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Nachrichten zum Thema Gesellschaft
Gesellschaft Für Sie - am gestrigen Welttag des Buches - gelesen:
„Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen“
Navid Kermani ist in mehrfacher Hinsicht ein ausgezeichneter Schriftsteller, der auch schon einmal als möglicher Bundespräsident im Gespräch war. Der Titel seines neuesten Buches elektrisiert. „Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen“ - eine islamische Weisheit aus dem 11. Jahrhundert, die zwar alt an Jahren, aber zeitlos jung ist. Sie könnte heute auf allen Ebenen als gesellschaftspolitische Zielsetzung Verwendung finden, ohne missverstanden zu werden. Das Buch ist streng genommen ein religiöser Führer durch den Islam und alle bekannten Glaubensrichtungen. Im fiktiven Gespräch mit seiner 12jährigen Tochter erklärt Navid Kermani den Koran, vergleicht wichtige Passagen mit der Bibel, der Thora und den fernöstlichen heiligen Schriften. Seine Ausflüge in die Naturwissenschaften ergänzen das Mystische des Glaubens nachvollziehbar und verständlich. Dabei räumt er mit vielen Vorurteilen auf, wirbt für Toleranz und Menschenliebe. Sein Ringen mit dem Glauben ist an Offenheit und Ehrlichkeit nicht zu überbieten. Seine Ausführungen zwingen den Leser, wenn er sich darauf einlässt, sich selbst zu prüfen. Glaube ich an Gott? Habe ich mir überhaupt schon einmal ernsthaft diese Frage gestellt? Spannend, die Gedanken des Autors nicht nur zu lesen, sondern persönlich weiterzuentwickeln.
Dirk Hartwich
Navid Kermani: Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen, Hanser Verlag, 238 Seiten, gebundene Ausgabe 22 Euro
Veröffentlicht am 24.04.2023
Gesellschaft Antje Vollmer: Das Vermächtnis einer besonderen Politikerin
Eine schonungslose Analyse über den Irrweg der Grünen
Vor einem Monat starb Antje Vollmer mit 79 Jahren. Sie war eine erfolgreiche und allseits anerkannte Politikerin der Grünen. Als Bundestagsvizepräsidentin hat sie sich überparteilich Anerkennung verschafft. Ein letzter Text, den sie als Gastbeitrag in der Berliner Zeitung veröffentlichte, gilt als ihr politisches Vermächtnis. Er wird in Erinnerung bleiben, weil er die Entwicklung der Grünen und besonders die der derzeitigen Führung, gnadenlos bloßstellt. Sie erinnert daran, dass die Grünen als Friedenspartei gegründet wurde. Das Säbelrasseln im Ukrainekrieg zeigt aber, dass dieser Pfad verlassen wurde. „Die Außenministerin ist die schrillste Trompete der neuen antagonistischen Nato-Strategie“, so wörtlich der Verriss gegenüber Anna-Lena Baerbock. Sie begründet ihre Kritik mit dem Hinweis, dass dieser unsägliche Krieg eine Vorgeschichte mit vielen verpassten Gelegenheiten zum Dialog habe und erinnert in diesem Zusammenhang an Michael Gorbatschow, der beide Hände zum friedlichen Miteinander dem Westen entgegengestreckt habe. Die deutsche Wiedervereinigung wäre ohne ihn nicht möglich gewesen. Statt Dankbarkeit in Freundschaft zu verwandeln, bekam das Vertrauenstischtuch mit zunehmender Arroganz dunkle Flecken. Antje Vollmer bezeichnet diese Entwicklung als ihre größte politische Niederlage. „Der Hass und die Bereitschaft zum Krieg und zur Feindbildproduktion ist tief verwurzelt in der Menschheit, gerade in Zeiten großer Krisen und existentieller Ängste. Heute aber gilt: Wer die Welt wirklich retten will, diesen kostbaren einzigartigen wunderbaren Planenten, der muss den Hass und den Krieg gründlich verlernen. Wir haben nur diese eine Zukunftsoption“, so ihre letzten schriftlichen Worte.
Eigener Rhader Text auf Grundlage der Veröffentlichung „Was ich noch zu sagen hätte“ in der Berliner Zeitung vor einigen Wochen.
Veröffentlicht am 19.04.2023
Gesellschaft Rhader Wochenend-Gedanken zu Ostern
Ostern, ein christliches Fest mit riesigem Symbolgehalt für Frieden, Verständigung, Toleranz und Nächstenliebe. Die Realität ist bitter. Frieden? Blicken wir beispielhaft in die Ukraine, in den Jemen oder nach Myanmar. Verständigung? Lassen wir unseren Blick nach China und Taiwan schweifen. Toleranz? Richten wir doch noch einmal unseren Blick in die vergessenen Flüchtlingslager auf dem Boden der EU oder auch in Libyen. Nächstenliebe? Nun blicken wir in den Spiegel. Wir sehen uns und beginnen ein Selbstgespräch. Frieden? Ja, ich sollte mich mehr informieren, mehr engagieren, mehr Flagge gegen Kriege aller Art zeigen. Verständigung? Ja, sie ist der Schlüssel zum friedlichen Zusammenleben. Egal, ob es sich um Staaten handelt oder um meine Nachbarschaft und Familie. Toleranz? Ja, ich erkenne deutlich meinen Egoismus, der verstärkt der Toleranz gegenüber anders Denkenden, anders Aussehenden, anders Glaubenden, anders Liebenden weichen muss. Nächstenliebe? „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Ein selbst erklärender Satz, der ungemein viel Verständigung und Toleranz von uns erfordert. Dann wäre selbst der Frieden, nicht mehr weit, sage ich laut zu meinem Spiegelbild. Jetzt gilt, das Erkannte praktisch zu leben. Vier freie Tage zu Ostern. Zeit, immer mal wieder in den Spiegel zu blicken, um mich zu erkennen.
Veröffentlicht am 07.04.2023
Gesellschaft Inflation macht uns alle ärmer
Preissprünge sind häufig nicht nachzuvollziehen
Die Bundesregierung versucht seit Monaten mit diversen Entlastungspaketen die hohe Inflation auszugleichen. Das ist der sozialdemokratisch geführten Regierung hoch anzurechnen. Dennoch klafft weiter eine erhebliche Lücke zwischen der Preis- und Lohnentwicklung. Während sich die Löhne und Renten in der Regel 12 Monate lang nicht bewegen, springen viele Preise unerklärlich, sogar mehrfach am Tag, auf steigendem Niveau, hin und her. Der regelmäßige Blick auf die elektronisch gesteuerten Tankstellen-Anzeigetafeln gibt immer wieder Rätsel auf. Wechseln wir vom Erdölprodukt zum Lebensmittel. Plötzlich ist Butter ein Schnäppchen im Supermarkt. Oder Kaffee. Gestern noch ein Hochpreis-Produkt, heute deutlich fallend im Preis. Butter und Kaffee sind sogenannte Eckprodukte im Lebensmittelhandel. Die Strategie, hier mit wenigen spektakulär niedrigen Preisen die Kunden zum Großeinkauf in das Geschäft zu locken, geht immer auf. Beim Kaffee gibt es, neben dem Discounter, noch einen Gewinner - den Bund. Er erhebt nämlich eine Kaffeesteuer in Höhe von 2,19 Euro je Kilo Röstkaffee und 4,78 Euro für 1 Kilo löslichen Kaffee. Das spült im Jahr eine Milliarde Euro in die Bundeskasse. Die Verbraucher haben nur die Möglichkeit, die negative Differenz zwischen Inflationsrate und eigenem Einkommen durch diszipliniertes Einkaufen zu verringern. Die SPD, muss „steuernd“, im wahrsten Sinne des Wortes, in die „freie“ Marktwirtschaft eingreifen, um sie als soziale Marktwirtschaft zu erhalten.
Ein Rhader Blick in die Haushaltskasse
Veröffentlicht am 20.03.2023
Gesellschaft Der Nachfrageerfolg der Tafel darf auch als Armutszeugnis der Gesellschaft bewertet werden
2005 waren es 0,5 Mio. Nutzer - 2022 bereits 2 Millionen
Lange glaubte der Rhader Autor dieser Zeilen, dass die Tafel eine übertriebene „Goodwill-Aktion“ sozial engagierter Menschen war. Also ein kurzfristiges Phänomen. Inzwischen beweisen die Zahlen, dass es ernst ist. Sehr ernst. 963 Tafeln mit über 2000 Ausgabestellen gibt es inzwischen bundesweit. Auch in Dorsten. 60.000 ehrenamtliche Helfer organisieren und verteilen 265.000 Tonnen Lebensmittel jährlich. Von den jetzt 2 Millionen Nutzern sind 28% Kinder und Jugendliche, 24% Senioren und 48% Erwachsene. Unser Sozialstaat müsste eigentlich Armut dieser Art verhindern. Er scheint schlicht überfordert zu sein, die breit gefächerten Notlagen der Bevölkerung frühzeitig zu erkennen, um gegenzusteuern. Die Tafeln sind so (über)lebensnotwendig geworden. Zwei Gedanken begleiten diesen Text.
- Die Parteien, die Politik, die Parlamente und die Regierungen müssen schneller auf Notlagen reagieren. Ob Altersarmut oder Flüchtlingskrise - kein Mensch darf in Deutschland zum Bettler von Lebensmitteln werden.
- Tafeln sind momentan ein sichtbares Armutszeugnis unserer gesamten Gesellschaft. Den Helfern und Spendern ist ihr Engagement sehr hoch anzurechnen. Unsere (SPD)-Aufgabe ist es dennoch, durch vorausschauende Sozialpolitik die Tafeln überflüssig zu machen.
Eigener Bericht auf Grundlage des ZEIT-Berichtes „Armutszeugnis“ vom 16.2.2023
Veröffentlicht am 07.03.2023
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