Nachrichten zum Thema Gesellschaft

Gesellschaft „Wer an den Dingen seiner Stadt keinen Anteil nimmt, ist nicht ein stiller Bürger, sondern ein schlechter!“

Sonntagsgedanken aus Rhade

Vor 2470 Jahren soll Perikles, ein griechischer Philosoph, diese weisen Worte geschrieben haben. Versuchen wir sie aktuell zu interpretieren. Sie fordern auf, uns einzumischen. Einzumischen, wie wir in unserer Stadt leben wollen. Während „damals“, im Mutterland der Demokratie die Verantwortung fürs Ganze demjenigen zufiel, den das Los getroffen hat, wird heute per Stimmzettel gewählt. Die Verantwortung ruht auf mehreren Schultern. Eine positive Weiterentwicklung, die aber auch Gefahren mit sich bringt. Nämlich, dass die so Auserwählten ein unangebrachtes Überlegenheitsgefühl an den Tag legen. Anders ausgedrückt, der Bürger, der an den Dingen seiner Stadt, unserer Stadt, Anteil nimmt, ist immer dann ein guter Bürger, wenn er sich „auf Linie“ bewegt. Auf Linie, die vorgegeben wird. Umgekehrt mutiert er in Augen der „Obrigkeit“ sehr schnell zum schlechten Bürger. Damit das auch Wirkung zeigt, wird hinter der vorgehaltenen Hand auch schon mal falsch Zeugnis geredet. Da hilft es auch nicht, den Begriff Bürgerbeteiligung obenan zu stellen. Halten wir fest: Nur derjenige, der aktiv an den Dingen seiner Stadt Anteil nimmt, ist ein guter Bürger. Der Mitläufer und Abnicker ist es eher nicht.

Veröffentlicht am 27.06.2021

 

Gesellschaft Unsere jüngere Geschichte holt uns immer wieder ein – Das ist gut so

Persönliche Sonntagsgedanken aus Rhade

 

„Aus der Geschichte lernen zu wollen bedeutet auch die
Entschlossenheit oder zumindest die Bereitschaft, „es“ in Gegenwart und
Zukunft besser zu machen …“
Vor 25 Jahren (1996) war es unser damaliger Bundespräsident Roman Herzog, der uns Nachhilfe im Geschichtsunterricht erteilte. Heute nimmt Frank-Walter Steinmeier, aktueller Bundespräsident den so gesponnenen Faden auf und erinnert uns in einer sehr persönlichen, emotionalen und großen Rede an die schrecklichen und monströsen Verbrechen der Nazis im Namen Deutschlands. Vor 80 Jahren (1941) griff die deutsche Wehrmacht Russland und die benachbarten Staaten überfallartig an und mordete im Verlauf 27 Millionen! Menschen, die zuvor in der Nazipropaganda zu lebensunwerten Untermenschen erklärt wurden. Frank-Walter Steinmeier:

Es war die Entfesselung von Hass und Gewalt, die Radikalisierung eines Krieges hin zum Wahn totaler Vernichtung. Vom ersten Tage an war der deutsche Feldzug getrieben von Hass: von Antisemitismus und Antibolschewismus, von Rassenwahn gegen die slawischen und asiatischen Völker der Sowjetunion.

Am 8. Mai 1945 endete das selbsternannte 1000jährige Reich in Trümmern. Die Aufarbeitung unserer jüngeren Geschichte wurde aber durch Schweigen und Verdrängen „auf die lange Bank“ geschoben. So haben 1956, also vor 65 Jahren, fünf Bundesrichter des Bundesgerichtshofs ihren „Kollegen“ Otto Thorbeck freigesprochen. Dieser hatte Dietrich Bonhoeffer und vier weitere Widerstandskämpfer am 8. April 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende zum Tode verurteilt und sofort hinrichten lassen. Der Bundesgerichtshof attestierte dem „Hin-Richter“ Thorbeck, so die Süddeutsche Zeitung, ein „einwandfreies Verfahren“ geführt zu haben. Dieses Urteil hatte dann Signalwirkung für den "Persilschein" aller Nazirichter in unserem demokratischen Nachkriegsdeutschland. Davon profitiert hat auch Hans-Joachim Rehse, der 1968 (!) das Landgericht Berlin als freier Mann verlassen durfte. „Rehse hat als Richter des Freislerschen Volksgerichtshofs an mindestens 231 Todesurteilen mitgewirkt“.

Unsere jüngere Geschichte ist einfach zu schrecklich, um sie zu vergessen. Wir haben die Pflicht, daraus zu lernen. Wir alle!

 

Dirk Hartwich

 

Die Textausszüge der Reden von Roman Herzog und Frank-Walter Steinmeier wurden der Internetseite des Bundespräsidialamtes entnommen. Die weiteren kursiv gestellten Zitate wurden der Süddeutschen Zeitung entnommen. Heribert Prantl schrieb den Text "Der Hin-Richter" am 12./13. Juni 2021

Veröffentlicht am 20.06.2021

 

Gesellschaft „Anne Frank Tag“ - Ein Leserbrief aus Wulfen zwingt zum Nachdenken

Ausstellungsobjekt in Bücherei macht fassungslos und hält der AfD den Spiegel vor

 

Vorbemerkung: Der Leserbrief von Reinhold Grewer ist an die Dorstener Zeitung gerichtet. Die Rhader SPD übernimmt ihn ungekürzt. Die Genehmigung dazu liegt vor.

 

Aktionstag „Anne Frank Tag“ gegen Antisemitismus und Rassismus in Wulfen

Die Gesamtschule Wulfen beteiligt sich in diesem Jahr wieder am Anne Frank Tag, einem bundesweiten Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus.

„Unter dem diesjährigen Motto ‚Blick auf die Geschichte‘ beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler mit der Lebensgeschichte des jungen jüdischen Mädchens und nehmen Fotos als historische Quellen kritisch in den Blick“.

Den Namen Anne Frank assoziiere ich als Dorstener Bürger momentan mit der zurzeit stattfindenden Ausstellung in der BiBi am See.

Erschütternd finde ich die Abbildung einer AfD Facebook- Gruppe: Sie zeigt ein Bild von Anne Frank auf einem Pizzakarton mit der Aufschrift "Die Ofenfrische, locker und knusprig zugleich" sowie "Neu, feurig scharf".

Dieser Gruppe gehören Mitglieder und Anhänger, Mandatsträger u.a. Bundes- und Landtagsabgeordnete, der AfD an.

Ich bitte Sie (Herr Heribert Leineweber, Herr Marco Bühne, Herr Bernd Oesing und Frau Simone Paulsen), als Vertreter oder Assistentin der Ratsfraktion der AfD im Rat der Stadt Dorsten diese Ausstellung zu besuchen.

Nach einer entsprechenden Terminvereinbarung bin ich bereit, Sie zu diesem Besuch der Ausstellung zu begleiten.

Diese Bitte spreche ich nicht anonym unter Nennung eines Pseudonyms in den sozialen Netzwerken, sondern unter Nennung meines Namens über die Dorstener Zeitung aus.

Für Ihre Bemühungen vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Reinhold Grewer

Veröffentlicht am 16.06.2021

 

Gesellschaft Schwester Paula - Tisa von der Schulenburg und ihr Dorstener Vermächtnis

Ein Offener Brief aus Rhade gegen das Vergessen - mit konkreten Vorschlägen

Die engagiert geführte Diskussion über den von der Kreissparkasse Recklinghausen der Stadt geschenkten Marktplatzbrunnen, den die Dorstener Ordensfrau und Künstlerin Schwester Paula geschaffen hat, reißt nicht ab. Nun ist ein Offener Brief aus Rhade in Richtung Rathaus, Stadtrat und Tisa-Stiftung unterwegs. Absender ist Dirk Hartwich, der zu Lebzeiten der Künstlerin häufig in direktem Austausch mit ihr stand. Sie hat besonders auch die Forschungsgruppe Dorsten unterm Hakenkreuz mit mehreren Reliefs unterstützt. Das Foto zeigt beispielhaft die Erinnerungstafel auf dem Lembecker jüdischen Friedhof am Kaiserweg. Hartwichs Ansatz ist, viel mehr als bisher das Leben und Wirken Schwester Paulas in den lokalen und überörtlichen Mittelpunkt zu rücken. „Dorsten kann sich glücklich schätzen, über so ein künstlerisches Alleinstellungsmerkmal zu verfügen“, so der Tenor des Offenen Briefes. Im Wortlaut:

Veröffentlicht am 10.06.2021

 

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