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Nachrichten zum Thema Gesellschaft
Gesellschaft Eine starke Geste der Süddeutschen Zeitung
Auf 4 kompletten Zeitungsseiten wurden zum Gedenken an 100.000 Corona-Tote in Deutschland 100.000 Kreuze abgedruckt.
Veröffentlicht am 21.11.2021
Gesellschaft Sagen, was man denkt …
Wenn die Schere im Kopf die Oberhand gewinnt
Duckmäuser, ein abwertender Begriff für Menschen, die keine eigene Meinung haben oder sich nicht trauen, sie zu sagen. Sie bilden in der Gesellschaft die Mehrheit. Die schweigende Mehrheit. Es gibt aber auch die anderen, die sich aktiv einmischen, um Verbesserungsvorschläge zu machen, oder um Kritik an bestehenden Verhältnissen zu üben. Diese sind zwar unverzichtbar, werden aber nicht selten, anfangs nur hinter dem Rücken, später auch öffentlich, abwertend be- und verurteilt. Wer da nicht ganz stark ist, wird sich aus dem gesellschaftspolitischen Leben nach und nach zurückziehen. Als vor einigen Tagen das Dorstener Krankenhaus stolz meldete, einen luxuriösen Anbau nur für Privatpatienten zu errichten, erwachte spontan der Wunsch, das kritisch zu kommentieren. Tendenz: Zweiklassen-Medizin ist von gestern. Jeder Mensch hat nämlich des Recht, die beste medizinische Behandlung zu erfahren. Unabhängig vom Geldbeutel. Da war sie plötzlich - die Schere im Kopf. „Halt dich zurück. Als Kassenpatienten wird dir mindestens das Schüren von Neid vorgeworfen“. Also tief durchatmen und das Gedachte runterschlucken. Gut, dass es aber eine Bürgerin gibt, die anders denkt und in einem Leserbrief (Dorstener Zeitung) deutlich Kritik an unserem Zweiklassen-Gesundheitswesen übt. Sie hat die Schere im Kopf beiseite gelegt und sich offen und öffentlich positioniert. Sie verdient Anerkennung.
Ein selbstkritischer Rhader Zwischenruf
Veröffentlicht am 19.11.2021
Gesellschaft Grundgesetz Artikel 3: Männer und Frauen sind gleichberechtigt
Vera Konieczka, langjährige Gleichstellungsbeauftragte im Dorstenber Rathaus blickt zurück und beantwortet Fragen der Rhader SPD (Teil 3 und Schluss)
Frage: Ein Blick in die Zukunft nach 2050. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Führungspositionen auf allen Ebenen (Privat; Politik; Wirtschaft) paritätisch besetzt?
Vera Konieczka: Im Jahr 2050 sind die Babyboomer aus den Corona-Jahren fast dreißig Jahre alt. Die Frauen verübeln ihren Müttern und Großmüttern, dass sie die Quote nicht verteidigt haben, sondern glaubten, es reiche aus, genauso gut, am besten besser als Männer qualifiziert zu sein. Um Familie und Beruf zu vereinbaren, hatten Mütter und Großmütter alle Möglichkeiten des Homeoffice ausgeschöpft. Sie waren zur fittesten Frauengeneration an Computern geworden, die die Bundesrepublik je hatte, zumal sie alle technischen Mängel selbst beheben mussten, denn den Unternehmen war die Fernwartung zu teuer geworden. Man sagte Frauen nach, externe Arbeitsplätze seien besonders gut für sie geeignet, weil sie dem weiblichen Arbeitsvermögen entsprächen: familiennah, zeitlich enorm flexibel bis in die Nacht, genauso wie sie es von Kinderbetreuung und Pflege schon immer gewohnt seien. Unternehmensinterne Arbeitsplätze waren derweil zu Männerdomänen geworden, die Männer engagiert zum Ausbau ihrer Netzwerke nutzten. Natürlich fiel bei Beförderungen als erstes das Auge auf sie, die Frauen im Homeoffice waren unsichtbar geworden und wurden bei Lohnerhöhungen einfach vergessen. Kein Wunder, dass die firmeninternen Arbeitsplätze immer begehrter wurden. Im Jahr 2050 beginnen die Corona-Babyboomerinnen sich zu empören, sie fordern eine Frauenquote für interne Arbeitsplätze und gleiche Bezahlung. Ihr Motto: Future for Quote und Equal Pay.
Veröffentlicht am 16.11.2021
Gesellschaft Grundgesetz Artikel 3: Männer und Frauen sind gleichberechtigt
Vera Konieczka, langjährige Gleichstellungsbeauftragte im Dorstenber Rathaus blickt zurück und beantwortet Fragen der Rhader SPD (Teil 2)
Frage: Gibt es je ein wesentliches einschneidendes Erlebnis in deinem Berufsleben? Positiv und negativ?
Der größte Erfolg, den ich für Frauen in Dorsten erstritten habe, ist sicherlich das Fallen der Residenzpflicht für angehende Kranken- und Gesundheitspflegerinnen im Dorstener Krankenhaus im Jahr 2013. Bis dahin bekamen sie im Gegensatz zu männlichen Auszubildenden nur einen Ausbildungsvertrag, wenn sie sich zugleich verpflichteten, ein Zimmer im Schwesternwohnheim zu nehmen – selbst wenn sie auf der Straßenseite gegenüber wohnten oder verheiratet waren. Am Ausbildungsende entsprach der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern ungefähr den Kosten eines Kleinwagens.
Auf Granit biss ich mit dem Anliegen, faire Löhne für diejenigen Frauen zu erreichen, die seinerzeit die einzige öffentliche Toilette in der Stadt Dorsten am Westwall putzten. Sie wurden aus einem Sozialhilfeprogramm des Landes bezahlt, das als Voraussetzung vorsah, die Arbeiten müssten gemeinnützig und zusätzlich sein. Meiner Argumentation, diese Reinigungsarbeiten könnten nicht zusätzlich sein, weil eine ungereinigte Toilette auf Dauer unbrauchbar sei, man sich mit dem Beschluss für den Bau quasi auch für deren Reinigung ausgesprochen habe, konnte der Sozialausschuss nicht folgen. Anders dagegen das Arbeitsministerium des Landes NRW, das einige Zeit später nach den Erfahrungen der kommunalen Gleichstellungsbeauftragen mit diesem Landesprogramm fragte.
Wird fortgesetzt
Veröffentlicht am 13.11.2021
Gesellschaft 9. November – 83 Jahre danach - Dorsten ist ein Mosaikstein des Grauens
Das Jüdische Museum in Dorsten lädt zum Gedenken und zum Nachdenken
Eigentlich kann man es immer noch nicht richtig glauben. Aber es ist geschehen und verpflichtet uns heute (wieder) hinzusehen. In unserer Stadt wurden in der Nacht vom 9. auf den 10 November 1938 jüdische Bürger, bislang von allen akzeptiert und integriert, von fanatischen Nationalsozialisten, auch Braunhemden genannt, terrorisiert und gedemütigt. Danach deportiert und ermordet. Heute vor 83 Jahren. In Dorsten! So wie in jeder anderen deutschen Stadt und Gemeinde. Nie wieder, so der Schwur, als 1945 nach und nach deutlich wurde, was die gigantische Mordmaschine NSDAP in 12 Jahren angerichtet hat. Das war nur möglich, weil aktive Täter sich auf passive Mittäter in jeder Stadt verlassen konnten. So wie in Dorsten. Zur geschichtlichen Wahrheit gehört dazu, dass bis Anfang der 80er Jahre, der Mantel des Schweigens über der Lippestadt hing. Erst die Aufarbeitung durch die Bürgergruppe „Dorsten unterm Hakenkreuz“, sorgte endlich dafür, dass der Geschichtsnebel aus den Lippeauen aufstieg und den unverstellten Blick auf das was war, frei machte. In der Folge dieser Geschichtsarbeit von unten entstand das beeindruckende Jüdische Museum Westfalen in Dorsten. Heute ist der Museumsgarten um 17 Uhr Treffpunkt für alle Bürgerinnen und Bürger, die nicht nur gedenken, sondern mit ihrer Teilnahme für Respekt und Toleranz in unserer Gesellschaft werben und eintreten wollen. Die Würde des Menschen (aller Menschen) ist unantastbar, heißt es im Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Heute können wir mit unserer Teilnahme dazu ein Zeichen setzen.
Eigener Beitrag
Weitere Informationen: www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de
und unter
www.jmw-dorsten.de
Veröffentlicht am 09.11.2021
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