Nachrichten zum Thema Gesellschaft

Gesellschaft Schwester Paula - Tisa von der Schulenburg und ihr Dorstener Vermächtnis

Ein Offener Brief aus Rhade gegen das Vergessen - mit konkreten Vorschlägen

Die engagiert geführte Diskussion über den von der Kreissparkasse Recklinghausen der Stadt geschenkten Marktplatzbrunnen, den die Dorstener Ordensfrau und Künstlerin Schwester Paula geschaffen hat, reißt nicht ab. Nun ist ein Offener Brief aus Rhade in Richtung Rathaus, Stadtrat und Tisa-Stiftung unterwegs. Absender ist Dirk Hartwich, der zu Lebzeiten der Künstlerin häufig in direktem Austausch mit ihr stand. Sie hat besonders auch die Forschungsgruppe Dorsten unterm Hakenkreuz mit mehreren Reliefs unterstützt. Das Foto zeigt beispielhaft die Erinnerungstafel auf dem Lembecker jüdischen Friedhof am Kaiserweg. Hartwichs Ansatz ist, viel mehr als bisher das Leben und Wirken Schwester Paulas in den lokalen und überörtlichen Mittelpunkt zu rücken. „Dorsten kann sich glücklich schätzen, über so ein künstlerisches Alleinstellungsmerkmal zu verfügen“, so der Tenor des Offenen Briefes. Im Wortlaut:

Veröffentlicht am 10.06.2021

 

Uns zur Mahnung - die Säule auf dem Schulhof der Geschwister Scholl Schule Gesellschaft Dorsten: Auf den Spuren von Schwester Paula - Tisa von der Schulenburg

Nonne, Künstlerin und Ehrenbürgerin

Schwester Paula hat ein bewegtes Leben hinter sich. Offen hat sie darüber in ihren Buch Zeichnungen - Aufzeichnungen berichtet. Die Hinrichtung ihres Bruders Fritz von der Schulenburg, einer der Widerständler gegen Adolf Hitler, hat sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 nicht ruhen lassen. Fest in ihrem Glauben verwurzelt hat sie sich, nicht müde werdend, immer auch gesellschaftspolitisch eingemischt. Sie warnte vor den Gefahren des Faschismus und rechter Parteien, unterstütze ehrenamtliche Hilfsgruppen in aller Welt, erklärte sich solidarisch mit den Bergarbeitern, kurz, sie war für uns ein Vorbild. Ihre künstlerischen Arbeiten, ob Zeichnungen auf dem Papier, Reliefplatten aus Metall sowie diverse Skulpturen aus vielerlei Materialien sind international anerkannt und geschätzt. Wer mit offenen Augen durch Dorsten geht, findet überall Spuren ihrer Kunst. Die erste Station in der Lippestadt ist der Schulhof der Geschwister Scholl Schule an der Marler Straße. Eine Säule erinnert eindrucksvoll an die Widerstandsgruppe Weiße Rose und die Geschwister Scholl, die es gewagt hatten, mit Flugblättern vor den Nationalsozialisten zu warnen. Sie wurden verraten und hingerichtet. Leider gibt es keinen Hinweis in der Nähe der säulenartigen Skulptur auf die Künstlerin und Ehrenbürgerin unserer Stadt. Schwester Paula ist ein Glücksfall für Dorsten. Es würde unserer Stadt gut tun, die Erbschaft unserer Ehrenbürgerin besser zu pflegen.

Eigener Beitrag - wird fortgesetzt

Veröffentlicht am 04.06.2021

 

Gesellschaft Wann wird es endlich wieder Sommer?

Ein gesamtpolitisches Stimmungsbild - Von Berlin bis Dorsten und Rhade

Es regnet, es ist zu kalt, die Wolken hängen tief, die Stimmung auch. Es fällt in diesen Tagen nicht schwer, das Wetter mit der politischen Lage in unserem Land zu verbinden. Obwohl in knapp 4 Monaten ein neuer Bundestag gewählt wird, ist weit und breit nichts davon zu spüren. Programme scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Bei der CDU weiß der Wähler, die Wählerin tatsächlich bis heute nicht, wofür diese Partei steht. So wird ausschließlich die Persönlichkeit der Spitzenkandidaten darüber entscheiden, wer ins Kanzleramt einziehen wird. Demokratie lebt aber vom fairen Wettbewerb der Programme. Und ohne Parteibasis ist alles nichts. Diese bietet, egal in welche politische Richtung man blickt, ein trübes Bild. Corona hat die Vorort-Aktivitäten auf fast Null gesetzt. Es wird verzweifelte Versuche geben, die ehemals aktiven Mitglieder wieder hinter dem warmen Ofen hervorzuholen. Egal, ob der Blick nach Wesel, Recklinghausen oder Dorsten fällt. Überall das gleiche Bild. Parteien finden fast nicht mehr statt. Politik wird ausschließlich von den Bürgermeistern, ihren Pressestellen und eingeschränkt von den gewählten Fraktionen gemacht. Das funktioniert zwar leidlich, ist aber langfristig kontraproduktiv. Denn nur der offene und öffentliche politische Wettbewerb führt zu den besten Ergebnissen, auch in unserer Stadt, natürlich auch in Rhade. Die letzte Wettervorhersage verspricht Besserung. Parallel scheint auch Corona auf dem Rückzug zu sein. Gute Voraussetzungen, um unsere demokratischen Strukturen wiederzubeleben. Zur Erinnerung: Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. (Grundgesetz Artikel 21)

Ein Rhader Appell an die demokratischen Parteien vor Ort

Veröffentlicht am 28.05.2021

 

Gesellschaft Wulfen: Ein Buch, das es nicht geben soll, macht neugierig

Marion Rible hat dem Heimatverein ein unerwünschtes Geschenk gemacht

Im nächsten Jahr feiert der Wulfener Heimatverein sein 100jähriges Jubiläum. Grund genug zurückzublicken, in den Archiven zu stöbern und eine Festschrift über die Geschichte und die damit verbundenen Geschichten seit 1922 bis heute zu verfassen. Marion Rible, ehemalige Sprecherin der Geschichtsgruppe im Heimatverein Wulfen, erklärte sich frühzeitig dazu bereit und stürzte sich ehrenamtlich in die lang andauernde Sichtung aller verfügbaren Dokumente. Herausgekommen ist ein besonderes Buch, das alles hat was eine offene und informative örtliche Geschichtsschreibung ausmacht. Nämlich, dass die Aktivitäten eines Vereins immer auch im Zusammenhang mit der jeweiligen gesellschaftspolitischen Zeit zu sehen sind. Und genau hier zeigt die Autorin, dass heute kein Raum bleiben darf, um unerfreuliche Vereinsaspekte und Brüche, die es natürlich auch im Heimatverein Wulfen der letzten 100 Jahre gab, auszuklammern. Neben beliebten und geselligen Feiern waren es nämlich auch ideologisch gefärbte Aktivitäten, mit dem der Begriff HEIMAT so interpretiert wurde, dass dadurch die Mitglieder entsprechend vereinnahmt wurden. Beispielhaft sei hier die Nazizeit erwähnt, in der besonders die Heimatvereine ins Visier genommen, sprich gleichgeschaltet wurden, um für ein rassistisches Menschenbild aggressiv zu werben. Wie wir wissen, waren sie dabei sehr erfolgreich. Sich heute ohne Wenn und Aber davon zu distanzieren, gehört zu unserem Demokratieverständnis. In der Nachkriegszeit schafften es einige sofort, sich vom aktiven Täter zum passiven Mitläufer einzustufen, oder noch klarer, sich schon immer auf Distanz zur NS-Ideologie befunden zu haben. Marion Rible hat die vielen Facetten der Wulfener Geschichte und ihrer Akteure sehr interessant und nachvollziehbar beschrieben. Akribisch ihre lückenlosen Quellenangaben. Einige im Heimatverein, besonders eine starke Frau, die Lehrerin Bernadine Hewers, ragte als Persönlichkeit heraus. Sie kann noch heute als Vorbild gelten.

Warum der Wulfener Heimatvereinsvorstand dieses Buch als 100jährige Festschrift ablehnte, bleibt (s)ein Geheimnis. 50 Exemplare hat die Autorin auf eigene Rechnung drucken lassen. Ein wichtiges Geschichtsdokument für Wulfen, Dorsten und darüberhinaus. Inzwischen haben die örtliche Bücherei „Bibi am See“ und das Stadtarchiv das Buch in ihrem Bestand aufgenommen. So können sich jetzt neugierig gewordene Interessenten ein eigenes Bild über die 100jährige Geschichte des Heimatvereins Wulfen und über eine unverständliche Vorstandsentscheidung machen.

„Des Kaisers neue Kleider - Heimatverein Wulfen“, 184 Seiten von Marion Rible.

Für Sie gelesen und kommentiert von Dirk Hartwich, Rhade

Veröffentlicht am 25.05.2021

 

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