaage auf dem Marktplatz der Lippestadt platzte aus allen Nähten. Neben dem Stadtdirektor, dem Bürgermeister, Parteienvertretern und vielen interessierten Bürgern, waren besondere Ehrengäste gekommen. Unter anderem Ernst Metzger aus den USA, der die Deportation aus Dorsten und mehrere Konzentrationslager überlebte. So wie Rolf Abrahamsohn, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen, der ebenfalls den Gräueltaten der Nazis entkam. Er bestätigte den erschütternden Überlebens-Bericht Ernst Metzgers, das Herzstück der ersten Dorstener Dokumentationsbroschüre, in allen Punkten. Sie alle warteten gespannt, was die Recherche über das Schicksal der städtischen jüdischen Gemeinde ergeben hat. 

Der Anfang

Dirk Hartwich, Ratsmitglied zwischen 1975 und 1984, stellte 1982 im Kulturausschuss in völliger  Unkenntnis die Frage, ob es eine jüdische Gemeinde Dorsten gegeben habe. Auf dem Weg zur Sitzung hatte er in den Nachrichten von Gedenkveranstaltungen in den Nachbarstädten erfahren. „Die Antwort der Verwaltung war seltsam unbestimmt“, so sein Eindruck. Wolf Stegemann, Lokalredakteur der Ruhr Nachrichten und Berichterstatter der Zeitung, verfolgte mit großem Interesse die Sitzung. Er war es, der bereits zum genannten Thema erste Mosaiksteine zusammengetragen hatte. Sein Angebot zur Mitarbeit, an den fragenden Ratsvertreter gerichtet, darf als Geburtsstunde der Dorstener „Heimathistoriker“ auf dem Gebiet der jüngeren jüdischen Geschichte  bezeichnet werden. Sie fragten bei Bürgerinnen und Bürgern, suchten in vielen Archiven, fanden engagierte Mitstreiter aus allen Gesellschaftsschichten und dokumentierten akribisch das Herausgefundene.Das so zusammengetragene Wissen versetzte alle in Erschütterung. 

Seit 1945 bis 1982, also 37 Jahre lang, wurde in unserer Stadt über die Verbrechen der Nazis gegenüber den Dorstener Juden „erfolgreich“ geschwiegen. Nicht verwunderlich, dass das plötzliche lokale Geschichtsinteresse über die Zeit zwischen 1933 und 1945 nicht alle in Begeisterung versetzte. „Das Misstrauen uns und unserer ehrenamtlichen Arbeit gegenüber, war zu Beginn mit den Händen zu greifen“, so Wolf Stegemann im Rückblick. 

Teil 1 einer gemeinsamen Presseerklärung von Wolf Stegemann und Dirk Hartwich. Teil 2 folgt morgen.

 

Veröffentlicht am 26.05.2023

 

Gesellschaft Happy Birthday SPD

Sozialdemokraten haben in 160 Jahren die Welt ein Stück besser gemacht

Die SPD ist in die Jahre gekommen. Kein Wunder, wenn das Geburtsjahr 1863 beträgt. Ja, die Sozialdemokratie ist nach Jahren alt, aber ihre Ideen sind ewig jung (geblieben). Sie hat sich den wechselnden gesellschaftspolitischen Gegebenheiten so angepasst, dass, programmatisch gesehen, der Mensch immer im Mittelpunkt steht. In der Praxisumsetzung gab es natürlich auch Irritationen und  Brüche. „Heute blicken wir aber voller Stolz und Tatendrang auf 160 Jahre, in denen die Sozialdemokratie die Wirklichkeit nach ihren Vorstellungen geformt, existenzielle Herausforderungen bewältigt und Geschichte geschrieben hat. Heute steht unsere Gesellschaft wieder vor großen Herausforderungen. Und wir werden der Geschichte erneut eine sozialdemokratische Handschrift geben“, so Kevin Kühnert, junger Generalsekretär der SPD in seinem Geburtstagsstatement an alle Mitglieder. Die Rhader SPD, die vor 54 Jahren ein Teil der sozialdemokratischen Familie wurde und in dieser Zeit kontinuierlich bewiesen hat, nah bei den Menschen zu sein, schließt sich dem Geburtstagsgruß der Berliner Parteiführung uneingeschränkt an. Happy Birthday!

Veröffentlicht am 22.05.2023

 

Gesellschaft Kirchen verlieren massiv Mitglieder, erhalten aber immer mehr Geld vom Staat

Wochenendgedanken aus Rhade

Beginnen wir mit zwei Zahlen. Nur noch weniger als 50% beträgt der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung. 1990 waren es noch 72%. In diesem Jahr zahlt der Staat beiden Kirchen zusammen 602 Millionen Euro. 1990 waren es dagegen nur 269 Millionen. Wie passt das zusammen? Warum unterstützt der Staat, also alle Steuerzahler, die genannten Kirchen mit sogenannter Staatsleistung. Um das zu verstehen müssen wir einen Blick zurück an den Anfang des 19. Jahrhunderts werfen. Da übernahmen die sogenannten Reichsfürsten erhebliche Kirchengüter. Quasi eine Enteignung gegen das Versprechen, dafür entschädigt zu werden. Die Bundesrepublik ist der Rechtsnachfolger der Reichsfürsten und muss sich deshalb an diese Vereinbarung halten. Obwohl sich schon in der Weimarer Verfassung 1919 ein Artikel über die Ablösung der Zahlungen findet, geschah nichts. Er wurde übrigens ins Grundgesetz übernommen. Artikel 138. Still ruht der See - immer noch. Zu Zeiten der GroKo stellte die Opposition, unter anderem die FDP, den Antrag, den Grundgesetzartikel endlich umzusetzen. Vergeblich. Im Koalitionsvertrag der jetzigen Ampelregierung unter Führung der SPD findet sich aber der Passus „Wir schaffen in einem Grundsätzegesetz im Dialog mit den Ländern und den Kirchen einen fairen Rahmen für die Ablösung der Staatsleistungen“. Da sofort die Kirchen und  einige Bundesländer, besonders Baden-Württemberg (Ministerpräsident Kretschmann, Grüne) signalisiert haben, da nicht mitzumachen, wird der GG-Artikel 138 noch lange nur als Absichtserklärung Bestand haben.   

Grundlage für diese Rhader Wochenendgedanken ist der Artikel der ZEIT vom 4. Mai. Die Überschrift lautet: Gottes Werk und Staates Beitrag

Veröffentlicht am 20.05.2023

 

Das offizielle Programm der Stadt Gesellschaft Dorstener Tage des Grundgesetzes - eine beispielhafte Aktion

Das beste und wichtigste Buch unseres Landes ist das Grundgesetz. Leider wird es viel zu wenig gelesen. Unter der Überschrift, DEMOKRATIE! ETWAS FÜR DICH?!, hat die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Rat und vielen örtlichen Institutionen zwischen dem 2. und 8. Mai mit vielen Veranstaltungen intensiv dafür geworben, immer mal wieder einen Blick in unsere „Demokratiebibel“ zu werfen. Die Rhader SPD hat diese Aktion mit Originalzitaten der Grundrechte zeitgleich begleitet. Sie stehen am Anfang des Grundgesetzes und vermitteln in 19 Artikeln verbindlich, nach welchen Rechten und Pflichten jeder deutsche Staatsbürger sich zu richten hat. Insgesamt verzeichnet das GG 146 Artikel. Die Idee, für das Grundgesetz offensiv zu werben, verdient uneingeschränkte Anerkennung. Abschließend wollen wir an dieser Stelle auf die kommenden besonderen Veranstaltungen der Ratsfraktionen hinweisen, die sich nach einem Vorschlag der SPD, „Mobil für das Grundgesetz“, am 13. Mai auf dem Markt in Dorsten, am 19. Mai auf dem Wulfener Markt und am 26. Mai vor dem Nahversorgungszentrum in Rhade zum offenen und öffentlichen Meinungsaustausch jeweils zwischen 10.30 und 12 Uhr zur Verfügung stellen. Die gesamte Aktion, so unsere Rhader Anregung, sollte den Zusatz, Fortsetzung folgt tragen.

Veröffentlicht am 09.05.2023

 

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